Mobile Payment Status Quo in Österreich (1) – Bezahlen mittels toter Katze?

NFC Mobile Payment

Wo steht das Thema Mobile Payment, einfachheitshalber definiert als “Bezahlen mittels Smartphones”, eigentlich in Österreich? Grundsätzlich stehen sich in den großen Entwicklungsrichtungen zwei Varianten gegenüber, einerseits Bezahl-Apps, andererseits die Bemühungen der Karten-, Bezahlkarten mittels -Technologie auf den Formfaktor Smart Phone zu bringen. Im folgenden dazu eine Betrachtung der Variante Mobile Payment mittels NFC-Technolgie.

Dazu zuerst wahllos ein paar Pressemeldungen aus den Jahren 2012 und 2013.

“Österreich-Start für Bezahlen via Handy – Mobilfunker und paybox Bank starten NFC-Dienst in Shops und Restaurant“ www.oe24.at am 18.04.2012

startet 2013 Bezahlen per NFC in Österreich“ www.derstandard.at am 04.09.2012

“A1 bringt SIM-Card mit Kreditkartenfunktion” www.futurezone.at am 18.03.2013

Schaut man sich nun (Anfang Q2 2014) an, was daraus in der Praxis geworden ist, stellt man schnell fest, diese Ankündigungen haben vor allem eines gemeinsam, nämlich dass nichts davon auch tatsächlich eingetroffen ist bzw erfolgreich umgesetzt wurde.

Revolution oder ergebnislose Versuche?

Angekündigte Revolutionen finden bekanntlich nicht statt, auch wenn man die Versuche laufend wiederholt. Österreich ist in Sachen Mobile Payment mittels NFC-Technologie de facto ein weißer Fleck auf der Landkarte, auch nur einigermaßen brauchbare Lösungen sucht man vergebens.

Die bisher gestarteten Versuche erscheinen eher als krampfhafte Lösungen, die nach einem dazupassenden Problem suchen. Schaut man sich die angekündigten und geplanten Lösungen nämlich inhaltlich an, dann scheint es für normale Konsumenten, also nicht die üblichen “friendly user”, eher ein Glück zu sein dass es bei den Ankündigungen geblieben ist.

NFC Payment Sticker

Wer will sein Smartphone schon mit einem Sticker verschönern? Wer hat schon Lust, sich ein spezielles -Shell anzutun, nur damit man in einem Shop mit einer spezifischen virtuellen Bezahlkarte bezahlen kann? Und wer will sich schon die Möglichkeit des Provider-Wechsels durch die Verwendung einer Bezahlmethode, die nur bei einem Provider funktioniert, verbauen?

Die Argumentation, man wolle mit den Projekten die technische Machbarkeit evaluieren, klingt schal, wissen doch mittlerweile nicht nur NFC-Insider, dass die Technologie seit Jahren funktioniert. Zu vermuten ist, dass die Marketing- und PR-Abteilungen der Firmen in den Projektteams eine zu starke Position haben oder hatten. Ob man sich und der Sache damit etwas Gutes gut, steht auf einem anderen Blatt.

Um den Involvierten Firmen aber nicht ganz unrecht zu tun, muss man fairerweise erwähnen, dass die Entstehung des oftzitierten Ökosystems, die Auflösung des Henne-Ei-Problems, der zentrale Schwachpunkt für die Verbreitung der Technologie ist. Das wiederum ist eine Frage der Einstellung, Kooperation wird kaum entstehen wenn Konfrontation und Ausgrenzung der direkten Mitbewerber angestrebt wird. Laut Konfuzius kann sich ja bekanntlich selbst der Stärkste nicht selbst in die Höhe heben. Warum sollte das im Bereich NFC-Ökosystem-Kooperationen anders sein?

Kooperation statt Konfrontation

Es braucht also Kooperation statt Konfrontation. Der Weg dahin dürfte allerdings, auch wider Erwarten des Autors, doch ein weiter sein in einem Land, wo der Mobilfunkbetreiber mit dem größten Marktanteil eine Bank besitzt und den Anspruch hegt, der dominierende Player im Bereich NFC zu sein. So ist es auch bezeichnend, dass der größte Provider A1 beim nächsten Anlauf nach dem gleichen Muster wieder nicht an Bord ist, nämlich

“Nationale NFC-Initiative wird das kontaktlose Bezahlen mit dem Handy und weitere Zusatzdienste in Österreich einführen … Mit diesem Projekt soll Österreich innerhalb der nächsten Monate?(man beachte!!!) zu einem Vorzeigeland für den Einsatz von Mobile Payment und Mobile? (Kundenbindungsprogramme) unter Einsatz von NFC werden.” Presseaussendung einer Gruppe namhafter Unternehmen, darunter und Visa, am 17.09.2013.

Man kann gespannt sein. Oder doch nicht? Die “nächsten Monate” sind ja wenn nicht schon vorbei, dann zumindest bald vorbei. Hört man dazu Insider, dann darf bezweifelt werden dass daraus auch nur irgendetwas Brauchbares für Konsumenten herauskommen wird.

Usability für den Konsumenten

Schaut man inhaltlich auf die Projekte, vor allem auch auf die im angrenzenden Ausland anlaufenden, von denen zu erwarten ist, dass sie bald auch Österreich erreichen werden, dann erwartet man mit diesen Lösungen allen Ernstes, dass Konsumenten

  1. ein spezielles durch den Netzbetreiber zertifiziertes Smart Phone auswählen
  2. sich dazu ein NFC-fähige SIM-Karte besorgen
  3. die -App des Mobilfunkbetreibers laden
  4. die NFC App der Kartenfirma laden
  5. ein Prepaid Konto einrichten und mit Guthaben aufladen und/oder
  6. einen Sticker auf ihr Smart Phone kleben.

Eine interessante Lösung, bleiben nur zwei Fagen offen. Wo ist das entsprechend komplexe Problem dazu? Und zweitens, welches Motiv sollten Konsumenten haben, sich das alles anzutun, wenn sie andererseits mit einer einfachen Karte mit einem bestens erprobten und sicheren Vorgang zahlen können? Man muss kein Prophet sein um zu wissen, wie Konsumenten das annehmen werden. Ein Praxistest erübrigt sich.

Fazit

In Österreich sagt man zwar im Volksmund, dass “beim Reden die Leut’ zusammenkommen”, gemeint ist damit, dass man in Österreich leichter als vielleicht anderswo zu Kompromissen und Zusammenarbeit findet. Aus irgendeinem Grund scheint das aber im Bereich Mobile Payment mittels NFC-Technologie nicht zuzutreffen.

Nicht unerwähnt soll aber bleiben, dass es sehr wohl eine österreichische Initiative gibt die erfolgversprechend klingt, nämlich seitens des Banken-Gemeinschaftsunternehmens Payment Services Austria, mit dem Ziel einen nationalen TSM (Trusted Service Manager) als Drehscheibe zu etablieren, der die in Österreich dominierende Bankomatkarte auf’s Smart Phone bringen soll. Ende 2015 soll’s soweit sein, hört man.

Zum Thema “Sticker auf’s Smart Phone kleben” meinte übrigens kürzlich ein Vertreter eines namhaften Payment Service Providers anlässlich der eDay 2014 der Wirtschaftskammer Österreich, diese Lösung bringe folgenden Vorteil mit sich. Findet man irgendwo eine tote Katze, kann man den Sticker drauf kleben und dann mit der toten Katze bezahlen. Dann erspart man sich den Aufwand mit dem Smart Phone.

Dieser erste Teil zum Mobile Payment Status Quo in Österreich fokussiert auf das Bezahlen mittels NFC-Technologie. Alternative Methoden sollen im nächsten Teil näher beleuchtet werden.

Der Autor: Reinhold Bierbaumer ist Management- und IT-Consultant und beschäftigt sich seit Jahren mit Mobile Payment, -Ticketing und -Loyalty. Mit Wohnsitz in den USA und in Österreich ist der Schwerpunkt seiner Tätigkeit der Transfer von Technologie-Konzepten rund um Mobile von und nach Europa sowie Business Development/Beteiligungen und Vertriebsentwicklung für Start-ups im Bereich Mobile .

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