Frauen ran an die Tastaturen!

Diana Knodel

Ich beklage häufig, dass auch in unserer Branche die Frauenquote viel zu niedrig ist. Und da hat es mich besonders gefreut, auf die OpenTechSchool Hamburg zu stoßen, die mit einigen Angeboten Frauen den Weg zu den technischen Aspekten von Entwicklung mobiler Applikationen und Programmierung generell ebnen möchte.

Diana Knodel (@dianaknodel) von der OpenTechSchool kann viel besser erklären, was genau die OpenTechSchool ist und macht. Sie stand mir für ein kleines Interview zur Verfügung.

1. Danke, dass Du uns ein paar Fragen beantwortest, Diana. Stelle Dich unseren Leserinnen und Lesern doch bitte kurz vor.

Ich habe Informatik mit Schwerpunkt Psychologie studiert. Die Schnittstelle zwischen Technik, Programmierung aber auch Kommunikation bzw. die Zusammenarbeit mit verschiedenen Personen finde ich super. Nach dem Studium habe ich fünf Jahre in der Wissenschaft gearbeitet und ein E-Mentoring Programm für Schülerinnen aufgebaut (www.cybermentor.de). Vor drei Jahren bin ich dann als IT Projektleiterin nach Hamburg gekommen. Da ich selbst ein großer Informatik-Fan bin, freut es mich immer, wenn ich andere Personen dafür begeistern kann. Daher starten wir gerade auch die OpenTechSchool in Hamburg.

2. Du gehörst zu den Gründerinnen der OpenTechSchool in Hamburg. Was ist die OpenTechSchool genau, wer steckt dahinter und was genau sind die Ziele?

Die OpenTechSchool ist eine -Initiative, die kostenlose Programmier- und Tech-Workshops anbietet. In Berlin gibt es die OpenTechSchool bereits seit 2012, in Hamburg starten wir damit gerade. Die OpenTechSchool HH bietet ein Forum, über das sich Leute treffen, die lernen wollen. Hier werden unterschiedlichste Tech-Themen zusammenkommen, z.B. wird es eine Beginnergruppe „Ruby on Rails“ oder eine „-Study Group“ geben.

Welche Kurse und Gruppen konkret entstehen, hängt von den Interessen und der Initiative der Mitglieder ab. Unser Angebot richtet sich sowohl an absolute Anfänger und an Experten. Die OpenTechSchool HH wird zusätzlich immer wieder selbst Veranstaltungen organisieren, wie z.B. das App Summer Camp oder den App Day für Große.

Wir wollen gerne „praktisches Lernen“ ermöglichen und anbieten. Statt theoretischen Vorträgen sind unsere Veranstaltungen „hands-on“, am Ende soll etwas Konkretes entstanden sein. Das kann eine Website, eine Smartphone-App oder vielleicht sogar ein selbst gebautes Handy sein. Vor allem aber wollen wir zeigen, dass jede/r programmieren lernen kann – auch ohne vertiefte Mathematikkenntnisse oder detailliertes Technikwissen. Wichtig sind stattdessen: Spaß, die richtigen Lernressourcen und Kontakt mit anderen Lernbegeisterten. Genau diese drei Dinge findet man bei der OpenTechSchool HH.

3. Ihr habt jetzt im Juni 2013 einen Workshop durchgeführt, bei dem 16 Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen und ohne Vorkenntnisse in Sachen Programmieren eigenständig Apps entwickelt haben. Was war Euer Ziel, welche Tools habt Ihr eingesetzt und wie waren die Reaktionen?

Als ich von unserem App Summer Camp für Schülerinnen berichtet habe, habe ich sehr viele Anfragen von Frauen bekommen, ob sie nicht auch teilnehmen könnten. Das Interesse war riesig! Das hat uns natürlich gefreut und wir haben kurzerhand entschieden, einen eintägigen Workshop für Frauen anzubieten. Wir haben mit dem App Inventor gearbeitet. Der App Inventor ist ein grafischer, blockbasierter Editor, mit dem man einfach und schnell eigene Apps entwickeln kann. Die erste eigene App ist nach wenigen Minuten fertig, so hat man schnell ein Erfolgserlebnis. Das motiviert weiterzumachen. Außerdem gibt es tolle Tutorials, mit denen man sich selbst gut einarbeiten kann.

Der Tag war super und die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Es sind tolle Apps entstanden: Ein Spiel, bei dem man Bart und Homer Simpson fangen muss oder eine Wahrheitskugel, die einem die Zukunft vorhersagt. Wir waren sehr beeindruckt von den Ergebnissen. Vor allem, da die meisten Teilnehmerinnen zuvor noch nie mit App-Programmierung zu tun hatten. Und das Feedback der Teilnehmerinnen war toll – sie hatten sehr viel Spaß und die meisten wollten weitermachen. Das freut uns!

4. Im Juli 2013 werdet Ihr ein kostenfreies „App Summer Camp“ ausrichten, bei dem Schülerinnen der Klassen 8, 9 und 10 selbst Apps entwickeln werden. Warum diese Zielgruppe und was erhofft Ihr Euch von einer solchen Aktion?

Wir merken häufig, dass Mädchen wenig über Informatik wissen und/oder Vorurteile haben. Informatik ist so ein tolles und interessantes Fach. Das wollen wir den Schülerinnen zeigen. Kreativität, Teamgeist und Kommunikation sind in der Informatik sehr wichtig. Das sollen die Schülerinnen bei unserem Workshop selbst erleben. Dabei erhalten sie Unterstützung von großartigen Software-Entwicklerinnen, die sich alle ehrenamtlich als Coaches engagieren.

Da Apps gerade ein großes Thema sind, bieten wir einen App-Workshop an. Schülerinnen lernen, dass es gar nicht so schwierig ist, eigene Apps zu entwickeln. Und sie sehen, wie viel Spaß Programmieren machen kann!

5. Was haben wir nicht gefragt bzw. möchtest Du den Leserinnen und Lesern von mobile zeitgeist gern mit geben?

Wer Lust hat, mehr vom App Summer Camp zu erfahren, ist herzlich eingeladen, zum Networking- und Präsentationsabend zu kommen: http://appsummercamp.eventbrite.de/

Außerdem freuen wir uns über andere Tech- und Lernbegeisterte, die sich bei der OpenTechSchool beteiligen wollen. Meine Kontaktdaten: diana@opentechschool.org und @dianaknodel.

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Über Heike Scholz 410 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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