Samsung Pay geht in den LOOP Mode

LOOP

Der MWC 2015 in Barcelona ist Geschichte. Höhepunkt aus Sicht der Verbraucher wahr wohl die Präsentation von Samsungs neuem Smartphone Flaggschiff S6. Gleichzeitig stellte der koreanische Konzern auch seine künftige Strategie für den Einstieg ins Mobile Payment vor.

„Samsung Pay“ soll das Produkt heißen. Neben NFC wird auch eine Technologie mit dem sperrigen Namen Magnetic Secure Transmission kurz MST eingesetzt. Das Know How hierfür kommt von einem Startup namens LOOP. Die Firma wurde mittlerweile von Samsung übernommen. In vielen Einzelgesprächen habe ich festgestellt, dass meist nur ein vages Bild von Samsungs neuem Payment Konzeptes besteht. Da ich LOOP bereits seit einigen Wochen teste, will ich in diesem Beitrag meine Erfahrungen mit dem Produkt teilen und einen Ausblick auf die zukünftigen Szenarien geben.

LOOP hat also eine Technologie entwickelt die es erlaubt, für den Magnetkartenlesekopf ein Magnetfeld zu simulieren ohne dass eine Magnetkarte dort vorbei gezogen werden muss. Im LOOP Device (FOB) ist eine Antenne verbaut, welche dieses Magnetfeld an den Empfänger über eine Strecke von ca. zwei bis vier Zentimeter senden kann. Weiterhin verfügt der FOB selber über einen Magnetkartenleser, um die Daten in das Gerät einzulesen.

Weitere Anschlüsse des FOB sind ein Micro USB Anschluss zum Laden des eingebauten AKKU und ein 3,5 mm Klinkenstecker mit dem der FOB am Smartphone angeschlossen wird. Außerdem gibt es noch einen Taster um das Magnetfeld anzuschalten. Eine eingebaute Diode leuchtet kurz grün auf während der FOB sendet.

Der FOB selbst besitzt eine sehr begrenzte Eigenintelligenz und wird im Wesentlichen durch das verbundene Smartphone konfiguriert. Selbst für das Einlesen der Magnetkartendaten ist das Smartphone notwendig. Hier geht LOOP sogar soweit und transferiert diese Daten zunächst auf ihre Server und von dort wieder über das Smartphone auf den FOB. Sinn dieser Aktion ist aber nicht eine Art NSA 2.0, sondern das Ganze ist den Compliance Regeln von VISA und Mastercard über das Speichern und Verarbeiten von Kreditkartendaten (PCI DSS) geschuldet.

Nachdem man alle seine Karten virtualisiert und sicher im FOB abgelegt hat, wird eine der Karten auf Default gesetzt. Die Daten dieser Karte werden ab jetzt immer gesendet, wenn der FOB nicht mit dem Smartphone verbunden ist. Für einen Wechsel auf eine andere Karte muss man den FOB erst wieder anstecken. Neben dem FOB für den Kopfhöreranschluss gibt es noch eine Variante die per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt werden kann. Außerdem bietet LOOP für das iPhone noch ein Case in das dann Smartphone und Bluetooth-Device gesteckt werden.

Das alles hört sich erst mal sehr umständlich an und das ist es teilweise auch.

Anders sähe es aus, wenn die Technik direkt in das Smartphone integriert wäre. Genau das hat Samsung hier gemacht. LOOP wurde übernommen und die patentierte Technologie in die Software integriert. Abschließend mussten dann noch die Antennen entsprechend modifiziert werden.

NFC und MST wurden dabei geschickt verzahnt. Der Kunde streicht bei Samsung Pay von unten nach oben über das Display. Danach erscheint dort die Kreditkarte und über den Fingerprint Sensor wird die Zahlung aktiviert. Danach hält der Kunde das Smartphone an das Terminal. Wenn das Terminal NFC unterstützt erkennt das Smartphone das Feld und schaltet in den NFC Modus, falls nicht schaltet das Smartphone automatisch das MST Feld für den Magnetkartenleser ein. Im Idealfall bekommt der Kunde von den ganzen Vorgängen gar nichts mit, sondern zahlt einfach nur mit Samsung Pay, wie in dem nachfolgenden Video angezeigt.

Was auf den ersten Blick so einfach aussieht muss sich jetzt natürlich in der Praxis beweisen. In vielen Terminals befindet sich der Magnetstreifenleser an einer anderen Position als der NFC Reader. Der Kunde hält das Smartphone dann möglicherweise an die falsche Position. Wenn jetzt die Sendeleistung der Antenne nicht stark genug ist, werden die Transaktionsdaten nicht übermittelt.

In Europa gibt es aber noch ein weiteres Problem der Magnetkartenleser befindet ich meist nicht mehr offen an der Seite des Terminals sondern im Schacht und ist damit schlechter erreichbar. Ich konnte den FOB aber im Labor eines Terminal Herstellers testen und die Datenübertragung hat dort geklappt. Allerdings hat mir bereits ein anderer Terminal Hersteller gemeldet, dass seine Geräte einen mechanischen Schalter besitzen und der Magnetkartenleser nur Daten empfängt, wenn eine Karte im Schacht steckt.

Ein weiterer Aspekt den ich noch anmerken möchte ist der, dass NFC im Gegensatz zu MST eine bidirektionale Kommunikation ermöglicht. Die Tatsache dass ich bei LOOP also nur Daten vom Device zum Leser senden kann, schränkt die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Systems sehr stark ein.

Fazit

Mit LOOP hat sich Samsung im Wettstreit mit dem Erzrivalen Apple, möglicherweise einen  kleinen Vorteil bei der Einführung von Mobile Payment geschaffen. Allerdings hat das Thema für Europa und insbesondere Deutschland keine Relevanz. Hier ist die Umstellung auf vom Magnetstreifen auf den EMV Chip abgeschlossen. Die Investitionen in eine NFC Infrastruktur sind im vollen Gang, da wird in den nächsten Jahren kaum eine andere Technologie dran vorbei kommen.

Interessanter sind erscheinen mir zwei andere Punkte in der Samsung Pay Strategie. Zum einen scheint Samsung nun echt gewillt zu sein, das eingebaute Secure Element gegen die SIM Karten Strategie der Mobilfunkunternehmen in Stellung zu bringen. Das hörte sich vor zwei Jahren auf dem MWC 2013 noch verhaltener an.  Ich hatte damals ja schon darüber berichtet. Die Vorgehensweise von Apple hat Samsung wohl ermutigt, hier gegenüber den Telkos etwas agressiver aufzutreten. Allerdings lässt sich ein Samsung S6 einfacher gegen ein anderes Android Smartphone ersetzen als das bei einem iPhone möglich ist. Die Mobilfunkunternehmen werden sich schon genau überlegen, welchen Smartphone Hersteller sie in Zukunft in der Auslage in die erste Reihe legen.

Der zweite Punkt betrifft die Abschaffung des Micro SD Karten Slots. Die meisten Kunden mögen sich ärgern, dass jetzt direkt beim Kauf mehr Geld fällig ist, wenn man mehr Speicher haben möchte. Gleichzeitig zerstört Samsung aber hier das Geschäftsmodell von Device Fidelity. Die Firma bietet micro SD Karten mit eingebauter NFC Antenne. Damit kann man ein Smartphone unabhängig vom Handy Hersteller oder Mobilfunkunternehmen Mobile Payment fähig machen. In Deutschland wird dies zur Zeit von der Volkswagenbank angeboten (Testbericht ist in Vorbereitung). Sollte ich mir ein Samsung S6 zulegen, müsste ich darauf wohl verzichten.

Die gesamte Entwicklung bleibt also spannend!

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Über Rudolf Linsenbarth 94 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.