„Social Payment“ und der „Overnight Kredit“

cashcloud

Fast alle Anbieter im Bereich Mobile Payment bieten „Social Payment“ (Geld-Überweisungen zwischen Freunden) als wichtige Value Proposition an. Dies trifft besonders auf die Startups zu, welche Maike Strudthoff  in Ihrer Swot Analyse umfassend beschrieben hat. Cashcloud geht dabei sogar so weit, das Login in das Cashcloud auch über anzubieten. Olaf Taupitz CEO von Cashcloud erläutert hier im Interview mit mobile zeitgeist die diesbezügliche Strategie seines Unternehmens.

mz: Hallo Herr Taupitz, wissen Sie was ein „Overnight Kredit“ ist?

OT: Vielleicht eine Zahlungstransaktion, die während des Geschäftstages nicht mehr abgewickelt werden konnte und daher über Nacht bis zum nächsten Tag warten muss. Aber ehrlich gesagt habe ich den Begriff noch nie gehört.

mz: Mit dem „Overnight Kredit“ haben wir zu meiner Studentenzeit das Ausleihen von Geld bei einem Kommilitonen abends in der Kneipe bezeichnet. Am nächsten Abend hat man das Geld in Bar zurückgegeben. Braucht man dafür heute wirklich eine Mobile Payment APP?

OT: Wenn Sie „Social Payment“ auf ein derartig enges Anwendungsfeld begrenzen wollen, könnten Sie vielleicht Recht haben. Trotzdem kann Cashcloud auch abends in der Kneipe zum Einsatz kommen. Denken Sie nur an eine Gruppe von Freunden, die sich nur einmal im Monat trifft. Wenn Sie sich jetzt Geld borgen und Ihr Freund beim nächsten Mal nicht kommen kann, sind schon zwei Monate vergangen, bevor Sie Ihren „Overnight Kredit“ zurückgezahlt haben.

Aber wie gesagt, das ist ja nur ein Szenario von vielen. Wenn zum Beispiel Ihre Kinder alleine verreisen und Geld benötigen, dann können Sie das kostengünstig und vor allem so schnell, wie mit kaum einem anderen System bewerkstelligen.

mz: Das kann ich heute schon per und auch plant etwas Vergleichbares.

OT: Wie die Google Lösung letztendlich aussehen wird, bleibt abzuwarten. Zu PayPal kann ich nur sagen, wir bieten Geldtransfers und Freunden kostenlos an, PayPal nimmt dafür Gebühren. Außerdem erfolgt die Wertstellung der Zahlung bei Cashcloud umgehend.

mz: Aber damit ich Geld von meinem Cashcloud Konto zu einem anderen überweisen kann, muss ich erst einmal Guthaben aufladen. Das geht bisher nur per Überweisung ist also alles andere als schnell.

OT: Das ist richtig, deshalb bieten wir kurzfristig  das Aufladen auch per „SofortÜberweisung“ und mittelfristig ab Q2 2014 auch SEPA Bankabbuchung an. Damit erreichen wir eine Gesamttransaktionsdauer von wenigen Sekunden.

mz: Ok, jetzt habe ich also als Jugendlicher auf Urlaubstour das Geld von meinen Eltern auf mein Cashcloud Konto überwiesen bekommen und bin nun darauf angewiesen,  dass meine Herberge Zahlungen per Cashcloud akzeptiert?

OT: Nein, da das Cashcloud Konto mit einer Prepaid virtuellen verbunden ist, steht das gesamte Guthaben auch für Zahlungen mit dem Cashcloud PayPass Sticker zur Verfügung. Die Herberge kann sich übrigens auch für Cashcloud registrieren und dann die Zahlung von einem PC, einem Mobiltelefon oder vom Gast anfordern und elektronisch kassieren. Die Registrierung kann in wenigen Minuten erledigt sein.

mz: Überweisungen unter Freunden sollen kostenlos sein. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen einer privaten und einer geschäftlichen Transaktion?

OT: Also wenn eine Firma z.B. eine GmbH ein Konto bei Cashcloud eröffnet, gehen wir von geschäftlichen Transaktionen aus. Wobei die Gebühren immer bei der empfangenden Seite anfallen. Bei unserem komplett kostenlosen Freemium Modell kann auf Grund des Geldwäschegesetzes nur ein Betrag von 100 € pro Monat bzw. als Freemium+ bis zu 2500 € pro Jahr verrechnet werden, darüber hinaus müssen wir die Identität unserer Kunden legitimieren. Eine Person, die z.B. privaten Handel auf eBay betreibt, kann für die Zahlungsabwicklung aber Cashcloud verwenden ohne befürchten zu müssen mit einer Transaktionsgebühr belastet zu werden.

mz: Überweisungen sind doch eine Kernkompetenz der Banken. Wenn diese ihr Mobile Banking ähnlich einfach gestalten wie Cashcloud, würde Ihnen doch ihr Geschäftsmodell abhandenkommen?

OT: Wir gehen ganz fest davon aus, dass die Banken ihre Mobile Banking Kompetenz weiter entwickeln und Überweisungen innerhalb desselben Bankinstituts  in naher Zukunft ähnlich einfach und schnell erfolgen wie bei Cashcloud. Allerdings sehen wir das nicht bei Überweisungen zwischen Konten von verschiedenen Banken und über Landesgrenzen. Wir wollen uns aber hier gerne als Partner der Banken anbieten.

mz: Wie soll so eine Partnerschaft aussehen und welche Vorteile bieten Sie den Banken?

OT: Wir sind dabei Technologielieferant und ermöglichen es, die Girokonten der Kunden besser mit Cashcloud zu verzahnen. Wir denken, dass ein integriertes Cashcloud Angebot den Banken einen kostenlosen Imagegewinn bringt. Überweisungen werden im privaten Girobereich fast ausschließlich pauschal verrechnet, den Banken entgeht hierbei dann auch kein Gewinn. Weiterhin wäre auch denkbar, dass wir unseren Partnerbanken neue Kunden zuführen. Bestimmt nicht uninteressant, wenn man bedenkt, wie viel eine Bank heute dafür aufwendet. Zu guter Letzt sind wir zwar solide finanziert, würden uns aber auch der Beteiligung einer Bank an unserem Unternehmen nicht verschließen, wenn das für beide Seiten Sinn macht.

mz: Ihrem Argument, den Banken entgeht durch die Geschäftsaktivitäten von Cashcloud kein Gewinn, würden diese höchstwahrscheinlich energisch widersprechen. Zum einen entziehen Sie den Banken über Cashcloud Liquidität und zum anderen sind die Interchange Gebühren der Kreditkartenumsätze schon ein zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells.

OT: Das Geschäft mit den Kreditkarten wird durch die in Brüssel angestoßene Regulierung zunehmend unattraktiver. Ich sehe da ein schwindendes Konfliktpotential.

mz: Herr Taupitz ich bedanke mich für das Interview.

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

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