Smartphone nicht dabei: Wie nomophob bist Du?

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Immer mehr Menschen fühlen sich unwohl oder geraten sogar in Panik, wenn sie ihr nicht bei sich haben. Vor kurzem hatten wir über solche Verhaltensweisen noch gelächelt oder gespöttelt, doch mittlerweile wird „Nomophobie“ (NoMobile-Phone) zunehmend Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen.


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Caglar Yildirim und Ana-Paula Correia von der Iowa State University School of Education haben eine zweiteilige Studie initiiert, die im August 2015 in Computers in Human Behavior veröffentlicht werden wird.

In einem ersten Schritt interviewten sie neun Studenten, wie sie sich fühlten, wenn sie ihr Smartphone nicht in der Nähe hatten. Aus diesen Antworten leiteten die Wissenschaftler vier Charakteristiken der ab:

1. Nicht kommunizieren können

Menschen empfinden Unsicherheit, wenn sie nicht mit Freunden und Familie chatten oder telefonieren können.

2. Verlorene Verbindung

Menschen fühlen sich von der immer und überall verfügbaren Vernetzung und ihrer digitalen Identität abgeschnitten.

3. Kein Zugang zu Informationen

Menschen fühlen sich ohne die Hilfe von Google, z.B. bei der Navigation, überfordert.

4. Verlust von Bequemlichkeit

Menschen stört es, wenn Dinge ohne Smartphone nicht mehr so einfach und bequem erledigt werden können.

Nomophobie ist nicht per se schlecht

Als nächstes entwickelten die Wissenschaftler einen Katalog mit 20 Fragen, um das Ausmaß der individuellen Nomophobie zu erfassen. Frauen scheinen danach erheblich anfälliger zu sein als Männer (Faktor 3,6), wofür die Forscher aber noch keine Erklärung haben.

Sie warnen auch davor, Nomophobia gleich zu verteufeln, denn sie sei nicht zwingend etwas Schlechtes. „This dependency and involvement is not something that should be condemned or banned,“ sagt Yildirim. „The problem arises when it starts interfering with one’s mental health and psychological well-being.“

Hier stimmt Yildrim mit Robert Weiss, Senior Vice President bei Elements Behavioral Health, überein, der ohne an der Studie beteiligt zu sein sagt, dass wir Nomophobie nicht als eine Sucht betrachten sollten.

„[There’s] a lot of fear of technology,“ so Weiss. „Fear that [mobile devices are] going to hurt our youth, fear that we are not going to be able to keep up. And I think that it is all a bunch of crap. I think that people are very attracted to and appreciate the fact that their devices give them interaction. When you take a device away from them … what they’re jonesing for is their friendship and relationships.“

Wie nomophob bist Du?

Wer nun für sich selbst heraus finden möchte, wie stark die eigene Nomophobie ausgeprägt ist, kann in einem kleinen Selbsttest die 20 Fragen beantworten. Die Einschätzung auf einer Skala von eins bis sieben fest halten (1=stimmt überhaupt nicht, 7=stimme voll und ganz zu) und die Werte addieren. Die Interpretation muss aber leider bis zur Veröffentlichung der Studie im August jedem selbst überlassen bleiben.

  1. I would feel uncomfortable without constant access to information through my smartphone.
  2. I would be annoyed if I could not look information up on my smartphone when I wanted to do so.
  3. Being unable to get the news (e.g., happenings, weather, etc.) on my smartphone would make me nervous.
  4. I would be annoyed if I could not use my smartphone and/or its capabilities when I wanted to do so.
  5. Running out of battery in my smartphone would scare me.
  6. If I were to run out of credits or hit my monthly data limit, I would panic.
  7. If I did not have a data signal or could not connect to Wi-Fi, then I would constantly check to see if I had a signal or could find a Wi-Fi network.
  8. If I could not use my smartphone, I would be afraid of getting stranded somewhere.
  9. If I could not check my smartphone for a while, I would feel a desire to check it.

If I did not have my smartphone with me:

  1. I would feel anxious because I could not instantly communicate with my family and/or friends.
  2. I would be worried because my family and/or friends could not reach me.
  3. I would feel nervous because I would not be able to receive text messages and calls.
  4. I would be anxious because I could not keep in touch with my family and/or friends.
  5. I would be nervous because I could not know if someone had tried to get a hold of me.
  6. I would feel anxious because my constant connection to my family and friends would be broken.
  7. I would be nervous because I would be disconnected from my online identity.
  8. I would be uncomfortable because I could not stay up-to-date with social media and online networks.
  9. I would feel awkward because I could not check my notifications for updates from my connections and online networks.
  10. I would feel anxious because I could not check my email messages.
  11. I would feel weird because I would not know what to do.

Wer noch etwas weiter in die Studie einsteigen möchte, kann dies in diesem Papier tun, in dem Yildrim die Dimensionen herleitet und das Studiendesign beschreibt.

Beitragsbild: Shutterstock

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Über Heike Scholz 411 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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