10 Fehler beim Mobile App Testing, die man unbedingt machen sollte

Oder wie werde ich ein guter Mobile App Tester?

mobile app testing

Dieser Artikel beschreibt zehn Fehler, die man beim Mobile App Testing unbedingt machen sollte, wenn man zu viel Zeit (und Geld) hat. Okay, Scherz beiseite. Es geht natürlich darum, eben genau diese Fehler zu vermeiden.

Der Artikel ist für alle, die entweder bereits länger in einer App-Test- und Entwicklungsumgebung für Mobile Apps arbeiten, ganz neu mit dem Testen von Apps beginnen oder ihre bisherigen Vorgehensweisen überprüfen möchten.

1. Vergiss die Plattform UI/UX Richtlinien

Egal, ob Du eine Android, iOS oder Windows Phone App testest, als Tester musst Du die verschiedenen Plattform-Richtlinien kennen. Diese Richtlinien umfassen die Interaktion und das Design sowie gemeinsame Entwicklungsmuster. Wenn Du sie nicht kennst, kannst Du Deine App anhand dieser Anforderungen auch nicht testen. Jede App muss mit den verschiedenen Plattform-Richtlinien konform sein.

2. Versuche, alles zu testen

Nun, das ist nicht nur eine Falle für mobile Apps, sondern für jede Software da draußen. Alles zu testen ist nicht möglich und auch nicht effizient. Wenn die App neu für Dich ist, schau Dir die Funktionen an und spiele mit der App ein wenig herum. Versuche, die Änderungen in der App zu identifizieren und Dich auf diese zu konzentrieren, z. B. den kontextbasierten Testansatz, um Dein Testing optimal zu planen. Verwende Heuristiken, die während Deiner Tests fokussiert werden sollen.

3. Mobile ist ja nur kleines Web

Dieser Punkt ist besonders hart für Software-Tester, die vom Testen von Web-Anwendungen auf das Mobile App Testing wechseln. Der mobile Anwendungsfall ist völlig anders als der Webansatz.

Mobile Benutzer sind in Bewegung, anstatt vor einem stationären Computer mit einem festen Standort. Mobile Apps werden in verschiedenen Umgebungen, z.B. während sportlicher Aktivitäten, während der Reise oder bei der Arbeit genutzt.

Darüber hinaus sind mobile Anwendungen für kleinere Bildschirme optimiert und haben Zugriff auf spezielle Hardware-Sensoren. Daher ist es sehr wichtig für Software-Tester, in Bewegung zu sein, während sie die App zu testen. Nur so kann man die verschiedenen mobilen Anwendungsfälle sowie die verschiedenen Umgebungen im Auge behalten.

4. Nur auf das UI schauen

Leider ist es das, was viele Software-Tester tun. Einen Blick auf die Benutzeroberfläche werfen, wenn alles nett aussieht – fertig. Allerdings sind Mobile Apps mehr als nur glänzende Benutzeroberflächen.

Mobile Apps verwenden viele APIs und diese APIs sind eine Prüfung wert. Liefert die API die richtige Antwort auf den jeweiligen Call? Wie funktioniert die API mit falschen Daten bei falschen Calls?

Neben der Überprüfung von APIs müssen bei Mobile Apps auch die Backend-Services gecheckt werden. Ist das Backend ausgereift genug, um langsame Anfragen aus der Mobilen App im EDGE-Netzwerk abzuwickeln? Das Netzwerk selbst hat eine riesige Wirkung auf Mobile Apps und deshalb müssen Apps auch in verschiedenen Netzwerken getestet werden.

Überprüfe auch die Integration mit angesprochener Hardware, wie z.B. die verschiedenen Sensoren. Es gibt viele andere Dinge, neben der Benutzeroberfläche, die getestet werden müssen.

5. Bloß nicht in der freien Wildbahn

Wie bereits in mehreren meiner Blogposts und Tweets erwähnt, werden Mobile Apps von Deinen Kunden genutzt, während sie sich in unterschiedlichen Mobilfunknetzen bewegen. Mobile Tester müssen das Büro verlassen und die App im realen Leben zu testen, um die Fehler zu erfassen, die nur in den verschiedenen Netzwerkzuständen auftreten können.

6. Auf keinen Fall Automatisieren

Das Schreiben automatisierter Prüfungen für Software ist nicht einfach. Das Schreiben automatisierter Prüfungen für Mobile Apps ist angesichts aller Abhängigkeiten zu APIs, Netzwerken, Sensoren und Backend-Systemen noch komplexer. 100 Prozent Testautomation ist nicht möglich und auch nicht effizient!

Das Programmieren automatisierter Checks ist teuer, wenn man Entwicklungs- und Wartungskosten bedenkt. Automatisierte Prüfungen sind auch nichts, was getan werden sollte nur, weil irgendwelche Kontrollen vorhanden sein müssen.

Automatisierte Kontrollen müssen als Produktionscode behandelt werden und dies erfordert, dass qualifizierte und ausgebildete Leute daran arbeiten. Behalte die mobile Test-Pyramide im Auge, wenn Du Testautomatisierungen für Deine mobilen Anwendungen nutzen möchtest. Schreibe Automatisierung da wo es Sinn macht und das Mobile App Testing unterstützt.

7. Nur ein einzelnes Gerät testen

Wie wir alle wissen, ist der Mobile Markt stark fragmentiert, wenn es um Hard- und Software geht. Dies ist kein Android-Problem mehr, das gleiche Problem existiert auf allen mobilen Plattformen.

Daher ist es sehr wichtig, auf verschiedenen mobilen Geräten zu testen, um eine höhere Abdeckung der verschiedenen Geräte zu haben. Jedoch macht es keinen Sinn, auf Android- oder iOS-Geräten zu testen, die von Deinen Kunden nicht verwendet werden. Konzentriere Dich auf die Geräte, die von Deienr Zielgruppe verwendet werden.

8. Höre nicht auf Deine Kunden

Überprüfe die App-Store-Bewertungen regelmäßig, um zu sehen was Deine Kunden über Deine App sagen. Manchmal gibt es wertvolle Rückmeldungen, die Dir helfen können, ein Problem zu finden und zu beheben.

Es ist ebenso wichtig, die Social-Media-Plattformen auf Fehler, Fehlerberichte oder direktes Feedback zu überprüfen, die auf Probleme mit Deiner App hinweisen.

Wenn Dein Unternehmen eine Kundendienstabteilung hat, gehe zu Deinen Kollegen und sprich mit ihnen über mögliche Probleme.

Wenn Du Kunden hast, die Dir überdurchschnittlich gutes Feedback geben, bitte sie, Beta-Tester zu werden. So nutzt Du ihr Wissen und Engagement optimal für die Verbesserung Deiner App.

9. Kein Update / Installationstest

Die Installation und Aktualisierung einer App ist entscheidend für jeden mobilen Tester. Die Installation ist das Erste, was Dein Kunde von Deinem Produkt und von Deinem Unternehmen sehen wird. Wenn der erste Eindruck schlecht ist, wird er höchstwahrscheinlich die App mit einem einzigen Tipp von seinem Gerät löschen. Daher ist es wichtig, die Installation und Aktualisierung Deiner App zu testen. Mehr zum Update-Tests in diesem Beitrag [English].

10. Keine Sicherheitsprüfung

Die meisten von uns wissen, dass Sicherheit ein wichtiges Thema für jedes Softwareprodukt ist. Wir wissen auch, dass Sicherheitsprüfungen nicht einfach sind und deshalb ist es wirklich wichtig, mit Experten zu sprechen, um sie in sicherheitsrelevanten Themen zu Rate ziehen zu können.

Ein erster Ausgangspunkt für alle von euch könnten die OWASP-Seiten sein. Sie bieten nette Listen und Übersichten über potenzielle Sicherheitsprobleme in der Software. Verwende diese Listen, um Deine App und ihre Architektur zu hinterfragen. Dann kontaktiere die entsprechenden Sicherheitsexperten, um Deine App auf Sicherheitsprobleme überprüfen zu lassen.

Traurig, aber wahr: Sicherheitsprüfung kommt in vielen Fällen viel zu spät und erst dann, wenn wirklich schlimme Sachen passiert sind.

Jetzt, nach dem Lesen der zehn häufigsten Fehler beim App-Testing, solltest Du Deine Testaktivitäten überprüfen. Vielleicht hilft Dir die Übersicht, ein besserer Mobile-Tester zu werden.

#HappyTesting

Über den Autor: Daniel Knott arbeitet als Senior Software Test Engineer im Bereich Mobile bei der XING AG in Hamburg. In verschiedenen mobile Projekten entwickelte Daniel voll automatisierte Testumgebungen für die Bereiche Android und iOS. Seit 2011 ist er Autor des Blogs Adventures in QA, wo er regelmäßig über das Testen von Software schreibt. Seit 2014 ist Daniel Autor des Buches Hands-On Mobile App Testing (http://handsonmobileapptesting.com/)erschienen bei Addison Wesley und Mobile App Testing bei dpunkt.

Beitragsbild: Gratisography
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