[Praxistest] MyWallet – der ideale Einstieg ins innovative Bezahlen

wegweiser

Also ich wollte ja immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Was also lag näher, als Magenta im Mai 2014 ankündigte, mir mit MyWallet den idealen Einstieg ins innovative Bezahlen (Originaltext Deutsche ) zu ermöglichen.

Natürlich habe ich sofort auf den entsprechenden Link geklickt und mir die Anwendung MyWallet auf mein -fähiges Mobilfunkgerät runtergeladen, um das sofort auszuprobieren. Auf dem Bildschirm des Mobilgerätes erschien dann aber die Meldung, dass die SIM-Karte für diesen Dienst leider nicht geeignet sei, ich möge mich doch bitte unter einer Telefonnummer melden. So schnell gebe ich ja nicht auf, rufe also besagte Telefonnummer an und eine freundliche Dame erklärt mir, dass ich eine neue SIM-Karte benötige, der Dienst aber im Übrigen erst nur für ausgewählte Nutzer im Testbetrieb zur Verfügung stünde.

Ich war leider kein Auserwählter, aber eine geeignete SIM-Karte könne ich schon bestellen, ich möge ihr doch bitte die Nummer meiner vorhandenen SIM-Karte geben, damit diese dann aus dem System genommen wird, wenn die neue Karte freigeschaltet wird. Die Nummer konnte ich der Dame nicht geben, denn ich telefonierte mit der Dame über genau diese Karte in meinem Telefon. Nun, die Dame war freundlich und kompetent, denn sie empfahl mir, das Telefongespräch zu beenden, mein Telefon zu öffnen, besagte Karte herauszunehmen, die Nummer zu notieren und sie dann wieder anzurufen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich dann doch nicht mehr so heiß auf diesen neuen Dienst und fragte die Dame, ob ich mich denn wenigstens vormerken lassen könnte, damit ich den Dienst dann nutzen kann, wenn er auch für mich zur Verfügung stünde. Diese Möglichkeit bestünde leider nicht, so wurde mir eröffnet. Mein Wunsch nach MyWallet war dann doch ziemlich abgekühlt, also verabschiedete ich mich höflich.

Im Oktober war ich dann auf einer Veranstaltung auf der Magenta einen Stand hatte und dort seinen neuen Dienst für jedermann bewarb. Ich erzählte dem freundlichen Mitarbeiter über meinen ersten Versuch und er bot sofort an, mich mit der erforderlichen neuen SIM-Karte zu versorgen. Er erhielt meine Visitenkarte und versprach, sich zu kümmern. Was er auch tat, denn eine Woche später erhielt ich eine E-Mail von ihm, dass er sein Versprechen leider nicht halten könne, ich müsse mich leider selbst darum kümmern, aber die Telefonnummer hatte er wenigstens mitgeliefert.

Also nahm ich einen neuen Anlauf, Gerät geöffnet, Karte herausgezogen, Nummer notiert, Magenta angerufen, mein Anliegen vorgetragen, sehr professionell behandelt worden. Eine Woche später hatte ich meine neue Karte, Gerät geöffnet, alte Karte raus, neue Karte rein, Magenta informiert, Karte wurde freigeschaltet, MyWallet – App runtergeladen und installiert es konnte jetzt losgehen – dachte ich.

Zunächst erhielt ich nach der Registrierung eine E-Mail mit Benutzername und einer Auflistung der Vorteile, die ich nun beim Bezahlen hätte. Weil ich mich für den MyWallet Card Bezahlservice entschieden hatte erhielt ich also eine magentafarbene Plastikkarte von . Die Mail enthielt auch die Empfehlung, MyWallet an ein Konto zwecks automatischer Aufladung zu koppeln, das Formular für das bequeme PostIdentverfahren samt AGB war der Mail beigefügt.

Formular ausgedruckt, zur Post gedackelt, mich identifizieren lassen und schon erhielt ich nach einigen Tagen wieder eine Mail, dass ich nun legitimiert sei, den MyWallet Card Bezahlservice mit erweitertem Umfang nutzen zu können, denn nun könne ich eine automatische Aufladung per Lastschrift nutzen, wenn ich denn ein Bankkonto hinterlegen würde. Nun, nichts leichter als das und wieder erhielt ich eine Mail, dass mein Bankkonto nun registriert sei, es müsse allerdings noch aktiviert werden und das ginge ganz einfach. In den nächsten Tagen würde diesem Konto ein Betrag von einem Cent gutgeschrieben. Mit dieser Gutschrift würde ich einen 8-stelligen Aktivierungscode erhalten, den ich dann doch bitte in meinem Konto unter „Mein Profil/Registrierte Konten“ eintragen möge.

Tatsächlich ging nach ein paar Tagen selbiger Betrag mit dem Aktivierungscode auf meinem Konto ein. Also wieder das Konto aufgerufen und den Aktivierungscode eingegeben. Jetzt kann ich endlich entweder mit der MasterCard oder meinem Mobilfunkgerät kontaktlos ganz einfach bezahlen – dachte ich.

Zur Probe die MyWallet-App aufgerufen, PIN eingegeben was sehe ich? „Fügen Sie einen Dienst hinzu“ lautet die Anweisung. Wieso eigentlich? Ich dachte, ich hätte alles getan, um diesen „idealen Einstieg ins innovative Bezahlen“, wenn auch mit einigen vernachlässigbaren kleinen Hindernissen, zu meistern.

Zumindest war in den Mails eine Festnetznummer in Bonn angegeben, die man bei Fragen anrufen sollte. Anrufen, an einem Sonntag? Nummer trotz Sonntag gewählt und man höre und staune, nach der üblichen Blechmaschine zur Menüauswahl, kam eine leibhaftige weibliche Stimme. Ich erklärte der Dame mein Problem, dass ich die App leider nicht nutzen könnte, sondern immer gefragt würde, ob ich einen Dienst hinzufügen will.

Nach der üblichen Identifikationsfrage wurde mir eröffnet, warum bin ich eigentlich nicht selbst darauf gekommen, dass die App natürlich freigeschaltet werden müsse. Die Dame bot denn auch gleich an, dieses zu tun, ich möge doch bitte den Datendienst am Telefon einschalten, das WLAN ausschalten und etwa 25 Minuten warten, dann würde mir der Dienst zur Verfügung stehen.

Die 25 Minuten sind um, ich starte die App, gebe meine PIN ein, die Spannung steigt, der Bildschirm zeigt an: Es liegt ein neues Update vor, ich möge meine Expresskarte einrichten. Nun, auch das tue ich indem ich auf „OK“ drücke.

Heute ist der 23. November, ich könnte jetzt bezahlen, nein: Ich muss noch NFC am einschalten.

Ich glaube, das lasse ich lieber!

Über den Autor: Dr. Lutz Martiny ist Berater für Informationstechnologie (Konzepte, Strategieentwicklung, Umsetzung, Interimsmanagement) und Mitglied im Fachbeirat PayComm e.V.

Beitragsbild: Shutterstock

Avatar for Gast-Autor
Über Gast-Autor 92 Artikel
Wir freuen uns über Fachbeiträge von Gast-Autoren. Infos dazu gibt es hier: Autor werden . Oder schreiben Sie einfach eine Mail an info@mobile-zeitgeist.com

5 Kommentare

  1. Kommt mir z.T. sehr bekannt vor.
    Ich kann aber noch eine „Anekdote“ ergänzen:

    Als ich dann mein erstes Guthaben aufgeladen habe, bin ich mit meiner Frau zu Douglas, um etwas für sie zu kaufen. An der Kasse funktionierte das Payment via NFC nicht. Die Kassiererin versicherte mir, dass es nicht am Kassensystem von Douglas liegt…

    Fazit: Mit EC-Karte gezahlt.

  2. Es scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben dass die Telekom bereits entschieden hat das Ding einzustampfen.. Die ganze Abteilung wird (wie man von Insidern hört) per Ende des Jahres aufgelöst.

1 Trackback / Pingback

  1. Unsere Top 5 im November 2014 | mobile zeitgeist

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*