Mobile Payment SWOT 10: PayPal baut eine Rakete

Paypal Galactic

Last but not least darf natürlich in dieser Serie nicht fehlen. Der Glücksgriff von eBay gehört zu den wenigen in der Branche, der nicht nur galaktische Ambitionen an den Tag legt, sondern auch konkrete, messbare Erfolge im mPayment vorweisen kann.

14 Mrd. US$ wickelte PayPal in 2012 via mobile Endgeräte ab, das macht 10% seines gesamten Transaktionsvolumens und dreimal mehr als noch in 2011. Diese Zahl soll 2013 sogar auf 20 Mrd. US$ wachsen. Vielleicht steigt ein solcher Erfolg in den Kopf. Ende Juni kündigte das Unternehmen an, als nächstes die Herausforderung von Zahlungsvorgängen auch außerhalb der Erde lösen zu wollen: „im Weltraum und zwischen Weltraum und der Erde“. Wenn wir dann alle eines Tages im All reisen, muss das Payment Problem gelöst sein … man soll sich ja ambitionierte Ziele setzen ;-)

Quelle: PayPal

Zurück aus der Zukunft – Innovationen im Heute

Aber zurück aus der Zukunft in die heutige Realität. Der Fokus dieser Payment Serie liegt auf sogenannten „Proximity Payments“, also in stationären Geschäften. Die quantitativen Erfolgsmeldungen von PayPal beruhen hingegen fast ausschließlich auf mPayment im Internet mit mobilen Endgeräten, also kurz gesagt (siehe auch Definitionen).

Gleichzeitig testen eBay und PayPal unermüdlich neue Konzepte, die Online und Offline miteinander verbinden. Die Shopfront von Kate Spade in New York (weitere Details im Factsheet),  das QR-Shopping mit Deichmann an Bushaltestellen in Bremen oder die brandneue QR-Shopping City Oldenburg gehören dazu. In diesen Beispielen zeigt sich die Stärke von PayPal, eine minimierte und wirklich reibungslose zu designen. Vielen gelingt das heute noch nicht.

Was noch fehlt: Offline

Fehlt noch der Schritt, dass mit PayPal an der Ladenkasse eines stationären Händlers bezahlt werden kann. Erst dann kann man über sprechen, wenn das Zahlungsmittel überall einsetzbar ist und beim Springen zwischen Kanälen immer die gleichen Optionen bietet und immer mit dem gleichen Konto verbunden ist. Und wo die Zahlungshistorie für alle getätigten Einkäufe zusammenläuft, egal ob Online, Offline oder Mobil.

Für die Partie Offline Payments kündigte PayPal im September „PayPal “ an. Hierbei wird ein stationäres Geschäft mit einem Sensoren Netzwerk ausgerüstet. Die Anwesenheit eines Kunden im Geschäft kann durch die Erkennung seines Smartphones ermittelt werden. Am POS sagt der Kunde nur noch seinen Namen, das im Kassensystem hinterlegte Foto dient zur Authentifizierung des Kunden. Unser mz-Autor Rudolf Linsenbarth schrieb heute schon detaillierter darüber.

Auch hat PayPal eine Partnerschaft mit dem US-Kreditkartenanbieter Discover, 50 Retailer aus dem Netzwerk haben angeblich bereits die Akzeptanz von PayPal im stationären Geschäft zugesagt. Und auch nicht zu vergessen, der brandneue Service von PayPal, wobei Kunden über QR-Code oder Zahlencodes im stationären Geschäft auschecken sollen können.

Was noch fehlt: Mehrwerte

Alle Zahlungsvorgänge an einer Stelle zu verwalten kann bereits als Mehrwert betrachtet werden. Aber womöglich reicht das nicht aus. PayPal hat daher im September seine -App mit einem kräftigen Update versehen. Mit den Neuerungen bietet die App u.a.:

  1. Offers & Discounts (Lokalisierung von Geschäften und aktuellen Angeboten in der Umgebung),
  2. Order Ahead (Vorabbestellungen und Vermeidung von Warteschlangen im Schnellrestaurant),
  3. Bill me Later (Möglichkeit zu Sofortfinanzierung des Einkaufs).

Erwähnt sei auch noch das Versenden von Geld per eMail, wie auch Google es unter hoher Aufmerksamkeit für GMail ankündigte.

Gar nicht schlecht, oder? Sieht schon ziemlich nach einer Payment Rakete aus.

PayPal probiert sehr viel aus, bietet viel an und hat auch einiges zu bieten. Nun muss die Rakete nur noch fliegen. Wie sehen die Chancen des Innovators und Gewinners im eCommerce Payment für Mobile Proximity Payments aus? Welche Stärken und Schwächen bringt er mit? Wo liegen die Risiken? Einige Punkte in der folgenden SWOT-Übersicht (sicher nicht vollständig und Kommentare sind willkommen):

Alles hat einmal ein Ende, so auch dieses Mobile Payment SWOT. Last but not least war heute PayPal dran. Damit ist diese Serie abgeschlossen.

Zur Erinnerung: Diese Mobile Payment Serie fokussiert auf Mobile Proximity Payments, d. h. Zahlungen mit einem mobilen Endgerät an einer Kasse in der realen Welt (siehe auch Definition). mPayments im Internet (oder ePayments über mobile Geräte) sind in der Betrachtung nicht einbezogen worden.

In dieser Serie sind bereits erschienen:

Teil 1: was gibt es Neues im Sommer 2013?

Teil 2: Definitionen

Teil 3: Mobilfunkanbieter mit aller Kraft voraus?

Teil 4: GAFA – Haben die digitalen Giganten die Lösung zum Problem ?

Teil 5: Microsoft & Samsung – Möchtegern oder Me-Too?

Teil 6: Banken – Wo bleiben sie denn?

Teil 7: Kreditkartenunternehmen – In der Ruhe liegt die Kraft?

Teil 8: Händler – näher dran am Kunden?

Teil 9a: Startups – wie kommt man auf diese Idee (Clusterung nach Assets & Traction)

Teil 9b: Startups – welche Erfolgschancen?

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Über Maike Strudthoff 93 Artikel

Maike Strudthoff ist Innovation Coach, Autorin und Speaker. Ihre Spezialisierung: Digital Services Innovationen und Customer Centricity. Sie hilft Unternehmen die Zukunft zu antizipieren und Veränderungen umzusetzen, u. a. durch Workshops, Ideation, Events, Benchmarks, usw. Mehr über Maike auf XING, ihrer Website oder per Mail maike@jump-next.com

2 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    ich glaube es ist noch zu früh, um die Gewinner des „Wallet Wars“ zu bestimmen. Eine Sache ist allerdings klar: Es wird nicht mehr eine „One Size fits All“ Lösung geben, der Kuchen wird sich an mehrere und auch neue Player verteilen.

    Dabei muss man den Kontext berücksichtigen. Z. B. werden Konsumenten ein Zahlungsmittel mit universeller Verfügbarkeit besitzen wollen, damit sie sicher sein können, immer zahlungsfähig zu sein. Dies ist z. B. für viele Deutsche der Grund, warum sie überhaupt eine Kreditkarte besitzen – die funktioniert auf der ganzen Welt. Oder ähnlich für Paypal im world-wide-web.

    Dann wird es Umfelder geben, wo man eine besondere Beziehung zu einer Marke/Geschäft hat. Man geht dort regelmäßig hin, ist markentreu, sucht zusätzliche Mehrwerte und lässt dann unter Umständen auch auf ein eigenes Zahlungsmittel ein. Closed-loop wie z. B. bei Starbucks oder in D vielleicht bei netto.

    Vertrauen, Convenience, Verfügbarkeit und emotionale Bindung sind entscheidende Faktoren. Derzeit haben die Banken noch am meisten Vertrauen. PayPal hat verstanden, wie man Convenience digital umsetzt. Die Kreditkartenfirmen haben ein gigantisches Netzwerk an Akzeptanzstellen. Lokale Player und Startups haben die Flexibilität, sich auf ganz spezifische Anforderungen oder Communities einzustellen.

    Der Zielkunde sollte also bei dieser Betrachtung im Fokus stehen: die beste und stärkste Lösung für einen bestimmten Kontext zu finden. „The future ist contextual“!

  2. Moin Maike,

    großartige Serie, gibt einen objektiven und sehr wertvollen Überblick über die Player und deren Moves.

    Wäre gespannt zu hören, welche der 8 genannten Deine Favoriten sind. Wenn Du drei wählen müsstest, welche wären es? ;-)

    lg Martin

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