Warum Coden nicht nur für Männer ist

women who code

Alaina Perzival von Women Who Code (WWC), einer Non-Profit-Organisation (NPO) aus den USA, tourte die vergangenen Wochen durch Europa. Im Gepäck: Ein Vortrag über mehr Diversität im technischen Umfeld. Denn: Gemischte Teams sind erfolgreicher – aktuell gut nachzulesen bei karrierebibel. mobile zeitgeist führte mit Alaina ein Gespräch anlässlich ihres Vortrags im Amerikahaus München am 2. März 2015.

Fakt ist: Natürlich ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen programmieren, auch nicht in den USA. Dennoch ist die Situation in der Heimat der Start-Ups und technischen Entrepreneure eine andere als hierzulande. Schon längst haben es die Gründer verstanden, dass ihr Potenzial nicht auf der Straße liegt. Und dass nicht jeder Mann automatisch der bessere Coder ist. Dabei hilft ihnen, dass Organisationen wie WWC seit Jahren Frauen in Programmierung und Co. fördern. Alaina kam nicht ohne Grund nach Deutschland, hatte sie hier doch einige Jahre beim Sportartikel-Hersteller Puma im Marketing gearbeitet. Sie verließ Deutschland wieder, um selber in dem Start-Up-Bereich einzusteigen. Dadurch kam sie zwangsläufig in die Situation, sich selber mit Code zu befassen. Und es lieben zu lernen.

Ihr Geständnis klang dann ungefähr so: „ Ich war immer besser in Mathe, es fiel mir leicht. Aber ich war ein Mädchen – die machen nunmal keine Mathematik, sondern sind eher in den Sprachen unterwegs. Dachte ich. Bis ich mein Interesse an Start-Ups entdeckte.“ Und damit war auch ihr Engagement für WWC geweckt. 2013 stieg sie ein: „mit viel Respekt, schließlich ging es um den Leitungsjob. Ich musste es mir erst einmal selber sagen: Ich bin CEO. Wow, ICH bin CEO.“

Wie ist das denn jetzt mit den Frauen, die coden?

Meine Frage war also zwangsläufig: Ist der Einstieg in’s Programmieren für Frauen schwerer?

Alaina: In den USA ist das natürlich einfacher als hier, es gibt viel mehr Programmier-Schulen. Das Silikon Valley hat sich auf den Bedarf eingestellt, und bietet entsprechende Crashkurse an. Natürlich ist es möglich, in sechs Monaten programmieren zu erlernen. Allerdings ist das nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist es, die Frauen bei der Stange zu halten. Viel zu viele steigen, nachdem sie sich ein paar Jahre in dem Beruf profiliert haben, aus unterschiedlichen Gründen wieder aus.

Und hier kommt also WomenWhoCode zum Zug?

Alaina: Wir wollen natürlich schon vorher ansetzen, bevor die Frauen aussteigen. Wir wissen, dass die kritische Grenze meist nach zehn Jahren im Job erreicht ist – entweder, die Frauen haben davor genug Motivation und Rückendeckung erhalten und außerdem die Gelegenheit, den Job an ihre Bedürfnisse flexibel anzupassen, oder sie sind raus, sobald sich eine passende Gelegenheit ergibt.

Das Umfeld ist wichtig, um Frauen im Programmierer Beruf zu halten. Noch immer fehlt auch in den USA das Verständnis, fest angestellte Coder von zuhause arbeiten zu lassen. Dabei gibt es kaum einen anderen Beruf, der es so einfach macht. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist nicht alleine die Karriere. Auch für die Unternehmen hat es Nachteile, wenn Frauen nach jahrelangen beruflich produktiven Zeiten völlig aus dem Job aussteigen. Damit geht sehr viel Know-how verloren.

Um diesen Ausstieg aufzuhalten, engagiert sich WWC in den USA und ist in den vergangene knapp zwei Jahren enorm gewachsen. Was führte dazu?

Alaina: Natürlich sind wir daran interessiert, das Netzwerk der Frauen untereinander auszubauen und sie zu unterstützen. Dafür suchen wir Sponsoren und organisieren Treffen, Schulungen, Vorträge. Außerdem sponsoren wir Messen- und Kongressbesuche für Frauen. Wir wissen, dass wir dabei mehr als nur einen Austausch bieten müssen. Damit eine Frau, die tagsüber im Job engagiert ist, in ihrer Freizeit solche Termine wahrnimmt, muss mehr dabei herauskommen, als ein Abendessen. Das gibt es übrigens auch – und ja, das ist wichtig. Die Frauen haben das erkannt – und die Unternehmen auch. Dadurch sind wir mit vielen in Kontakt und bekommen Unterstützung.

Ist das auf Deutschland übertragbar?

Alaina: „Wir sind nicht nur in den USA aktiv – die erste WomenWhoCode-Gruppe hat sich beispielsweise auch schon in Frankfurt gegründet – und ich bin sicher, es werden noch mehr werden. Hier gibt es zudem schon Netzwerke, die sich für Frauen in digitalen Berufen einsetzen. Ich wünsche mir, dass wir da eng zusammenarbeiten. Umso besser, je mehr wir weltweit kooperieren. Das stärkt alle und verschafft mehr Förderung und Aufmerksamkeit.

Als Vorstand von WWC erhalten Sie viel Anerkennung, hätten sie sich das früher auch – öfter – gewünscht, oder vielleicht mehr Rückendeckung?

Alaina: Ich habe ein tolles Team hinter mir – und das ist nicht nur für die Organisation wichtig. Genauso wichtig ist es, dass wir uns auch kleine Erfolge immer wieder bewusst machen und auch feiern. Egal, ob wir in einem Startup sind oder anderswo im Tech-Umfeld. Wir haben das verdient und es tut gut. Auf meinem Weg habe ich zum Glück immer wieder die richtigen Menschen getroffen, die mir Mut gemacht haben. Damit erreicht man wirklich viel.

Und noch einen guten Rat gab sie allen mit: Einfach mal reinschnuppern, Coden ist eine Karrierechancee für Frauen jeden Alters… denn es ist ebenso Fakt:

Das Gespräch führte Su Steiger, aproposmedia für mobile zeitgeist.

Bild Alaina Perzival: aproposmedia.de/S.C.Steiger

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Über Heike Scholz 410 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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