Wearables – schnelles Wachstum, geringe Verkaufzahlen

smartwatch papier

wie Fitnessarmbänder und Smartwatches sind derzeit – nicht zuletzt durch die Watch – im Fokus der Aufmerksamkeit. Wie weit ist der Markt in diesem Bereich bereits und sind auf dem Weg, die Handys zu ersetzen?

Eines ist deutlich zu sehen: Der Markt im Bereich der Smartwatches und Fitness-Tracker wächst stark. Die Analysten von IDC gehen davon aus, dass im ersten Quartal 2015 etwa 11.4 Millionen Geräte in diesem Segment verkauft wurden. Im Vorjahresquartal waren es nur etwa 3,8 Millionen Geräte – ein Anstieg also um mehr als 200 Prozent.

Im Vergleich mit dem Markt wirken diese Zahlen aber noch vergleichsweise bescheiden. So hatte im ersten Quartal bereits Samsung allein etwa 81 Millionen Handys und Smartphones verkauft, Apple kam immerhin auf mehr als 61 Millionen Geräte. Der hohe prozentuale Anstieg bei den Verkaufszahlen ist also unter anderem auch darauf zurück zu führen, dass die bisherigen Verkaufszahlen noch vergleichsweise niedrig lagen. Bis die Smartwatches und Fitnessarmbänder eine ähnliche Rolle wie Handys und Smartphones spielen, dürfte es also noch etwas dauern.

Interessant könnte der Marktstart der Apple Watch sein. Das Unternehmen hatte die Uhr zum Ende des ersten Quartals 2015 vorgestellt und die Absatz-Zahlen spielen damit für die Verkäufe im ersten Quartal noch keine Rolle.  Das wird sich im zweiten Quartal sicher ändern, allerdings sind die ersten Schätzungen für die Verkäufe der Apple Watch auch weit vom Erfolg der aktuellen iPhone Modelle entfernt. Zwar gab es zum Start der Uhr einen Run auf die Modelle mit mehr als 1,5 Millionen Vorbestellungen, mittlerweile hat sich die Nachfrage aber deutlich reduziert und liegt teilweise bei unter 30.000 Bestellungen pro Tag.

Günstige Modelle gefragt

Der Markteintritt von Apple ist auch noch aus einem anderen Grund interessant: aktuell liegen die Preise bei den meisten verkauften Modellen unter 100 Dollar.  Dabei sind die Top 3 der Unternehmen mit den meisten Smartwatches relativ unbekannt:

  • Fitbit  mit 3,9 Millionen verkauften Modellen (99.95 Euro für das Fitbit Flex)
  • Xiaomi mit 2,8 Millionen verkauften Modellen (mi Band ab etwa 30 Euro)
  • Garmin mit 700.000 verkauften Modellen (Garmin Vivosmart ab ca. 150 Euro)

Die Apple Watch mit einem Verkaufspreis ab 399 Euro setzt preislich ganz neue Maßstäbe. Das starke Wachstum in diesem Bereich begründet sich in erster Linie auch auf den günstigen Preise. Wie sich die teure Apple Watch daher schlagen wird, ist noch absolut offen.

Konkurrent Samsung konnte mit den Samsung Gear Modellen (zwischen 100 und 300 Euro je nach Modell) keine überzeugenden Verkaufszahlen liefern und landet mit etwa 600.000 verkauften Modellen und einem Marktanteil von lediglich 5,3 Prozent im ersten Quartal 2015 nur auf dem 4. Platz. Das dürfte für Samsung kaum zufriedenstellend sein, denn immerhin gibt es mittlerweile 6 Modelle der Uhr: Gear, Gear 2, Gear Fit, Gear 2 Neo, Gear S sowie Gear live (mit Android Wear).

Smartwatches wenig smart

Die günstigen Preise machen es schon deutlich: nur die wenigsten Wearables auf dem Markt sind wirklich so smart wie es der Name vermuten ließe. Stattdessen setzen die meisten Fitnessarmbänder auf einfache Technik die ohne Display auskommt und die Steuerung erfolgt über eine eigene Smartphone App. Eine Steuerung des Handys bzw. des Smartphones ist dabei nur sehr selten möglich und Smartwatches mit eigenen Betriebssystem (beispielsweise Google Gear) sind nach wie vor eher die Ausnahmen. Bei Samsung beispielsweise arbeitet nur die Gear live Watch mit Android Wear, alle anderen Modelle setzen auf Tizen als Betriebssystem. Garmin setzt ebenfalls auf ein eigenes Betriebssystem um die eigene zu betreiben und Marktführer Fitbit setzt ebenfalls auf eigene zur Steuerung.

Die meisten Wearables bieten damit derzeit einen eher eingeschränkten Funktionsumfang der sich auf die Kontrolle, Aufzeichnung und Speicherung der Körperwerte beschränkt und in dem Sinne keine smarte Erweiterung des Handys darstellt.

Erste große Hersteller setzen auf Smartwatch Apps

Trotz der vergleichsweise geringen Anzahl wirklich smarter Geräte setzen bereits die ersten großen Hersteller auf die Smartwatch als Alternative zum Handy und haben ihre Apps weiter entwickelt und für Smartwatches lauffähig gemacht. So gibt es auf dem amerikanischen Markt die Fahrzeug App von VW zur Fernsteuerung der neusten VW-Generation (Fahren ausgenommen) mittlerweile auch für die Apple Watch und auch Tesla hat für die Elektromodelle eine entsprechende App entwickelt mit der man die Fahrzeugelektronik steuern kann. Die Apps dienen dabei auch als Schlüssel für die Fahrzeuge.

In erster Linie sind es aber die bekannten Apps, die für Smartwatches weiter entwickelt werden. Der eigenständige Markt für Wearables Apps fehlt derzeit noch größtenteils und es wird wohl auch noch einige Zeit brauchen, bis Apps und Anwendungen im Wearables Bereich den Verkaufszahlen bei Handy- und Smartphone-Anwendungen Konkurrenz machen können.

 

Über den Autor: Bastian Ebert beobachtet und kommentiert den Mobilfunk-Markt und die mobilen Entwicklungen in Deutschland und international seit 2005. Schwerpunkt sind dabei die Hardware-Trends und Entwicklungen – angefangen von mobilen Endgeräten über Wearables bis hin zur virtuellen Realität.

Beitragsbild: Shutterstock

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