Apple öffnet die NFC Schnittstelle – Ein Bisschen!

Apple öffnet die NFC Schnittstelle

Am Montag, dem 5. Juni 2017, fand die Keynote bei der WWDC 2017 statt. Im Reigen der Ankündigungen auf der Apple Entwicklerkonferenz ging eine Meldung fast unter: Apple öffnet die Schnittstelle zum Auslesen von Informationen. In Fachkreisen wurde diskutiert, was darunter genau zu verstehen ist und welche Möglichkeiten zum Entwickeln eigener Funktionen damit verbunden sind.

Relativ schnell war allen klar, dass eine Öffnung für die Banken und damit eine Alternative zu Apple Pay nicht gemeint war. Als weitere Einschränkung sind die neuen Funktionen nur auf dem iPhone 7 und der Apple Watch verfügbar.

Aber was genau würde dort möglich sein? Um das zu verstehen, muss man als Erstes die verschiedenen NFC Modi betrachten, die das NFC Forum definiert hat. Apple ist seit 2015 Mitglied in diesem Gremium.

NFC kennt normalerweise drei verschiedene Modi, welche zyklisch abgearbeitet werden:

  1. Card Emulation Mode
    In diesem Modus befindet sich das  meistens. Es wartet also, ob irgendwo ein aktives Lesegerät ein Feld aufgebaut hat. Wenn es sich in einem solchen Feld befindet, antwortet es auf die Signale und versucht mit dem NFC Lesegerät eine Verbindung aufzubauen. Das verhält sich hier wie eine kontaktlose Bezahlkarte oder ein sogenanntes NFC TAG.
  2. Reader/Writer Mode
    Wenn das Smartphone über einen längeren Zeitraum kein Feld erkennt, schaltet es selbstständig in den Reader/Writer Modus. Hierbei wird das Smartphone selber zum Schreib-Lesegerät für NFC Tags. Ein Anwendungsbeispiel ist z.B. der elektronische Personalausweis, der ausgelesen werden kann. Oder eben die auch sogenannten Smarttags. Das kann zum Beispiel eine Visitenkarte, ein Weblink oder ein Kommando sein. Im Prinzip ähneln die Tags einem , nur sind sie komfortabler in der Bedienung.
  3. Peer to Peer Mode
    In diesem Modus kommunizieren zwei aktive Geräte miteinander. Meist dient NFC dazu, eine Kopplung mit einem anderen Kommunikationsprotokoll zu initiieren. Zum Beispiel für Bluetooth oder Wi-Fi Direct.

Apple Geräte unterstützten bisher nur den Card Emulation Mode. Jetzt soll also der Umfang erweitert werden. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass es neue Payment Applikationen von Drittanbietern geben wird.

Der Card Emulation Mode bleibt wie er ist. Wenn sich das iPhone im passiven Zustand befindet, leitet es alle Informationen, die das NFC Lesegerät (Kassenterminal) sendet, direkt an das Secure Element. Darüber behält Apple die exklusive Verfügungsgewalt.

Es gibt aber auch einige Payment Applikationen, die im Reader/Writer Mode arbeiten. Ein Beispiel ist „tap it“, die Stadionbezahlapplikation der Payment Solution.

Ob diese Anwendung jetzt auch auf das iPhone portiert werden kann, hängt von mehreren Randbedingungen ab. Zum Ersten ist noch nicht klar, ob Apple den Reader/Writer Modus nicht gleich kastriert und daraus einen Nur-Lesemodus macht. Zum Zweiten stellt sich die Frage, ob Apple hier im ersten Schritt nur eine kleine Teilmenge im Reader/Writer Modus aktiviert. Es gibt Vermutungen, dass beim iPhone nur eine Kommunikation mit sogenannten NDEF Tags zugelassen wird. Apple würde also keine Schnittstelle bereitstellen, sondern das Lesen und Schreiben von NDEF Tags direkt in das Betriebssystem integrieren.

Fazit

Wahrscheinlich wird also der jetzige Schritt die Tür in die NFC Welt nur ein klein wenig öffnen. Das wäre sehr schade, denn NFC bietet so viel mehr.

Als Beispiel sei nur der elektronische Personalausweis genannt. Hier könnte endlich die Möglichkeit zu einem Durchbruch für die Digitale Identifizierung im Internet kommen. Auch „Single Sign On Verfahren“, mit einem zweiten Faktor nach dem Standard der FIDO Allianz, wie man mit dem YUBIKEY realisieren kann, wären dann möglich. Aber in diesem Gremium ist Apple (noch) kein Mitglied!

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

2 Kommentare

  1. Hallo Rudolf,
    glaubst du, diese Öffnung der NFC Schnittstelle bei Apple reicht schon aus, damit die ’smarten Aufkleber‘ von OTTO (offiziell ‚Produkt Assistent‘) auch mit Apple Geräten funktionieren?
    Stephan Meixner (neuhandeln) hat in seinem Test der smarten Aufkleber am 19. Mai geschrieben:
    ‚Das klingt in der Theorie gut. In der Praxis scheitert es aber bereits daran, dass sich in iPhones die eingebaute NFC-Technik nur für das hauseigene Bezahlsystem Apple Pay nutzen lässt.‘
    Hier ist der Link zum Testbericht http://neuhandeln.de/und-es-passiert-nichts-nfc-projekt-von-otto-versagt-in-der-praxis/

    Lieben Dank
    Tomas

    • Ja ich gehe davon aus das die funktionieren werden. Apple will auf jeden Fall die NDEF Tags unterstützen
      So weit ich geht das mit den Otto Stickern.

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