Mehrheit der Deutschen zahlt am liebsten bar

pay cash

Das Mobile Payment steht ja bekanntlich kurz vor dem Durchbruch. Schon seit Jahren eigentlich. Doch schaut man sich das Zahlverhalten der Deutschen an, wird man neuen Bezahlverfahren auch in den kommenden Jahren keine großen Chancen einräumen.

Eine solche Haltung könnte man nach Lektüre der aktuellen Studie der Deutschen Bundesbank zum Zahlungsverhalten der Deutschen im Jahr 2014 einnehmen. Und ganz von der Hand zu weisen ist das auch nicht. Denn auch im Vergleich mit den voran gegangenen Studien aus den Jahren 2008 und 2001 ist kaum ein Wandel im Verhalten der Deutschen zu erkennen.

Wir zahlen bar

Die Mehrheit der Deutschen zahlt bar. 33 Prozent sogar ausschließlich, 2011 waren dies noch 28 Prozent. Nur 17 Prozent der Deutschen zahlen überwiegend mit Karte, im Vergleich zur voran gegangenen Studie im Jahr 2011 ein Anstieg um fünf Prozentpunkte.

Die Voreingenommenheit der Menschen steigt. Konnten 2011 insgesamt nur 40 Prozent der Menschen eindeutig einem der beiden Lager zugerechnet werden, so sind es 2014 schon die Hälfte aller Befragten, die eine klare Präferenz äussern.

Und so kommt auch die Bundesbank zu dem Schluss, dass eine abrupte Veränderung des Zahlungsverhaltens nicht zu erwarten sei, da sich die Zahlungsgewohnheiten derzeit nur langsam ändern.

Barzahler sind vernünftig, Kartenzahler auch

Interessant ist, wenn man einmal schaut, wie die jeweiligen Befürworter ihre Entscheidung für ein bevorzugtes Zahlungsmittel begründen. Beide Seiten führen sehr ähnliche Argumente ins Feld. Einfachheit, Sicherheit, Schnelligkeit und eine bessere Ausgabenkontrolle reklamieren sowohl die Bar- als auch die Kartenzahler als Vorzüge des jeweiligen Zahlungsmittels. Und es wundert nicht, dass beide ihre eigenen Argumente als „vernünftig“ bezeichnen.

Andere Aspekte wie ein „Schönes Gefühl, Bargeld in der Hand zu haben“ oder die spätere Abbuchung wiegen gegenüber den anderen Argumenten nur wenig.

Mobile Payment chancenlos?

Mobile und kontaktlose Bezahlverfahren kämpfen noch immer damit, dass über 40 Prozent der Menschen sie schlichtweg nicht kennen. Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch diejenigen, die sie kennen sie nur in sehr begrenztem Umfang nutzen. Dies liegt sicherlich nicht nur daran, dass die Verfahren nicht überzeugen sondern auch daran, dass es schlicht zu wenig Akzeptanzstellen gibt.

Die Bundesbank-Studie liefert noch weitere Daten zum Mobile Payment, die im Rahmen von Zahlungstagebüchern erhoben wurden. Hier ist zwar das Bezahlen mit dem Mobiltelefon erfasst (Umsatz und Transaktionen), aber für den Ausweis eines prozentualen Anteils an allen Umsätzen und Transaktionen hat es aufgrund der kleinen Zahlen nicht gereicht. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies in den kommenden Jahren ändern wird. Die nächste Studie der Bundesbank ist dann für das Jahr 2017 zu erwarten.

Es sieht also nicht so rosig für das Mobile Payment in Deutschland aus, wie manch Anbieter uns Glauben machen will. Doch das ist kein Grund anzunehmen, es würde sich nie durchsetzen. Das wird es, auch in Deutschland. Nur nicht in diesem Jahr oder dem nächsten.

Die Studie liefert noch viele weitere Daten zur Nutzung der Verfahren in den unterschiedlichen Kontexten, der Höhe des Bargelds in den Portemonnaies, den Unterschieden im Verhalten von Frauen und Männern und noch einiges mehr. Daher haben wir sie in unsere Studiendatenbank aufgenommen.

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Über Heike Scholz 411 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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