REWE contra EDEKA: neuer Schauplatz im Wallet War

Edeka REWE

Nach der EDEKA Tochter netto im Frühjahr, hat nun  auch REWE ein Mobile Payment Verfahren eingeführt, welches aber nicht kompatibel zu dem des Wettbewerbers ist. EDEKA hat das Mobile Payment Verfahren von Valuephone ausgewählt und REWE setzt auf YAPITAL ein Unternehmen der OTTO Gruppe.

Zwei Große im deutschen LEH preschen vor, da lohnt eine nähere Betrachtung. Weder bei netto noch bei REWE handelt es sich um ein geschlossenes Verfahren. Gelegentlich wird die Behauptung aufgestellt, dass es sich z.B. bei der netto APP um ein Payment Silo handelt, zu Unrecht wie ich meine. Ein Silo ist die Bezahlvariante von Starbucks. Mit meiner Kreditkarte überweise ich Geld auf ein Starbucks Konto, um dann später in der Filiale mit Hilfe meiner Kundenkarte bargeldlos zu bezahlen. Für Starbucks ein tolles Geschäft, die Kunden geben zunächst ein zinsloses Darlehen und binden bereits ihre zukünftigen Einkäufe an den Kaffeebrüher  aus Seattle.

Zurück zu Valuephone und YAPITAL, beides sind also keine Payment Silos, um sie besser einordnen zu können, hier ein Kurzcheck an Hand des Mobile Payment Layer Modells:

1. Communication Layer

Bei der netto APP erzeugt man einen filialspezifischen vierstelligen Transaction Code. Der ist für einen Zeitraum von fünf Minuten gültig und muss nur an der Kasse mitgeteilt werden. Damit ist der Bezahlvorgang abgeschlossen. Yapital setzt auf ein Scanning Verfahren ähnlich wie es bereits vorgestellt hat. Hierzu wird auf dem Display des Kartenterminals ein angezeigt, der mit dem Smartphone aus der YAPITAL APP heraus erfasst wird. Unter den Laborbedingungen einer Messe hatte ich schon ähnliche Verfahren (PAYPAL und GO4Q) getestet und dabei eine zufrieden stellende UX erlebt. Im YAPITAL Praxis Test in einer Görtz Filiale war das Scannen des jedoch reichlich mühselig, da das Kartenterminal bauartbedingt, einen störenden Schatten auf das Display wirft (siehe Bild). Auf Rückfrage bei YAPITAL wurde mir dazu mitgeteilt, dass es für dieses Problem eine Taschenlampenfunktion in der APP gibt. Diese habe ich auch gefunden und werde sie beim nächsten Test einsetzen.

2. Authentication Layer
Hier setzen beide Anbieter auf das Remote Login. Systembedingt bringt das den Nachteil mit sich, dass bei Ausfall oder Nichtverfügbarkeit des Mobilfunknetzes, kein Mobile Payment möglich ist.

3. Payment Layer
Valuephone setzt hier auf Debit Pull in Form des klassischen Lastschriftverfahrens. Als Zahlungsdienstleister fungiert die Deutsche Post mit ihrem Dienst Postpay. YAPITAL generiert diese Dienstleistung selber und hat dafür eine luxemburger eMoney Lizenz. Damit komme ich auch schon zum wesentlich Unterschied. Die Zahlungsabwicklung erfolgt über Stored Value. Geld auf das persönliche Yapital Schattenkonto kann aber per Lastschrift jederzeit aufgeladen werden.
Bemerkenswert ist, dass beide Lösungen ohne die klassischen Teilnehmer der Wertschöpfungskette im bargeldlosen Zahlungsverkehr auskommen. Banken, Netzbetreiber und Payment Scheme Anbieter sind hier genauso außen vor, wie die neuen Goldgräber des Mobile Payment: Mobilfunkanbieter und „Over the TOP Anbieter“.

4. Application Layer
Valuephone setzt derzeit für unterschiedliche  Retailer auf jeweils eine eigne APP (z.B. netto und EDEKA). Für beide APP’s gelten die gleichen Zugangsdaten. Auch eine Kundenauthentifizierung ist nur einmalig nötig. Wahrscheinlich wird dies auch für künftige Händler die auf Valuephone setzen, so weiter geführt.
YAPITAL plant hingegen alle teilnehmenden Retailer über eine einzige APP zu bedienen. Dafür ist aber zunächst nur Payment nutzbar. Die Mehrwertfeatures des Mobile wie , Gutscheine und ein Bon werden später realisiert oder sind zukünftig der ebenfalls zur OTTO Gruppe gehörigen Nubon GmbH vorbehalten. Dann muss aber auch die Nubon APP installiert werden.

Fazit:

In der jetzigen Phase kann man sich noch durch die Einführung von Mobile Payment erkennbar vom Wettbewerber absetzen. Allerdings besteht bei einer falschen Weichenstellung die Gefahr extrem viel Geld zu verbrennen (siehe Google Wallet). REWE und EDEKA haben sich daher für zwei Verfahren entschieden, die keine großen Investitionen in die Infrastruktur benötigen. Zumal Valuephone und YAPITAL betonen, auch für gerüstet zu sein, falls der Markt dies verlangt.

Detailliertere Tests und eine Serie zu den in Deutschland am Markt befindlichen Mobile Payment Systemen erfolgt im Oktober.

Avatar for Rudolf Linsenbarth
Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

1 Trackback / Pingback

  1. Mobile Payment Praxistest:  YAPITAL | mobile zeitgeist

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*