Konvergenz: Mobile Finance rückt zusammen

mobile Finance

In meinem ersten Artikel des Jahres hatte ich über langfristige Tendenzen bei Finance geschrieben. Die Treiber für die Veränderungen nächsten Jahre sind Konvergenz, Regulierung und Digitale Identität. Heute gehe ich auf das Thema Konvergenz näher ein.

Spricht man heute über Payment muss man auch immer sofort eine Definition und Abgrenzung mitliefern, sowie Maike das zu Beginn ihrer SWOT Serie im letzten Jahr gemacht hat. Ansonsten besteht das Risiko aneinander vorbei zu diskutieren.

Da wäre zum ersten das Proximity Payment, also das Bezahlen an Kasse. Dieser Fall liegt vor, wenn man auch Bargeld verwenden könnte. Beispiele sind die Wallets der Mobilfunkunternehmen auf Basis, die QR Code Lösungen von PayPal bis Yapital, sowie weitere Handy Bezahllösungen einer Vielzahl von Startups. Als nächstes kommt das riesige Feld m-Commerce.  Hier sprechen wir eigentlich über den klassischen E-Commerce, mit Besonderheit, dass der die Einkäufe über ein mobiles Endgerät abwickelt. Weiter geht es über den Ticket und Fahrkartenkauf mit dem Smartphone. Als neueren Bereich muss man dann noch den Bereich Banking, also das Ausführen von Bankgeschäften auf dem erwähnen. Gelegentlich werden noch die POS Lösungen von iZettle, payleven, SumUp & Co. mit hinzugezählt.

Diese Bereiche wachsen gerade zusammen und die Grenzen verwischen. Heute bezahle ich zum Beispiel im Düsseldorfer Bahnhof mit Pay Cash ( Payment). Zuvor lade ich mein Wallet per Sofort Überweisung ( Banking) auf .  In wird dies, ein einziger Schritt sein. Entweder wird mein Girokonto zum Wallet oder mein Wallet zum Konto. Das Wallet als Konto haben wir ja bereits, wenn wir social Payments (senden von Kleinbeträgen an Freunde) vornehmen.

Mobile Payment und Mobile Commerce sind bei Emmas Enkel auch nicht mehr klar zu trennen. Wenn ich dort bei einer Tasse Kaffee mit dem iPad im Laden sitze und meine Produkte online auswähle um sie anschließend direkt mitzunehmen und dabei die Zahlung mit SQ-Wallet abschließe, ist das dann Mobile Payment oder Mobile Commerce?

Begünstigt werden die Entwicklungen durch technische Neuerungen. Smartcard Lesegeräte die per Bluetooth mit dem gekoppelt werden können oder das TAN Verfahren erhöhen den Komfort von Bankgeschäften auf dem Handy, ohne dass signifikante Abstriche bei Sicherheit gemacht werden müssen. Die Vereinfachung von Bankgeschäften hat viele Treiber, einer davon ist SEPA. Die neuen „Kontonummern“  werden insbesondere zu Beginn zu Falscheingaben der Endnutzer führen. Ein Ansatz dies zu vermeiden ist der von der Fa. Stöger IT in die Diskussion gebrachte Bezahlcode. Alle Transaktionsdaten werden in einen QR Code gepackt und können dann mit dem Smartphone erfasst und direkt in der Banking App verarbeitet werden. Umgesetzt worden ist diese Lösung bereits in den Banking Apps der Sparkassen und Sparda Banken und natürlich bei Outbank von Stöger.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Von einer Überweisung die durch einen QR Code initialisiert wird, ist Schritt zu einer Bezahllösung beim Interneteinkauf oder „Window Shopping“ auch nicht mehr allzu weit. Für die Banken eröffnet sich hier eine Chance, ein bereits verloren geglaubtes Geschäftsfeld teilweise zurück zu gewinnen. Ich meine den Bereich E-Commerce Zahlungsverkehr. Die meisten Kunden würden es begrüßen, wenn sie Zahlungstransaktionen im Internet einfach über ihr Girokonto abwickeln können. Aber Konvergenz ist keine Einbahnstraße. Die OTT (Over The Top) Anbieter wie PayPal & Co werden auf jeden Fall versuchen, weitere Geschäftsbereiche im Finanzsektor zu besetzen. Als neustes Betätigungsfeld hat das in Palo Alto gegründete Unternehmen die Vergabe von Krediten für sich entdeckt.

Für die neuen Player am Mobile Payment und Mobile Banking Markt bedeutet das aber nicht, dass sie hier agieren können. Auch sie unterliegen Regulierung durch die Finanzaufsichtsbehörden und das ist auch gut so.

Aber das ist ein anderes Thema.

Verwandte Artikel

Über Rudolf Linsenbarth 91 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen . Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Wer braucht schon eine Digitale Identität? | mobile zeitgeist
  2. Regulierung, Payment und Verbraucherschutz | mobile zeitgeist

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich bestätige, dass die hier von mir eingegebenen persönlichen Daten in der von mobile zeitgeist genutzten Datenbank bis auf Widerruf gespeichert werden dürfen.