Beacon Kompendium (1/5) – Am Anfang steht die Technik

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Beacon Kompendium Mobile Zeitgeist Einführung

Seit Wochen gibt es jeden Tag neue Schlagzeilen zum Buzzword des Jahres im Mobile Business. Die Rede ist von . Eine hohe Schlagkraft hat das Wort in Verbindung mit dem kleinen“ i“ erhalten: iBeacon.

Auch unsere Leser haben immer wieder Fragen zu diesem interessanten Schlagwort. Heute startet unsere Serie „Beacon Kompendium“. Das Kompendium besteht aus 5 Abschnitten. Hierbei erhalten Sie viele wichtige Informationen, z.B. in puncto Technik, /Recht, Use Case Szenarien, aktuelle Pilotprogramme in Deutschland/Weltweit. Das Kompendium wird sich nicht in den Tiefen der Technik verlaufen, sondern eher eine Unterstützung für den Marketer sein. Heute im ersten Teil der Serie behandeln wir eine Einführung in die technische Beacon Welt.

Seit zwölf Monaten ein Buzzword

Seit der Entwicklerkonferenz von im Jahr 2013, hat das Buzzword „Beacon“ angefangen auch in Deutschland abzuheben. Eine kurze Analyse auf Google verdeutlicht diese Annahme.

Beacon Kompenium Mobile Zeitgeist Google Trends

Gleichwohl wird ersichtlich, dass die Technologie hinter dem Buzzword Beacon, das sogenannte Low Energy Übertragungsprotokoll, bereits seit ein paar Monaten vorhanden ist. Aber durch Apple und seinem eigenem Tademark iBeacon hat sich die Dynamik beschleunigt. Für viele Mobilisten unter uns ist das bekanntlich nicht neu, dass der angebissene Apfel neuen Märkten eine Schubkraft verleiht.

Wie funktioniert die Technik?

Die Beacons sind Funk-Sender, die basierend auf dem neuen Bluetooth-Standard 4.0 spezielle Mitteilungen mit hinterlegten Services und Informationen an die mobilen Geräte der User senden können. Die Sende-Reichweite eines Beacons liegt zwischen 2m und 30m. Die Abhängigkeit der Reichweite wird von einigen Parametern bestimmt. (Absorption u.a. duch Wasser, Glas, Holz etc.) Bei guten Bedingungen kann ein Beacon bis zu 150m sein Signal verbreiten. Aber das ist ja nicht das Ziel, sondern Beacons sollen bekanntlich in kleinen Reichweiten das Potential entfalten. Mehr dazu im kommenden Teil unseres Kompendiums „Use Cases“.

Die einzige Funktion von einem Beacon ist das permanente Aussenden eines Signals. Dieses Signal beinhaltet eine eineindeutige Identifikationsnummer und standardisierten Informationen zur Signalstärke. Da sich die Funktion vom Beacon auf das permanente Aussenden dieses Signals beschränkt, ist er demzufolge nicht in der Lage, selbst Informationen zu empfangen oder zu speichern. Um den Trademark iBeacon besser zu verstehen, kann es folgend aufgelöst werden. iBeacon ist eine einfache Modifikation von Bluetooth Low Energy. Aber auch andere Anbieter haben ihre eigenen Modifikationen aufgestellt.

Um die Signale auszusenden, benötigt der Beacon Energie. Aktuell sind meistens im Markt Batteriebetriebene sowie USB-betriebene Beacons anzutreffen. Auch auf der Hardwareseite können wir in den kommenden Monaten rasante Weiterentwicklungen erleben.

Um von einem Beacon ausgesendete Signal einen beliebigen Programmablauf auf einer iBeacon-fähigen App auszulösen, muss diese entsprechend durch die iBeacon-Software erweitert werden.
Jedoch kann dieser Programmablauf nur ausgelöst werden, wenn der Nutzer der App die Berechtigung für den Zugriff auf die Bluetooth-Schnittstelle und die Ortungsdienste seines Smartphones aktiv gestattet hat.

Beacon Kompendium Mobile Zeitgeist Funktion eines Beacon

Somit sind Beacons aus rechtlicher Sicht datenschutzunkritisch, da sie keine personenbezogenen Daten enthalten oder verarbeiten. Ein Beacon ist also nur ein Sender. Der Beacon selbst ist nicht in der Beschaffenheit, Daten von Nutzern zu empfangen oder die Umgebung zu scannen. Zum Thema Datenschutz werden wir im nächsten Teil des Kompendiums separat eingehen.

Wie bekannt ist die BLE Technologie beim User?

Neue Technologien haben es wie immer schwer eine Bekanntheit in den Anfangstagen aufzubauen. Eine aktuelle Befragung von TNS Infratest hat genau diese Herausforderung auch bei der BLE Technik bestätigt. (Siehe hierzu auch diesen Mobile Zeitgeist Artikel)

Jedoch ist dies nicht unbedingt hinderlich aus Usersicht. Den User interessiert oftmals nicht die Technik im Hintergrund, sondern nur was er mit dieser Technik anfangen kann oder eher gesagt, was es ihm persönlich für ein Nutzen verschaffen kann. Aktuell sind 260 Mio. Smartphones sowie 310 Mio. Smartphones mit der BLE Technik ausgestattet. Es ist davon auszugehen, dass jede Smartphone Neuanschaffung die BLE Technik integriert hat. Um die Sprache der Beacons zu verstehen, sind folgende OS Betriebssystem zwingend Voraussetzung. ab 7.1 und Android ab Version 4.3.

Beacon Kompendium Mobile Zeitgeist Business Intelligence Grafik

Um Beacon Nachrichten empfangen zu können, muss der User einige Einstellungen vornehmen. Diese Einstellungen sind unterschiedlich bei den Betriebssystemen.

iOS:

  • WLAN: Aktiviert und Verbunden (direkt unter „Einstellungen“)
  • Bluetooth: Aktiviert (direkt unter „Einstellungen“)
  • Ortungsdienste: Aktiviert (unter „Datenschutz“; kann für jede App einzeln definiert werden)
  • Hintergrundaktualisierung: Aktiviert (unter „Allgemein“; kann für jede App einzeln definiert werden)
  • Mitteilungen: Aktiviert (unter „Mitteilungen“; kann für jede App einzeln definiert werden)
  • Flugmodus: Deaktiviert (direkt unter „Einstellungen“)

Android:

  • WLAN: Aktiviert (direkt unter „Einstellungen“)
  • Bluetooth: Aktiviert (direkt unter „Einstellungen“)
  • Benachrichtigungen: Aktiviert (unter „Einstellungen“ – „Apps“ für jede App einzeln)
  • Datennutzung: (unter „Einstellung“, „Datennutzung“ (Menüpunkt oben rechts))
  • Daten automatisch synchronisieren: Aktiviert
  • Hintergrunddaten beschränken: Deaktiviert

Bluetooth Aktivierung beim Nutzer vorhanden?

Somit ist die Ausstattung von BLE bei relativ vielen Smartphone Usern bereits vorhanden. Nun kommt oftmals die Frage auf, wie viele User überhaupt Bluetooth auf dem Handy aktivieren. Immerhin haben die meisten User Furcht um Ihre Akkulaufzeit. Zwar kommt BLE wie es der Name schon sagt mit deutlich weniger Energie aus, jedoch haben viele User Bluetooth nur in bestimmten Fällen aktiviert. Z.B. im Auto, um sich mit der Freisprechanlage zu verbinden. Lt. einer aktuellen Umfrage von Statista, gaben 16 Mio. Smartphone User in D an, häufig Bluetooth aktiviert zu haben. D.h. fast jeder zweite Smartphone User. Sicherlich liegen in diesem Punkt noch Hürden für alle Beacon Konzeptanbietern vor. Und es gilt den User darauf aufmerksam zu machen, dass er bei der Nutzung von Bluetooth, exklusive Mehrwertinformationen erhält. Aus meiner Sicht wird das eine wichtige Aufgabe bei fast allen Use Cases sein.

Aktuelle Infrastruktur und Ausblick

Jetzt ist die Technik vorhanden, nun fehlt es noch an einer verfügbaren und flächendeckenden Infrastruktur. Aktuell ist in Deutschland kein flächendeckendes Beaconnetz vorhanden. Schätzungsweise im 5stelligen Bereich bewegen wir uns in diesem Punkt. Wobei hinterfragt werden muss, ob es sich bei diesen Zahlen rein um Pilotprojekte handelt oder bereits operative Festinstallationen.

Wie in fast allen Mobile Trend Themen, gilt die USA als Vorreiter und Benchmarking Land. Hier sind aktuell ca. 70.000 aktive und operative Beacon Installationen im Einsatz, allein 80% werden im Retail eingesetzt. Erste Schätzungen vom Marktforschungsunternehmen Business Intelligence ergeben, dass bis Ende 2018 ca. 4,5 Mio. Beacon in den USA aktiv sein werden. Alleine 3,5 Mio. davon werden im Retailumfeld erwartet. Somit befinden wir uns in einem sehr jungen und agilen Marktumfeld. Wöchentlich kommen neue Player im Markt weltweit hervor. Hierbei gibt es die Aufteilung in Hardware fokussierte Unternehmen, Software fokussierte Unternehmen und natürlich ein Mix aus beiden (Hardware und Software Anbieter).

Vorschau Teil 2 Beacon Kompendium

Im zweiten Teil unserer Beacon Serie werden wir auf das Thema Datenschutz und Recht eingehen. Hierzu haben wir ein Interview mit einer auf Location based Service fokussierten Rechtsanwaltskanzlei durchgeführt.

 

 

 

 

 

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Über Alexander Süßel 54 Artikel
Alexander Süßel ist Digitaler Consultant mit den Schwerpunkten Couponing, Loyalty und Location Based Services. Seine Fokusbranchen sind der Handel und die Konsumgüterindustrie. U.a. hat er Berufserfahrung bei Nestlé, BrandLoyalty und Couponinghouse gesammelt. Mehr über Alexander auf XING oder www.as-auf-zeit.de

2 Kommentare

  1. Guten Tag,

    vielen Dank für die interessante Artikelserie.

    Zum Verständnis: Wie empfängt man denn Beacon-Nachrichten? Benötigt man hierzu bestimmte Apps bzw. können existierende per Update mit dieser Funktionalität „nachgerüstet“ werden?

    Beste Grüße
    Oliver

    • Hallo Oliver,
      du benötigst eine App und diese muss ein SDK integriert haben, welches mit dem Backend (Conten Management System) kommuniziert. Du kannst jede bestehende App im Nachgang mit einem SDK nachrüsten. Im Conten Management System kannst du einfach deine Kampagnen verwalten.
      Viele Grüße,
      Alexander Süßel

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