App Distribution – die volle Klaviatur

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In 2010 werden neben dem weitere Marktplätze eine interessante Größe erreichen. Wer seine App zum Erfolg führen will, muss lernen, Distributionskanäle zu managen. Und Releases konzertiert einzuführen.

Viele Journalisten, die heute über das Phänomen App Store schreiben, zementieren eine verbreitete Fehleinschätzung: Ja, ’s App Store wird auch in 2010 die marktbeherrschende Distributionsplattform sein. Eine OS App bleibt also Pflicht.

Wer allerdings mit seinem Angebot die breite Bevölkerung erreichen will, wird sich in 2010 mit der Unterstützung zusätzlicher Plattformen auseinandersetzen müssen. Das Timing ist hierbei entscheidend: wer zum richtigen Zeitpunkt in eine Plattform einsteigt und den richtigen Kurs fährt, etabliert sich als Marktführer. Wer zu früh einsteigt, vergeudet Kraft. Wer zu spät einsteigt, verpasst den Zug.

Jeder, der eine App entwickelt – egal ob Pay-App oder werbefinanzierte App – will möglichst viele mobile Nutzer erreichen. Tomi Ahonen (@tomiahonen), einer der führenden Kenner mobiler Märkte, rechnet kühl vor, dass ein Anbieter über den App Store gerade mal 1% der mobilen Nutzer erreicht. Die Zielgruppe mobiler Nutzer ist nahezu komplett unerschlossen. Welche Plattform in zwei Jahren die breite Bevölkerung mit versorgen wird, ist völlig offen,

Die spannendste Wette in 2010 ist sicherlich der OVI Store. bringt mit OVI die große Basis der Nutzer ins Spiel. Mit wiederum erreicht man 25% der Mobiltelefone in Europa. Wesentlich wird der OVI Store in jedem Fall: Anfang Dezember wurde die Schallmauer von 1 Million am Tag durchbrochen. Jetzt hängt es der Execution ab, ob OVI „nur“ einer der wesentlichen Absatzkanäle für Apps wird, oder ob Nokia es schafft, mit OVI wieder zum Anführer zu werden.

Auch wird als Absatzkanal weiter wachsen: dafür sorgt eine breite Front von Herstellern, die in 2010 etliche sehr attraktive Geräte auf den Markt bringen. BlackBerry dagegen ist essentiell für jeden, der sich vorstellen kann, daß Business-Nutzer eine interessante Zielgruppe sind.

Die Frage ist also nicht ob, sondern wann man mit seiner App mehrere Smartphone-Plattformen adressiert. Und wie man die daraus resultierende, erhebliche Komplexität managt.

Die letzten Monate haben mir eine einfache Erkenntnis gebracht: folge einer Flaggschiff-Strategie. Definiere ein Flaggschiff. Das Flaggschiff ist Pionier, fährt voraus und findet den richtigen Kurs. Alle anderen Plattformen folgen in einer Linie dahinter.

Eine Flaggschiff-Strategie hat drei wesentliche Vorteile:

  1. Neue Funktionen werden mit überschaubarem Aufwand entwickelt und können dann konzentriert verbessert werden.
  2. Marketing und Distribution konzentrieren sich auf einen Markt. Und ein Set von Wettbewerbs-Apps, denen es die Show zu stehlen gilt. Das dichte Wettbewerbumfeld des App Store dizipliniert ein Team ungemein.
  3. Follower-Plattformen profitieren bereits zum Launch von den Learnings der Flaggschiff-Plattform. Die Folge-Releases sind funktional rund und frei von Bugs.

Meine Learnings der letzten Wochen:

1. App Store: Hit the Sky

Der initiale Launch einer App hat eine einzigartige Dynamik: typisch ist ein rasanter Anstieg der Installationen in den ersten Wochen, gefolgt von einem sanften Absinken über eine längere Phase, bis schließlich ein stabiles Niveau erreicht wird.

2. App World: ein Schwelbrand

Der Absatz einer BlackBerry App über die App World entwickelt sich dagegen eher ruhig und stetig. Im Rückblick ist das nicht verwunderlich: Zwar gibt es hunderttausende BlackBerry Nutzer in Deutschland, diese erhalten die App World aber erst mit einem Neugerät; ein Push auf bestehende BlackBerries findet nicht statt. Bis der letzte BlackBerry Nutzer Apps nutzen kann, vergehen bis zu zwei Jahre.

3. Paradies für den First Mover

Gegenüber dem App Store sind insbesondere die BlackBerry App World und der Windows Marketplace angenehm wettbewerbsarm. Das hat Vorteile für den First-Mover: er kann seine App gut etablieren, bevor Wettbewerber den Markt betreten.

4. Updates are Stealth in Nature

Jedes Folge-Release meiner App wird über die Update-Funktionen der Stores distribuiert. Da der Großteil der Nutzer Updates unbesehen installiert, hat man keine Gelegenheit, neue Funktionen vorzustellen.

5. A little Splash for my friends

Nutzer sind bequem: sie wollen über Neuerungen informiert werden, nicht danach suchen. Ein Splash-Screen, der Nutzern Neuerungen erklärt, kann Wunder wirken. Die meisten Entwickler versäumen das sträflich.

“App Entwicklung in der Praxis” ist eine mobile zeitgeist Serie, in der ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus der täglichen Praxis darstellen werde. Falls der/die eine oder andere ähnlich gelagerte, oder ganz abweichende Erfahrungen gemacht hat, freue mich darüber zu hören. Und insbesondere eine angeregte Diskussion.

 

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Über Martin Lawrence 14 Artikel
Martin Lawrence ist Senior Produktmanager bei telegate MEDIA (vormals klickTel). Hier ist er für die Entwicklung der Portale und mobilen Anwendungen verantwortlich. Seit 10 Jahren im Thema Internet. Seit fünf Jahren mit Fokus auf Consumer-Anwendungen. XING.

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