Könnte „Open Innovation“ mobile Services in fremden Branchen schneller verbreiten?

Open Innovation
Closed Innovation versus Open Innovation

Mobile Services werden in unterschiedlichsten Branchen als Innovationstreiber betrachtet. So zum Beispiel in der Automobilbranche: das Auto von morgen könnte mit unserem Smartphone „sprechen“ und den ortsfremden Fahrer automatisch an sein Shoppingziel führen. Allgemein tun sich traditionelle Branchen schwerer, die Innovationskraft von Mobile Services zu verinnerlichen. Auch die Expertise ist oftmals gar nicht intern verfügbar. Hier kann „“ helfen.

„Open Innovation“ ist ein Konzept bzw. ein Ansatz, der branchenübergreifende Innovationen beschleunigen kann. Im folgenden Interview habe ich mit dem Experten Dr. Serhan Ili gesprochen, welche Bedeutung diesem Trend im Mobile-Business-Kontext beizumessen ist.

mz: Als erstes die Frage, wie definieren Sie „Open Innovation“?

ILI: Open Innovation kann man als Öffnung des Unternehmens nach außen beschreiben, mit dem Ziel, die Innovationsfähigkeit zu steigern. Anstatt sich also nur auf die Fähigkeiten der eigenen Forschung und Entwicklung zu verlassen, können Unternehmen externe Problemlöser und Ideengeber in den Innovationsprozess integrieren. Gleichzeitig können Unternehmen eigene oder fremde Technologien verwerten – auch außerhalb ihrer gegenwärtigen Geschäftstätigkeit.

mz: Welche Relevanz hat Open Innovation für Unternehmen, die neue mobile Services entwickeln wollen?

ILI: Früher waren die Unternehmen am besten aufgestellt, die die besten Ideen am schnellsten umgesetzt haben. Heute ist allerdings eine weitere wichtige Komponente hinzugekommen: die Innovationsproduktivität. Unternehmen müssen immer mehr darauf achten, dass sich ihre Innovationen rechnen. Und genau hier bieten mobile Applikationen sehr viele Chancen.

Zum Beispiel ein vernetztes Auto mit aufwendig entwickelten neuen Bedienfunktionen kann mit Hilfe von mobilen Services zusätzliche Umsätze generieren und positiv zur Innovationsproduktivität beitragen.

Mobile Applikationen können aber auch für wertvolle Innovationsimpulse im Innovationsprozess sorgen, z. B. bei der Erfassung und Auswertung von Kundenpräferenzen am Point of Sale.

Unternehmen, die neue mobile Services entwickeln, müssen die Wertschöpfungsketten verschiedener Branchen durchleuchten und gezielt Lösungen anbieten. Umgekehrt müssen Unternehmen, die ihre traditionelle Produktpalette um mobile Services erweitern wollen, externe Expertise einbinden. Die technologischen Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet sind sehr schnell und können alleine neben den bisher eigenen Kernkompetenzen nur schwer bewerkstelligt werden.

mz: Gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und anderen Ländern? Sind deutsche Unternehmen Vorreiter im Bereich „Open Innovation“ oder eher Nachzügler? Welche Marktteilnehmer treiben das Thema maßgeblich voran?

ILI: Open Innovation als vermeintlich neue Innovationsstrategie wurde 2003 in den USA geboren. Vorher gab es immer wieder mal voneinander unabhängige Stimmen und Statements, externe Impulsgeber in den Innovationsprozess zu integrieren und die Wertschöpfung nicht immer so eng zu definieren. Unternehmen wie Procter & Gamble, Intel oder IBM wurden dabei stets als Beispiel für Open Innovation-Strategien angeführt.

Mittlerweile sehe ich Deutschland nicht mehr als Nachzügler. Obwohl sehr lange viele deutsche Unternehmen den Begriff als Modeerscheinung betitelt haben. Das Thema Open Innovation ist in der deutschen Wissenschaftslandschaft aber auch in den Unternehmen – vor allem in der Konsumgüterindustrie und in der Automobilindustrie – angekommen. Das zeigt z. B. auch unsere neue Studie „Open Innovation in der Automobilindustrie“. Hier ist ein klarer Schritt hin zu Open Innovation zu beobachten.

Closed Innovation versus Open Innovation

Wichtig ist, dass die am Innovationsprozess beteiligten Akteure im Unternehmen immer besser verstehen, dass Innovationen mit hohen Differenzierungsmerkmalen in Netzwerken generiert werden und nicht in abgeriegelten Firmenzentralen.

mz: Welchen Leitsatz würden Sie Unternehmen gerne mit auf den Weg geben, wenn Sie sich in den nächsten Jahren durch mobile Services differenzieren möchten?

ILI: Unternehmen, die die notwendigen Voraussetzungen für die Entwicklung neuer mobiler Services rechtzeitig und besser meistern als die anderen, werden gewinnen.

 Dr. Serhan Ili ist Wirtschafts-Ingenieur und promovierter Ingenieur. Er ist Geschäftsführer der Innovationsberatung ILI CONSULTING, die Unternehmen aus verschiedenen Branchen unterstützt, ihre Innovationsfähigkeit zu steigern und Wachstum zu generieren.

 

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Über Maike Strudthoff 92 Artikel
Maike Strudthoff ist Innovation Coach, Autorin und Speaker. Ihre Spezialisierung: Digital Services Innovationen und Customer Centricity. Sie hilft Unternehmen die Zukunft zu antizipieren und Veränderungen umzusetzen, u. a. durch Workshops, Ideation, Events, Benchmarks, usw. Mehr über Maike auf XING, ihrer Website oder per Mail maike@jump-next.com

1 Kommentar

  1. LIKE! and AGREE!… um innovativer als der Wettbewerb zu sein, sollten die Unternehmen mit Benchmarking anfangen, siehe dazu z. B. die Mobile Industry Reports verschiedener Branchen (Automotive, Hospitality, FMCG, etc.) von Exicon: http://www.exiconglobal.com/company/presentations/

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