Kampf der mobilen Plattformen aus Entwicklersicht (Teil 3)

iOS ecosystem

Wonach wählt ein Mobile eigentlich „seine“ Mobile Plattform aus? Und wie (viel) verdient er mit bzw. auf einer Plattform? Die interessanten Antworten auf diese Frage fasst Teil 3 unserer Serie zu den Ergebnissen der Umfrage Economics Q3 2013 von zusammen.

Ginge es allein nach der Anzahl der verkauften Plattformen, müsste Dank eines Anteils von – laut Studie – 75 Prozent der verkauften Smartphones den Markt dominieren und selbst würde dann bei den Entwicklern ein Nischendasein führen. Um so mehr, da die aktuellsten Zahlen für Q2 2013  Android inzwischen einen Anteil von 80 Prozent bescheinigen.

Wie Teil 1 unserer Serie gezeigt hat, ist dem aber keineswegs so. Android und iOS liefern sich ein Kopf an Kopf Rennen als Plattform für Mobile Developer. Hinter diesem Duopol hat sich als plattformübergreifende Technologie einen festen dritten Platz erobert (siehe Teil 2 dieser Serie).

Entscheidend für die Attraktivität einer Plattform ist für VisionMobile deshalb nicht die bloße Anzahl verkaufter Smartphones, sondern die Betrachtung des gesamten Ökosystems, hier dargestellt am Beispiel iOS.

Die unterschiedlichen Marktteilnehmer bilden sowohl bei iOS als auch bei Android nach Meinung von VisionMobile inzwischen ein derart starkes Netzwerk, das es jedem anderem fast unmöglich macht, dieses Duopol aufzubrechen. VisionMobile spricht von Black Oceans:

Whereas Blue Oceans exhibit no competition, Red Oceans are shark-infested, Black Oceans make it near-impossible to compete.

Vernichtend fällt das Urteil von VisionMobile für aus: Im Zeitalter kostenloser -basierter Betriebssysteme ist ein Business Modell, das auf Einnahmen durch Softwarelizenzen beruht, veraltet. Und weiter:

Right now, Microsoft’s mobile division appears to be more successful as a patent licensing business, than a software licensing business.

Der Report enthält einige weitere interessante Aussagen zum Wettkampf der Plattformen, aber hier soll es ja um die Entwicklersicht gehen.

Also zurück zur Ausgangsfrage: Unter welchem Gesichtspunkt wählt der Entwickler seine Plattform? Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wer die Dollars im Auge hat, wählt iOS.

Davon abgesehen lautet die Antwort auf die Frage nach der geeigneten Plattform wohl eher: Es kommt darauf an. iOS schneidet wie erwähnt vor allem gut ab, wenn es um Verbreitung und Umsatz von Apps geht. Wer dagegen „Offene Standards“ bevorzugt wählt Android, iOS schneidet hierbei besonders schlecht ab. Die massive Unterstützung durch Microsoft und in den letzten Jahren haben die Entwickler offenbar registriert, honoriert allerdings weniger, wie Teil 1 unserer Serie zeigt.

Vergleicht man ergänzend die drei wichtigsten Auswahlkriterien der Entwickler für jede Plattform, geht es in erster Linie um Geschwindigkeit und Kosten der Entwicklung. Einzig bei iOS dominiert das Umsatzpotenzial als Auswahlkriterium, dies unterstreicht die besonders hohe wirtschaftliche Attraktivität von iOS aus Sicht der Entwickler.

Womit wir bei der Frage angekommen sind, wie bzw. womit die Mobile Developer eigentlich Geld verdienen.  Die Antworten der befragten Entwickler zeigen ein Potpourri an unterschiedlichen Erlösquellen, die je nach Plattform unterschiedliches Gewichtung haben. Es gibt nicht das eine Erlösmodell, das alle oder auch nur die Mehrzahl der Plattformen dominiert.

Das meiste Geld verdienen Mobile Entwickler mit bzw. auf der iOS Plattform: Durchschnittlich 5.200 Dollar im Monat. Dies sind immerhin zehn Prozent mehr als mit Android, wo es 4.700 Dollar sind. Wenigstens hier schafft es mit 3.600  Dollar auf Platz 3, während es Entwickler bei HTML5 als Plattform auf gerade mal gut die Hälfte des Umsatzes von iOS bringen.

Mobile Developer, die im Auftrag von Unternehmen entwickeln, tun dies zu 40 Prozent für iOS, zu 30 Prozent für Android und zu 20 Prozent für HTML5. Dies unterstreicht, dass offenbar auch aus Sicht der Unternehmen iOS die führende Plattform ist und entsprechend externe Entwicklungskapazitäten vor allem für iOS nachgefragt werden.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Ökosystem iOS aus Sicht der Mobile Developer auch unter wirtschaftlichen Aspekten am besten funktioniert. Entsprechend hoch sind die Hürden, die jede andere oder gar eine neue Plattform überwinden muss. Im letzten Teil dieser Serie wird es deshalb noch einmal um wirtschaftliche Aspekte gehen und es gibt einen kurzen Exkurs auf die Motivation der Entwickler, aus der VisionMobile eine Segmentierung der Mobile Developer abgeleitet hat.

Weitere rund um Mobile finden Sie in unserer ständig aktualisierten Studiendatenbank.

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Über Jörg Ruwe 8 Artikel
Jörg Ruwe ist Experte für Digitale Strategien und hilft Unternehmen, ihren erfolgreichen Weg in das mobile Internet zu gehen. Er ist selbstständiger Berater und kennt den Mobile Markt seit den ersten Gehversuchen mit WAP im Jahr 1999. Unter anderem als Management Consultant für Kienbaum und zuletzt als Geschäftsführer von Sevenval hat er in über 200 Projekten erfolgreich digitale Geschäftsfelder erschlossen für namhafte Unternehmen aus Industrie, Medien, Handel und Finanzen.

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