Artikel 13: Warum demonstriert die Netzkultur gegen den Uploadfilter?

Bedroht der Artikel 13 und der Uploadfilter das freie Internet? Oder übertreibt die Netzkultur lediglich?
Foto: unsplash, rawpixel

Das EU-Urheberrecht, speziell , ist umstritten. Und es bringt immer mehr Demonstrationen hervor. Proteste gegen den Uplaodfilter waren eigentlich erst für den 23. März geplant, aber die Gegenbewegungen nehmen bereits jetzt mehr und mehr Fahrt auf. In Köln sollen auf dem Roncalliplatz nun 2000 Teilnehmer öffentlich gegen den und das Leistungsschutzrecht demonstriert haben, welches der Rat der EU-Staaten durchgewunken hat. Es liegt nun am EU-Parlament, ob die Urheberrechtsreform akzeptiert wird oder nicht. Bis dahin regt sich auch in weiteren Städten Widerstand. In Köln soll es bereits am 23. Februar weitergehen. Aber was bedeutet der Artikel mit der Unglückszahl und warum regen sich alle darüber auf?

Was beinhaltet der Artikel 13?

Die EU-Maßnahme soll aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen. Beispiel YouTube: Wenn Nutzer ihre Inhalte hochladen wollen, gab es bisher während des Vorgangs kein (tiefergehendes) Prüfverfahren. Sollte gegen das Urheberrecht verstoßen worden sein, wurde dies erst nach der Publikation festgestellt – falls überhaupt.

Da die Zahl der Uploads in der Regel immens ist, dauerte es somit eine ganze Weile, bis es Konsequenzen geben konnte. Dadurch blieben viele Fälle unentdeckt. Dieses Manko soll nun der Artikel 13 beheben. Der Uploadfilter sieht vor, dass bereits beim Hochladen geprüft werden soll, ob der Upload legal ist. Die Folge davon wäre, dass das vorhandene Medienangebot nur noch aus zulässigen Inhalten bestehen würde. Diese Überprüfung muss durch die Plattformen selbst erfolgen. Entsprechend müssen sie auch gerade stehen, falls es zu Verstößen kommt. Da jene Überprüfung wirksame und zumeist sehr kostspielige Inhaltserkennungstechniken erfordert, sind kleinere Betreiber von dieser Regelung ausgenommen. (Falls sie weniger als drei Jahre existieren, weniger als zehn Millionen Euro Umsatz jährlich generieren und weniger als fünf Millionen Nutzer haben.)

Es entsteht eine Kluft zwischen Branchenriesen und kleinen Plattformen

Gerade hier setzt nun die Kritik an. Facebook, YouTube und Co. – kurz, die Big Player –  sind problemlos in der Lage, die Mittel zu stemmen, um diese Überprüfung umzusetzen. Für kleinere Seiten, die nicht unter der Ausnahmeregelung fallen, stellt dies jedoch ein Ding der Unmöglichkeit dar. Somit würde die Kluft von den kleinen Seiten zu den Branchenriesen größer werden. Zudem scheint die Umsetzung des Uploadfilters alles andere als klar definiert zu sein. Wird er wie geplant erfolgen oder wird er störende Fehler beinhalten? Wird er schwer verständlichen Inhalt wie Satire oder Perisflagen erkennen können? Vor allem die kritisiert den Artikel 13. Denn bereits kleine Medienformen wie Memes sind in ihrer Form bedroht. Denn deren Inhalte sind immer urheberrechtlich geschützt.

Bedroht der Uploadfilter das freie Internet?

Fakt ist: Artikel 13 ist noch nicht in Kraft, weswegen die Netzgemeinde nun auf die Barrikaden geht, um nach ihrem Dafürhalten einen Teil der Internetkultur zu bewahren. Mehr noch: Viele sehen das freie Internet bedroht. Im Interview spricht beispielsweise der bekannte YouTuber HerrNewstime, dass der Artikel 13 zu einer Rückentwicklung des Internets führen würde. Das Netz als kreative, nutzergenerierte Multiplattform wird es demnach in der Form, wie wir es kennen, nicht mehr geben, da die großen Betreiber wie YouTube aus Furcht vor einer immensen Anzahl an Klagen einfach nichts mehr durchlassen werden. Die Besonderheit des Internets sei es gerade, dass jeder durch viele Plattformen schnell viele Menschen erreichen kann. Diese Freiheit würde mit Artikel 13 verloren gehen, da sich die Nutzer auf kleine Nischen-Plattformen zurückziehen müssten, die nicht von dem Uploadfilter betroffen sind.

Aktuell bleibt es spannend, ob die Protestbewegung wirklich etwas bewirken kann. Solange die finale Zustimmung des EU-Parlaments bis voraussichtlich Ende März noch aussteht, gehen Aktivisten jedoch auf die Straßen und demonstrieren für das Internet, das sie kennen und behalten wollen.

Carsten Thomas
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Autor und Gamingnerd. Stets interessiert an Tech-Innovationen, Medienwandel und Technikutopien. Redakteur bei mobile zeitgeist.

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