Wie weit ist eigentlich „Mobile First“?

Studie zeigt noch großes Entwicklungspotenzial

Mobile First

Es ist schon wieder acht Jahre her, als der damalige CEO von Google, Eric Schmidt, beim World Congress 2010 in Barcelona die magischen Worte „Mobile First“ ausgesprochen hat. Was hat sich eigentlich seitdem getan? In welchen Bereichen können wir heute sehen, dass die Nutzer tatsächlich primär nach ihren Smartphones greifen?

Die Analysten von Comscore haben neun Länder (USA, Kanada, Großbritannien, Spanien, Italien, Brasilien, Mexiko, China und Indonesien) nach diesen Bereichen und Soziodemographie untersucht. Diese Daten haben sie der Maslowschen Bedürfnispyramide gegenüber gestellt.

LEH, Dating, Wetter sind First

Demnach sind Kategorien wie Lebensmittelhandel, Kontaktanzeigen und Wetter die vorrangig First genutzten Bereiche. Social Networking hat zwar eine hohe mobile Verweildauer mit einem Drittel der insgesamt verbrachten Zeit, aber wird dennoch vom überwiegenden Teil der Nutzer am Desktop genutzt. Überwiegend am PC werden Portale und Entertainment-Angebote genutzt.

Conversion auf zu gering

Nutzerzahl und Nutzungsdauer sind das eine. Wichtiger sind die erzielten Umsätze. Und hier zeigt sich deutlich, dass es dem Handel noch nicht ausreichend gelingt, die mobilen Nutzer auch zu Kunden zu konvertieren. Liegt die Nutzungszeit schon bei knapp 70 Prozent, so entfallen doch nur 20 Prozent der Umsätze auf Mobile.

Die Nutzer wurden nach den Gründen gefragt und vier von fünf Gründen, die dafür genannt wurden, nicht zu kaufen, gehen auf das Konto des Handels, denn es sind Usability-Probleme: Nicht sichtbare Produktdetails, schwierige Navigation, Durchsuchen und Vergleichen über mehrere Seiten nicht möglich und die Eingabe von Details ist zu schwierig.

Es heißt für den Handel, hier seine Hausaufgaben zu machen. Usability ist kein neues Feld mehr und es gibt genug Experten, die helfen können. Man muss die Fehler, die andere Branchen bereits in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben, nicht unbedingt wiederholen.

Und auch für den stationären Handel kann es nicht heißen, das mit schlechter Usability so unerfreulich zu machen, dass die Kunden dann doch lieber in den Laden kommen. Besser, das eigene (mobile) Angebot ist so exzellent, dass die Kunden gern bei mir einkaufen – egal wo und wann.

Komplexe Aufgaben zunehmend mobil

Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Deutschen, die mit ihren mobilen Geräten einkaufen um fast 40 Prozent (38%). Und die zunehmende Nutzung von Banking (+29%) und die Überprüfung von Jobangeboten am Mobilgerät (+29%) zeigt, dass auch diskrete und komplexe Aufgaben zunehmend auf mobile Devices übergehen.

Länder sehr unterschiedlich

Schaut man auf die Nutzungsintensitäten von Desktop, Multi-Plattform und Only in den verschiedenen untersuchten Ländern wird deutlich, wie unterschiedlich die Entwicklungen sind. Länder wie Indonesien überspringen die Desktop-Ära einfach und weisen eine extrem hohe Mobile-Only-Nutzung (70%) auf. Großbritannien und Kanada hingegen liegen bei weniger als zehn Prozent Mobile Only und knapp 30 Prozent Desktop Only.

Wir hatten bereits die Infografik „Desktop vs. Mobile“ vorgestellt, die für die Desktopnutzung in UK 40 Prozent auswies.

Auch Comscore hat Teile der Ergebnisse in einer Infografik zusammen gefasst.

Der Report und die Infografik können bei Comscore nach kostenfrei herunter geladen werden.

Dieser Artikel erschien im Juli 2017 und wurde vollständig überarbeitet.

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Über Heike Scholz 429 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Köpfen der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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