Location Paradox: Nutzer verstehen Mehrwert und schalten trotzdem ab

location mobile app

In der digitalen Welt ist insbesondere uns Deutschen oftmals eine gewisse Ambivalenz eigen. Einerseits möchten wir bequeme und sinnvolle Services nutzen, andererseits möchten wir aber von unseren Daten so wenig wie möglich preis geben. Da werden Dienste wie Googlemail oder Facebook fleissig genutzt, wenn es aber um die Erhebung unserer Daten von diesen Anbietern geht, reagieren wir empfindlich. Doch es ist nun einmal so: „There is no lunch for free!“

Auch bei ist dieses Paradox sichtbar. Viele Nutzer stimmen zu, dass die Berücksichtigung des Orts mobile Services verbessern hilft. Doch sind diese Nutzer ebenso vorsichtig, wenn es darum geht, die Erfassung des Aufenthaltsorts durch das zuzulassen.

Im Juli 2015 führte der LBS-Anbieter Skyhook Wireless eine Umfrage unter 1.000 US-amerikanischen Smartphone-Nutzern durch. Hierbei stimmten 83 Prozent der Befragten zu, dass der Standort existentiell für bestimmte Services oder ist. Und doch hatten mehr als die Hälfte aller Nutzer von Wetter- oder Navigations- ihre Standort-Funktion abgeschaltet.

40 Prozent der Befragten gaben an, ihren Standort nur zögerlich oder gar nicht sichtbar zu schalten. 20 Prozent haben die Standort-Funktion sogar komplett abgeschaltet.

Warum teilen diese Nutzer nicht ihren Standort?

  • 50 Prozent gaben als Hauptgrund den Schutz ihrer Privatsphäre an
  • 23 Prozent sagten, sie würden den Mehrwert nicht erkennen können
  • 19 Prozent sahen die Belastung des Akkus als Problem an

Warum schalten Nutzer die Standort-Funktion aus?

  • 63 Prozent wollen ihren Akku schonen
  • 45 Prozent möchten ihre Privatsphäre schützen
  • 20 Prozent wollen keine Werbung erhalten

Die Nutzer sind also sehr anspruchsvoll, wenn es um die Herausgabe ihrer Standort-Daten geht. Sie erwarten einen echten Mehrwert:

  • 49 Prozent erwarten, dass der Standort korrekt ermittelt wird, doch nur drei Prozent würden eine App löschen, die hier ungenau arbeitet
  • 47 Prozent wollen Standort bezogene Inhalte in den genutzten Apps
  • 46 Prozent möchten relevante Angebote oder Coupons erhalten
  • 34 Prozent wünschen sich eine personalisierte Kommunikation

Es ist nicht leicht, einmal verlorene Nutzer zurück zu gewinnen. Daher ist es wichtig, schon bei der Installation und ersten Nutzung die First Time User Experience (FTUX) so gut wie möglich zu gestalten. Ein simples „Die App möchte Ihren Standort verwenden“ schreckt eher ab, wenn nicht klar ist, wofür genau die App diese Daten braucht.

Besser ist es, nach dem Einverständnis für die Nutzung der Standortdaten erst zu fragen, wenn sie auch tatsächlich benötigt werden und der Nutzer nachvollziehen kann, dass er für diesen (verbesserten) Service nun seinen Standort teilen muss.

Wir hatten auf diesen Punkt auch im Zusammenhang mit dem Opt-In bei Push Nachrichten hingewiesen.

Nutzer reaktivieren

Hat man Nutzer, die die Standortfunktion abgeschaltet haben, kann man versuchen, diese zum Einschalten zu bewegen. Hierfür segmentiert man die Nutzer in „location=on“ und „location=off“ und kann nun jeweils passende Nachrichten aussenden. Um die Nutzer des Segments „location=off“ zum Einschalten zu bewegen, muss man klar kommunizieren, was der Mehrwert für den Nutzer ist, wenn er die Funktion einschaltet.

Die Kampagne sollte nicht nur innerhalb der App gefahren werden. Auch über andere Kanäle kann dieser Mehrwert für den Nutzer kommuniziert werden: Newsletter, Webseite, Call Center, (papierhafte) Mailings etc. Und fügt man noch eine kurze Erläuterung bei, wie genau das Einschalten vorgenommen werden kann, sollte sich ein Erfolg der Kampagne einstellen.

Entscheidend ist, dass man den Nutzern einen nachvollziehbaren und attraktiven Grund bietet, der die gefühlten Nachteile (siehe obige Studienergebnisse) aufwiegt.

Beitragsbild: Shutterstock

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Über Heike Scholz 422 Artikel

Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Köpfen der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

2 Kommentare

  1. Der 1. Absatz ist ein Paradebeispiel, wie schnell div. Punkte verwässern können, denn was hat ein Standort basierter Service mit „Werbung/Umsatz/free“ zu tun?
    regionale news, google now oder navi-System, sind Dienste die ohne Standort nicht arbeiten können.

    ob in einem separaten Schritt dann Werbung zur Refinanzierung dazu kommen, steht doch auf einem anderen Papier, sprich sind komplett unabhängig.

    • Danke für Dein Feedback. Der erste Absatz spricht noch gar nicht von LBS sondern von der Ambivalenz der Nutzer. Hier habe ich die Beispiele Facebook und Google gewählt, um diese Ambivalenz, die wir ja nicht nur bei der Standortfunktion haben, zu illustrieren. Erst im Weiteren schwenke ich von diesem Aspekt auf die LBS. Sorry, wenn dies verwirrend war.

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