Apples Schachzüge im Mobile Payment: eine Analyse (Teil 1)

Apple

Kein anderes Unternehmen wird so unter die Lupe genommen und beobachtet wie . Kaum ein anderes entfacht so viele Spekulationen und Gerüchte, generiert so viele Nachrichten und heizt die Phantasie über neue Produkte, Angebote und Technologien so an wie dieses Unternehmen aus Cupertino. Und das aus gutem Grund. Denn gerade hat in der Vergangenheit mit seinen neuen Angeboten und Produkten bewiesen, dass es in der Lage ist, das Geschäft verschiedener Branchen grundlegend auf den Kopf zu stellen, und den Markt radikal zu ändern.

Doch gilt dies heute noch? In den letzten Jahren sind mit dem Übergang von Steve Jobs zu Tim Cook die Unkenrufe immer lauter geworden. Hat Apple seine besten Zeiten schon hinter sich? Steigt das Unternehmen ins Mobile Payment ein? Mit welchen Angeboten, in welcher Rolle? Holen sie vielleicht zum großen Rundumschlag aus? Oder ist der Zug für sie vielleicht schon abgefahren, weil sie bislang kein (Near Field Communication) integriert haben? Oder läutet gar wegen der „-Strategie“ eines offenen Öko-Systems die Todesglocke für das Unternehmen?

Alles scheint offen. Apple lässt sich wie immer nicht in die Karten schauen. Warum auch? Es sind jedoch mittlerweile mehr als eindeutige Signale zu erkennen in welche Richtung das Unternehmen sich bewegt. Wenn wir die Vorgehensweise des Unternehmens aus der Vergangenheit ins Kalkül ziehen, dann sollten Apples Schachzüge im Mobile Payment  sorgfältig beobachtet und begleitet werden. Das Zeitfenster für eigene selbstgestaltete Mobile Payment Strategien und Maßnahmen beginnt sich allmählich zu schließen.

Kein Wettbewerber in diesem Segment sollte davon ausgehen, dass er in 1-2 Jahren noch die Zeit dafür hat, seine Figuren in aller Ruhe auf dem „Next Generation Payment-Schachbrett“ auf zu stellen. Es ist zu erwarten, dass der erste Zug von Apple nicht „Weiß, von e2 auf e4“ sondern „Schachmatt“ ist.

Angstmache oder Trend? Was spricht dafür?

Fakten, Analysen und Einschätzungen in sieben Punkten mit anschließender Bewertung sollen in diesem Artikel aufgezeigt werden. Die ersten 4 von 7 folgen hier im Teil 1:

1.    Die Fakten

Mit 600 Millionen -Nutzern ist die Kundenbasis 4,37 mal so groß wie bei und 3,4 mal so groß wie von . Täglich kommen 500.000 Kunden dazu. In den Vereinigten Staaten werden 66% der M-Commerce-Ausgaben über -Anwendungen erzielt. In Deutschland nutzen 60% (nach den veröffentlichten Downloadzahlen) der 30 führenden Mobile Banking-Anwendungen (der deutschen Banken) dieses Betriebssystem. Entwickler oder die neuen Mobile- wie z.B. Square, , Payleven lieben Apple-Endgeräte bzw. iOS.

Tim Cook meldete im letzten Monat den höchsten Umsatz der Firmengeschichte, und dass 51 Millionen 5S verkauft wurden. Das alles mit einer Marge über alle Endgeräte von 37,9 Prozent. 41% der Smartphone-Kunden in den USA sollen mittlerweile das nutzen und 57% des Mobilen Internetzugangs in China erfolgt über das iOS-Betriebssystem. Und iPhones erreichen eine Kundenzufriedenheit- und loyalität von über 90%.

2.    Apple „Passbook“

Im Herbst 2012 führte Apple mit dem „Passbook“ einen „ Payment Container“ ein, über den , Tickets, Bordkarten gespeichert werden können. Über eine technische Schnittstelle können Entwickler und Brands leicht Dienste in das Passbook integrieren. Mehr als 100 Brands wie z.B. Lufthansa, Air Berlin oder British Airways lassen Tickets in Passbook speichern. Mehr als 150 Brands wie Starbucks integrieren Gutscheine darin. Erste Gutscheinkampagnen wie z.B. von Harvester in England lassen aufhorchen.

3.    Fingerprint Sensor: Touch ID

Sicherheit ist die größte Hürde für Kunden und Händler für ein erfolgreiches Mobile Banking und Payment und hat damit einen direkten Einfluss auf die Nutzungshäufigkeit und Akzeptanz der Services. Neben dem schnelleren Zugang zum Endgerät soll der Fingerabdruck zukünftig zur Authentifizierung genutzt werden. Eine wesentliche Voraussetzung für einen schnellen, attraktiven und sicheren Zahlungsprozess. In Amerika und Asien sind im Alltag bereits weiter verbreitet als in Europa.

Es  werden nicht nur hier folgende Fragen beantwortet werden müssen: Akzeptieren Kunden- und Händler die biometrische Technik? Was ist bei dieser Technik zu beachten? Welche  Anforderungen stellen Banken und Händler? Ist die Technik geeignet für Online-Banking oder –Commerce? Was sagen die Aufsichtsbehörden dazu?  Allen Anpassungen zu Trotz ist laut Tim Cook: „Mobile Payment via Touch ID on the way.“

4.    Low Energy (BLE) und iBeacons

Der Technologiestandard BLE ist schon länger in den relevanten Smartphone- und Tablets der führenden Hersteller integriert und ist damit bislang weiter als NFC-Technik verbreitet. Durch die Nutzung von iBeacons – vorgestellt im September 2013 – sind dadurch Marketing- und -Lösungen innerhalb von Läden möglich bis hin zu Mobile Payment im Zusammenspiel u.a. mit der Touch ID. Darüber hinaus sind BLE und die iBeacons eine Antwort Apples auf das „Internet der Dinge“, ein weiterer großer Trend, der mittel- bis langfristig die „mobile Nutzung“ von Smartphones und Tablets im Wirtschaftsleben integrieren wird.

Welche Rolle China spielen könnte, welche Strategien, Innovationen & Apple in den Markt einbringen könnte und welche Empfehlungen sich an Banken aussprechen lassen, folgt in der Fortsetzung im Teil 2.

Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag vom 18. März 2014 auf der Konferenz „Next Generation Payments“ des Bankingclubs in Köln.

Thomas Lerner

Der Autor: Thomas Lerner ist Management Berater, Autor, Trainer und Speaker bei Mobile Marketing, Banking, Payment und Banking Services. Im Dezember 2013 ist sein Buch „Mobile Payment“ in englischer Sprache erscheinen. Im Sommer 2014 erscheint sein neues Buch „Mobile Marketing / Mobile Banking“.

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