Boston Dynamics und das Märchen von der Roboter-Apokalypse

Wie negative Zukunftsvisionen uns nicht gut tun

Mit dem neuesten Atlas-Roboter erzeugt Boston Dynamics Ängste in der Arbeitswelt. Berechtigt?
Quelle: Boston Dynamics

Er rennt, überwindet Hürden, verfügt über eine enorme Sprungkraft und macht schließlich einen Rückwärtssalto. Die Rede ist nicht von einem Athleten in Bestform. Es geht um den der Firma in seiner neuesten Ausführung.

Boston Dynamics' Atlas Can Do Parkour

Fürchte dich vor dem Roboter, !

In den letzten Jahren hat Boston Dynamics vermehrt Videos veröffentlicht, die einem unglaublichen in der Roboter-Forschung gleichkommen. Zusätzlich rufen die Videos auch etwas hervor, das scheinbar genauso in den Jahren zugenommen hat: Die Angst vor der Maschine. Die Vision, dass Roboter in den kommenden Jahrzehnten ganze Beschäftigungsbereiche übernehmen werden und Millionen Menschen arbeitslos sein werden, ist populärer denn je. Berichterstattungen, Filme und Videospiele tragen darüber hinaus dazu bei, Ängste zu schüren.

Bei aller Furcht, die gerne verbreitet wird, stellt sich die Frage, wie viel davon Fakt und wie viel nur Fiktion ist. Statt mit beschäftigt sich beispielsweise die Technikfolgenabschätzung am Karlsruher Institut für Technologie wissenschaftlich mit den Folgen aktueller Technik-Entwicklungen. Institute für Technik-Ethik und Technikzukünfte beschreiben mit Modellen, wie verschiedene Zukunftsmodelle aussehen könnten und wie Menschen in diesen interagieren werden.

„Technologie zerstört Arbeitsplätze, aber keine Arbeit“

Neben beliebten Untergangs-Szenarien bestehen durchaus positive Darstellungen möglicher Entwicklungen. So beschreibt das McKinsey Institute in einer Studie, dass die US-amerikanische und globale Wirtschaft zweifellos eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen schaffen wird, um alle von Robotern Vertriebenen zu beschäftigen. Es handelt sich bei solch einem Prozess um einen Zyklus, wie er bereits oft in der Geschichte stattgefunden hat. Auch in der Industrialisierung verloren viele Menschen ihre Arbeitsplätze. Junge Menschen verließen ihren Betrieb auf dem Land, um Arbeit in den Städten zu finden. “Technologie zerstört Arbeitsplätze, aber keine Arbeit”, zitierte die Studie einen Bericht der Johnson-Administration von 1966.

Auch der Economist sagte aus, dass die Sorgen über verlorene Arbeitsplätze, niedrige Löhne und mangelnde Sozialleistungen “zumeist übertrieben sind”. Der Fortschritt in der Roboter-Entwicklung unterliegt der achtsamen Forschung seitens der Wissenschaft. Im Gegensatz zu Medienberichten, welche eine festdefinierte zumeist negative Zukunft beschreiben, geht die Wissenschaft von Möglichkeiten aus. Gegenwärtig ist nicht absehbar, wann und wie Automatisierung uns verändern wird. 

Die Geschichte beweist, dass der technologische Wandel – auch, wenn er plötzlich erfolgen kann – sich tatsächlich langsam vollzieht. Vom gegenwärtigen Stand aus wird die Automatisierung der Arbeitswelt sicher weitere 10-20 Jahre beanspruchen. Von daher sollte weniger die Roboter-Apokalypse verkündet werden, sondern vielmehr Chancen und Möglichkeiten eruiert werden, welche uns auf die Zukunft vorbereiten.

Roboter und KI: Welche nervige Arbeit könnte gerne wegfallen?

Ich persönlich würde mich in meiner täglichen Redakteurs-Arbeit über eine KI freuen, welche mich bei meinen Recherche-Aufgaben unterstützt. ist nicht nur im Machine Learning zu Hause, moderne und Programme weisen auf eine spannende Entwicklung hin. Automatisierte Texte, sprich Texte die ein Algorithmus anfertigt, ist weniger als Alptraum aller Journalisten anzusehen, welche einmal all ihre Jobs übernehmen wird. Vielmehr kann eine KI helfen, gezielt und fakten-bezogen Recherche zu betreiben, um die Ergebnisse zu vergleichen.

Auf dem new.New Festival 2018 in Stuttgart zeigte Dr. Costas Bekas von IBM Research in seinem Vortrag “AI for the Future of Scientific Discovery” beispielsweise auf, wie einen Wandel in unserem Lern- und Forschungsverhalten herbeiführen kann. Statt einer simplen Keyword-Suche könnten dank KI in Zukunft Fragen an einen Text gestellt werden, welche die  dann beantwortet.

Carsten Thomas
Über Carsten Thomas 35 Artikel
Autor und Gamingnerd. Stets interessiert an Tech-Innovationen, Medienwandel und Technikutopien. Redakteur bei mobile zeitgeist.

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