51% bearbeiten berufliche Emails auf dem privaten Smartphone – ohne Erlaubnis!

Vodafone Study

In den Unternehmen ist die „Mobile Revolution“ angekommen, mit weitreichenden Auswirkungen für Mitarbeiter und Kunden. Die hohe Verbreitung mobiler Endgeräte verändert das Kommunikationsverhalten fundamental und führt zu einem grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt.

Wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können, untersuchten Professor Stefan Stieglitz von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Tobias Brockmann vom Competence Center Connected Organization (und Autor dieses Beitrags) der in der vom Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation herausgegebenen Studie „Mobile Enterprise“.

Der Begriff “Mobile Enterprise” beschreibt Unternehmen, die Geschäftsprozesse ergänzend oder komplett über mobile Endgeräte umsetzen und das Ideal eines vollständig ortsunabhängigen Zugriffs auf Unternehmensressourcen anstreben.

Manager wurden befragt, wie Ihr Unternehmen diesem Ideal entsprechen kann und welche Herausforderungen auf dem Weg dorthin bestehen. In der Studie wurden drei Kernbereiche (Mehrwerte, Einsatz, Prozesse) genannt, die zu einer erfolgreichen Umsetzung führen können.

Mehrwerte mobiler Technologien kennen

Der sichere Zugriff auf Informationen von überall aus, die Unterstützung bestehender Unternehmensprozesse mit Hilfe von Apps, eine einheitliche Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg und die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit sind Vorteile mobiler Technologien, wie sie die Manager deutscher Unternehmen sehen.

83 Prozent der befragten Entscheidungsträger sehen den Einsatz mobiler Technologien insbesondere mit Blick auf die ortsunabhängige Verfügbarkeit von Informationen als lohnend an.

Davon profitieren die Mitarbeiter im Unternehmen, sagen 58 Prozent der Führungskräfte, Geschäftsprozesse in Unternehmen werden beschleunigt (74 Prozent). Kostensenkungen und Umsatzsteigerungen durch den Einsatz von Tablets und Smartphones werden zwar als Mehrwert genannt, allerdings von weniger als der Hälfte der befragten Manager.

„Im Wettbewerb um die besten Köpfe spielt die Mitarbeiterzufriedenheit eine große Rolle für Arbeitgeber. Mit einem konsistenten Ansatz für eine „Mobile Enterprise Strategie“ lassen sich in dabei wertvolle Erfolge realisieren,“ sagt der Autor der Studie, Professor Stefan Stieglitz. „Mitarbeiter wollen heute von überall arbeiten und auf Informationen zugreifen. Das Büro ist nicht mehr der einzige mögliche Arbeitsplatz, es ist eine Option.“

Technologien einsetzen: Zwischen Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit

Bei der Bewertung mobiler Lösungen war Managern (vor den aktuellen Snowden-Enthüllungen) die Nutzerfreundlichkeit von Geräten (86 Prozent) wichtiger als die Sicherheit der Datenübertragung (84 Prozent). Als weitere Kriterien nannten die Befragten die Leistungsfähigkeit der Anwendungen (80 Prozent), Zugriffsmöglichkeiten auf Endgeräte und Anwendungen durch zentrale Steuerung oder Löschen bestimmter Anwendungen (59 Prozent) sowie die Offline-Verfügbarkeit von Inhalten (46 Prozent).

„Aus Unternehmensperspektive darf es nicht um eine Entscheidung für Sicherheit oder Nutzerfreundlichkeit gehen. Beide Aspekte müssen zusammengedacht werden, um langfristig als „Mobile Enterprise“ erfolgreich sein zu können. Dabei stellt die berufliche Verwendung privater Geräte wie Smartphones und Tablets sicherlich die größte Herausforderung dar.

Unternehmensprozesse für mobile Technologien fit machen

Bring Your Own Device ( – die berufliche Verwendung privater Endgeräte) wird immer beliebter. IT-Abteilungen und das Management stehen dabei vor der Herausforderung, die Sicherheit von kritischen Unternehmensdaten zu gewährleisten. Technische Möglichkeiten, um die neue mobile Arbeitsweise mit Sicherheitsmechanismen zu kombinieren, sind Verschlüsslungsprogramme und Applikationen, die Zugangsschutz gewährleisten.

Die Befragung hat ergeben, dass BYOD längst in den Unternehmen angekommen ist, oft aber noch keine klaren Regelungen und Prozesse dazu existieren: 51 Prozent der Manager bearbeiten bereits dienstliche Emails auf ihrem Privathandy ohne ausdrückliche Erlaubnis ihres Arbeitgebers, zwei Prozent der Befragten sogar entgegen eines ausdrücklichen Verbots durch ihr Unternehmen.

Diese Zahlen untermauern die Hauptempfehlung der Studie, wonach die Einführung einer „Mobile Enterprise“-Strategie auf Basis eines Transformationsprozesses erfolgen sollte. „Wer sein Unternehmen in das mobile Zeitalter bringt, sollte vorher den Weg abgesteckt haben. Es gilt dann, technische Aspekte wie die richtige Geräteauswahl, organisatorische Fragen wie jene nach dem Zusammenwirken mobiler Apps und bestehender Geschäftsprozesse und eher betriebssoziologische Herausforderungen wie die Informationsbedürfnisse der Belegschaft zu bedenken.

Die Gesamtstudie (Deutsch und Englisch) ist als PDF in unserer Studiendatenbank und beim Institut verfügbar.

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Über Tobias Brockmann 7 Artikel
Tobias Brockmann ist Managing Director des Competence Centers Connected Organization an der Universität Münster. Er promoviert im Bereich Mobile Enterprise und Social Software und ist als Dozent und Berater für die Themen Social Media und Mobile Services tätig.

1 Kommentar

  1. Da muss sich keiner aufregen über Datenschutz und Wirtschaftsspionage. Die wenigsten Unternehmen oder Behörden verschlüsseln Ihren internen bzw. Externen Emailverkehr. Und wenn Systemadmins von Unternehmen die Zugangsdaten veröffentlichen, damit Betriebsangehörigen sich ihre dienstlichen Emails aufs private Smartphone holen, dann ist das ein grober Sicherheitsverstoß.

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