App Unbundling – Der Trend des Jahres im App-Bereich

Facebook Messenger
Facebook Messenger - als eine der erfolgreichsten Messaging Apps auf fast jedem Homescreen vertreten

Wer mit seinen Kontakten mobil Nachrichten austauschen möchte, muss seit einigen Wochen Messenger installiert haben. Hinter der Umstellung, für die in Deutschland lautstarke Kritik erntete, steht einer der größten des Jahres im App-Business – Unbundling.

Was genau ist App Unbundling?

Unbundling steht für das Unterteilen von oder verschiedener Funktionen in mehrere, eigenständige Applikationen. Neben Facebook sind in den letzten Monaten einige der größten auf diesen Trend aufgesprungen. hat sein Cloud Service Drive in drei separate geteilt (Docs, Tabellen und Präsentationen), die das Arbeiten mit Google Dokumenten erleichtern sollen. Eine Umstellung die sehr sinnvoll scheint, schließlich war Drive in der mobilen Version nicht unbedingt die übersichtlichste App. Jeder, der vor der Umstellung versucht hat bestehende Drive Dokumente am zu bearbeiten, wird zustimmen. User haben die kürzliche Teilung in (Empfehlungsbasierte Suchergebnisse) und Swarm (Social Mapping) erfahren, die laut Foursqaure vor allem zu einer besseren User Experience führen soll.

Google als Beispiel für App Unbundling

Aber nicht jede Unbundling Aktion wird positiv von Usern aufgenommen. Facebook Messenger erhielt hunderte miese Bewertungen in den App Stores, denn viele User fühlen sich von Facebook grundlos gezwungen eine zusätzliche App herunterzuladen. Das Fazit: was aus strategischer Sicht Sinn macht, muss nicht unbedingt den Wünschen der Kunden entsprechen.

Facebook Messenger

Die Strategie der Großen

Es ist kein Zufall, dass die bekanntesten Beispiele von App Unbundling von Firmen mit großer Markenbekanntheit handeln. Apps, wie Facebook und Co haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber weniger bekannten Mitstreitern, wenn es um die Einführung neuer Apps geht. Nur diese Apps können sicherstellen, dass User im großen Stil zu den neuen Apps des Unternehmens wechseln und nicht zu einem x-beliebigen Konkurrenzprodukt.

Die Konvertierung passiert größtenteils in den Apps selbst, anfangs meist durch „weiche“ Schranken wie Verlinkungen und Infoscreens, dann auch durch „harte“ Schranken, wie dass die Nutzung spezieller Funktionen nur mehr nach Download der neuen Applikation möglich ist. Dadurch und mit entsprechender Medienunterstützung wird in kürzester Zeit eine Nutzung erreicht von der andere App Entwickler nur träumen können. Ein (zweiter) Platz am Homescreen für das jeweilige App-Unternehmen ist oft ein gelungener Nebeneffekt, denn dieser entscheidet über Nutzung oder Vergessenheit und ist somit Ziel jeder mobilen App.

There’s an app for that

Durch die Nutzung am Desktop waren wir es lange gewohnt, viel Platz zur Verfügung zu haben. Ein klassisches Desktop Programm besaß oft komplizierte Menus und unzählige Funktionen. Für mobile Apps ist dieser Ansatz nicht mehr nachhaltig. Hier ist vor allem Fokus gefragt. Der Großteil der Apps auf und decken eine oder sehr wenige Funktionen ab. Dementsprechend viele Möglichkeiten haben wir eine einzelne Aktion am Smartphone zu tätigen.

Ein einfaches Beispiel, ich mache bei einer Feier mit Bekannten mit meinem Smartphone einen Schnappschuss und möchte diesen mit mehreren Freunden teilen. Sende ich das Bild nun per Email an ausgewählte Kontakte, teile ich das Foto auf Facebook, Google+, Instagram, Pinterest etc., verschicke ich eine oder nutze ich einen der vielen Messenger wie Whatsapp. Je nachdem wie ich mich entscheide, wird mein Bild anders wahrgenommen und erreicht unterschiedliche Personengruppen. Um hier als App zum Zug zu kommen muss die jeweilige Aktion am Smartphone einfach und schnell durchgeführt werden. Bevor ein User in den Einstellungen sucht, wechselt er lieber zur nächsten App. Die Scheu eine Fülle an verschiedenen Apps zu nutzen ist längst Vergangenheit.

Auch wenn Unbundling selbst ein Trend unter den App-Giganten ist, sind die Hintergründe für kleinere App Entwickler nicht weniger wichtig. Anstatt eine umfangreiche App auf den Markt zu bringen, sollte mit einem Minimal Viable Product gestartet werden. So können das Risiko und die Kosten minimiert werden.

Die ersten Userdaten ermöglichen wichtige Erkenntnisse darüber, welche Funktion/en von Usern besonders häufig genutzt werden. Basierend auf dieser Analyse kann konsequent weiterentwickelt und optimiert werden. Denn durch die Fülle an Apps in den gängigen Apps Stores wird es immer wichtiger, dass jene Funktionen, die eine App erfüllt, so rasch, einfach und ansprechend wie möglich durchgeführt werden.

Bei bestehenden Apps muss vorsichtiger vorgegangen werden. Haben sich User an bestimmte Funktionen gewöhnt, kann es durchaus negative Kritik hageln, wenn diese entfernt werden. Werden einzelne Funktionen auf Plugins oder eigenständige Apps ausgelagert, muss man als App Entwickler damit rechnen, dass nur wenige bestehende Nutzer zu der neuen Applikation wechseln.

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Über Angela Feiner 1 Artikel
Angela Feiner ist App Marketing Managerin bei Up to Eleven. Sie beschäftigt sich beruflich wie auch privat mit den Themen UI Design, Apps, Social Media und Mobile Marketing.

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