Trump und sein „Digital War“

Trump

Die Wahl eines neuen Präsidenten in den USA steht in wenigen Tagen, am 3. November 2020, an.

Trump setzte seit Beginn seiner Amtszeit stark auf Twitter mit Tweets, die häufig Drohungen und Beleidigungen dieses Poltergeistes mit der lustigen Frisur beinhalteten. Er gilt für viele Staatschefs, Politiker und Bürger auf der ganzen Welt als unberechenbar, gefährlich, narzisstisch, kindisch und clownhaft.

Unabhängig davon, wie man Trumps digitalen und verbalen Angriffe bewertet: Seit Coolidge bis Roosevelt, von Bush bis Obama – im vergangenen Jahrhundert und bis heute gab es keinen US-Präsidenten, der nicht in Kriege involviert war, der seine Truppen nicht in ein fremdes Land geschickt oder die Stationierung fortgeführt hätte. Es war völlig unerheblich, ob Demokraten oder Republikaner an der Macht waren, was kriegerische Auseinandersetzungen und Angriffe anbelangte.

Trump zog weltweit Truppen ab oder verlegte seine Schachfiguren in andere Länder. Er gab im Namen seines Landes und als erster Präsident zu, dass US motivierte Kriege der Vergangenheit unter falscher Flagge geschahen. Er konzentrierte sich neben Seitenhiebe gegen den Atom-Iran und Mauer-Mexiko u.a. auf einen digitalen Wirtschaftskrieg gegen China – die Gefahr der neuen Weltmacht. Und wie besiegt man diese? Nicht mit Bomben – sondern im digitalen Zeitalter – digital!

Huawei – adé war schee!

Seit 2007 werfen die USA dem chinesischen Hersteller für Netzwerkausrüstung und Smartphones „Huawei“ Spionage vor. Für die chinesische Regierung soll das Unternehmen einen Kill Switch und Backdoors in ihrer Software implementiert haben, um die westliche Welt lahmzulegen. Donald Trump hat es als erster gewagt, Huawei auf eine schwarze Liste zu setzen und lahmzulegen. Der Bann betrifft nicht nur Google als Android-Lizenzgeber. Auch Broadcom, Qualcomm, Intel dürfen nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten. US-Technologie lässt sich nicht mehr in neuen Huawei-Geräten finden. Aber wie es in China üblich ist – wird das weggelächelt und für Angriffe dieser Art intern schnell vorgesorgt und neue Systeme entwickelt und auf die Beine gestellt, die den kurzfristigen Verlust abfedern. Bleibt abzuwarten, wie weit die USA dieses Spiel treiben können, ohne sich selbst ins Bein zu schießen.

Die derzeit prominentesten Angriffsflächen im digitalen Kalten Krieg

Um sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen zu lassen machte der Twitter-Präsident nach TikTok und WeChat auch mit den Amazon Rivalen Alibaba die nächste Kampfansage in Richtung China und veranlasste die Prüfung eines Verbotes des Technologie-Giganten im den USA. Das wühlt erstmal auf, das verschafft Bekanntheit und Zorn bei den Usern und Konzernen.

Bei TikTok ordnete er zusätzlich an, dass sich der Mutterkonzern ByteDance binnen drei Monaten von allen Daten von US-Nutzern trennen müsse. Auch dürfe ByteDance unter Verweis auf die Datensicherheit in den USA kein Eigentum mehr besitzen, das für den Betrieb von TikTok genutzt werde.

ist zwar „bloß“ Marktführer in China und kommt an Amazons Muskelkraft nicht ran aber bereits in Europa hat die Expansion des Verkaufsriesen begonnen.

Auf dem Weg der digitalen Entkopplung

Schmerzhaft ist der Verlust des Videodienstes TikTok mit allein über 100 Millionen meist jugendlicher Nutzer in den USA. Das -Verbot wiegt für China schwerer. Die rund 4,5 Millionen in den USA lebenden Asiaten, die bisher die App nutzten, um mit ihren Verwandten und Freunden zu kommunizieren oder Geld zu überweisen, müssen sich nach Alternativen umschauen.

Auf diesem Wege sind zwei Weltmächte wieder einen Schritt weiter auf dem Weg zur digitalen Entkopplung.

Auch wenn die Kampfansage an chinesische berechtigte Gründe hat, wie beispielsweise die öffentliche Meinungsfreiheit zu unterbinden oder die Zensur, im Zweifelsfall liest der Staat mit und nutzt die digitale Überwachung auch bei der Unterdrückung von Dissidenten. So trifft dieses Vorgehen auch US-Unternehmen, so z.B. Apple mit dem Verlust von - und App-Verkäufen mit geschätzt einem Drittel Umsatzverlusten.

Digitale Technologien und Medien beeinflussen und verändern die Art und Weise, wie Kriege geführt, erlebt, dargestellt, konzeptualisiert, erinnert und vergessen werden. Wikileaks brachte uns den ungeschönten Blick der andauernden blutigen Kriege am Boden und aus der Luft. Plötzlich diskutierte man vermehrt über Drohnen und Cyberkrieg und die tödliche, autonome Robotik. Die revolutionären Auswirkungen sozialer Medien verstärken Konflikte aller Art, was sich Trump stark zu Nutze macht und das Zeitalter des digitalen Krieges seit Beginn seiner Amtszeit stark nach vorne twitterte.

Nun ist die Frage, ob die Amerikaner den Old-Fashioned-Way-Of-War mit Ansage oder den Digital War aus der Überraschungstüte wählen? Popcorn steht bereit.

Über Katja Niederwieser 24 Artikel
Über 15 Jahre arbeitete die Diplom-Ingenieurin als Vorstandsassistenin, Marketingleiterin, Journalistin und Texterin in diversen internationalen Unternehmen.

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