Mobile Payment – Alles Beacon oder was?

Mobile Payment – Alles Beacon oder was?

Kommt eine Frau in ein Geschäft, die Verkäuferin an der Kasse übergibt ihr freundlich lächelnd eine fertig gepackte Einkaufstüte und die Frau verlässt ebenfalls lächelnd wieder das Geschäft.

Das ist kein Witz dem die Pointe fehlt, sondern eine Szene des Werbevideos der Firma über ein zukünftiges Mobile Payment Verfahren mit Hilfe der Beacon (engl. Leuchtfeuer) Technology.

Der Beacon selber hat die Form eines USB Stick, wird über einen Adapter an der Steckdose angeschlossen und verbreitet von dort sein Low Energy (BLE) Leuchtfeuer im Umkreis von 10 m.

Wie funktioniert damit jetzt ein Bezahlvorgang?

Als erstes müssen ein paar Vorarbeiten und Voraussetzungen geschaffen werden. Neben der Einrichtung eines PayPal Accounts und Installation der APP auf einem BLE fähigem Handy muss zuvor noch ein aktuelles Passfoto des Kunden bei PayPal abgelegt werden.

Wenn man nun ein Geschäft mit einem BLE Beacon betritt, wird man automatisch eingecheckt. Beim abschließenden Bezahlvorgang sagt man nur PayPal und der Verkäufer vergleicht das Gesicht des Kunden mit den Fotos aller in diesem Geschäft eingeloggten PayPal Nutzer. Erkennt er eine Übereinstimmung, wählt er das entsprechende Konto aus und belastet dieses. Danach sagt er vielen Dank und es ist bezahlt. Für mich hört sich das  an, wie meine Kinder, die Kaufladen spielen.

Danach drängen sich eine Reihe weiterer Fragen auf.

Falls das Verfahren Erfolg hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass es Geschäfte gibt, in denen locker 20 oder mehr Benutzer eingecheckt sind. Wie lange dauert es bis der Verkäufer alle Gesichter durchgescrollt hat?

Was passiert wenn der Verkäufer das Konto einer anderen eingecheckten Person belastet?

Überhaupt wo bleibt hier die Kontrollmöglichkeit über den Bezahlvorgang. Beworben wird hier vor allem die Tatsache, dass das Handy gar nicht mehr in die Hand genommen werden muss, sondern alles automatisch abläuft.

Auch die Funkstrecke von 10m wird als deutliches Plus in den Vordergrund gestellt. Wobei vielen Mitmenschen bereits die theoretische Maximaldistanz von 10cm bei bereits zu viel ist und daher ihre Karten lieber stecken, statt sie nur in die Nähe eines Terminals zu halten.

Die Zuordnung einer Mobile Payment Transaktion zum Smartphone muss zwingend unter Kontrolle des Kunden erfolgen. Dieser Vorgang, der in meinem Mobile Payment Layer Modell in der Ebene des Communication Layers angesiedelt ist, kann auf mehrere Arten durchgeführt werden. Zum einen werden Kundenidentifikationsinfos an das Kassenterminal übergeben, die dann zum Payment Provider weiter geleitet werden. Alternativ können auch die Transaktionsdaten des Bezahlvorgangs ab gescannt werden und per Handy Datenverbindung vom Kunden weitergeleitet werden. Der Mobile Payment Provider empfängt diese Daten, verknüpft sie mit dem Kundenkonto und meldet den erfolgreichen Bezahlvorgang an die Kasse zurück. Mögliche Kommunikationstechnologien hierfür sind ein , NFC oder ein gesprochener Zahlentransaktionscode wie bei der netto APP. Beacon BLE bringt keine Voraussetzungen mit, solche Zuordnungen zu erstellen, sondern bedarf dazu weiterer Hilfsmittel. Den Vorschlag von PayPal, das mit Biometrie zu lösen (hier Gesichtserkennung), halte ich für weltfremd.

Aber es gibt ja noch ein weiteres Unternehmen, bei dem der Beacon gerade en Vogue ist. Die Firma mit dem Apfel Logo nennt sein Produkt selbstverständlich iBeacon. Aber außer, dass man hier auch auf BLE setzt, hält sich sehr bedeckt wie man das Zuordnungsproblem lösen will.

Fazit

Bluetooth Low Energy wird mit Sicherheit einige interessante Anwendungen in die Mobile Welt bringen. Dazu gehören Indoor , Vereinfachung von Check In Prozessen oder das Koppeln von Smart Devices mit dem Handy. Dass man mit  allein ohne eine weitere Hilfstechnologie  Mobile Payment durchführen kann, behauptet man derzeit noch nicht einmal in Cupertino.

Phil Schillers (Marketing-Vizepräsident von Apple) sagte 2012 zur Einführung des 5:

“It’s not clear that NFC is the solution to any current problem.”

BLE ist aber jedenfalls nicht die Durchbruchstechnologie für das Mobile Payment!

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

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