Wann wird das QR Code Marketing endlich erwachsen?

qr code marketing

QR Codes erfreuen sich (wieder einmal) großer Beliebtheit und es gibt immer mehr Print-Anzeigen, Plakate, Kataloge, Geschäftsberichte, Zeitungen, Zeitschriften und Prospekte, auf denen sich diese für viele Nutzer immer noch etwas kryptischen schwarz-weißen Vierecke befinden.

QR Code Marketing ist nicht neu oder besonders innovativ

Vor einigen Jahren – es war so 2005 – trieben wir Mobilisten diese Sau beschäftigten wir Mobilisten uns schon einmal intensiv mit dem QR Code Scanning im Mobile Marketing. Damals argumentierten wir angesichts der so unglaublich niedrigen Nutzungsraten immer damit, dass die Nutzer dieses Tool noch nicht kennen, sie es aber lernen würden und dann wäre der Durchbruch für die QR Codes da.

Sieben Jahre später sind wir nicht wirklich viel weiter gekommen. Denn die (gefühlt) große Stückzahl scanbarer Codes in den Veröffentlichungen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nutzung meist immer noch in homöopathischen Dosen erfolgt.

Gut, nun könnte man meinen, die Nutzer hätten es eben immer noch nicht gelernt, aber jetzt, ja jetzt endlich würden sie es. Allein durch die schiere Menge der verfügbaren Codes. Doch ein Blick auf das, was mit den QR Codes dort im Marketing gemacht wird, treibt einem viel zu oft die Tränen in die Augen.

Immer wieder die gleichen Fehler

Scott Stratten, der selbst ernannte Chuck Norris der QR Codes, hat dies sehr unterhaltsam auf den Punkt gebracht.

Da wird auf die „normalen“ Webseiten verlinkt, wahnsinnig spannende Produktinfos hinterlegt oder Videos abgespielt, bei denen man sich fragt, welche Drogen die Macher genommen haben. Angebracht werden die Codes auf Plakaten gegenüber von Bahngleisen (so selbst erlebt beim Virtual Store von Weltbild), was das Scannen unmöglich macht oder eben in Beilagen oder Magazinen, die bevorzugt dort gelesen werden, wo kein Netzempfang erlaubt oder möglich ist.

Hier wird die Chance vertan, dass die Nutzer wirklich lernen, dass es Spaß macht und/oder ihnen etwas bringt, einen Code zu scannen, im Fach-Denglish, eine gute User Experience zu haben. Und so scannen viele Menschen einen QR Code genau zwei Mal: Zum ersten und auch gleich zum letzten Mal.

Auch beim QR Code Marketing gilt die (leider zu oft vergessene) Binsenweisheit: „Erst denken, dann Konzept machen und umsetzen.“ Ich weiß, das ist platt, aber ich sehe so viele QR Code Aktivitäten, bei denen eben genau dies nicht gemacht wurde, dass es mir nicht peinlich ist, so etwas hier zu erwähnen.

Nutzer erwarten attraktive Incentivierung

Wir Deutschen lieben Studien. Der gesunde Menschenverstand, insb. der eigenen Mitarbeiter gilt wenig (der, von externen Beratern schon mehr). Also werden natürlich auch zur Erwartung der Nutzer an QR Code-Kampagnen Studien gemacht, wie z.B. diese von eMarketer, die zu nicht wirklich überraschenden Erkenntnissen geführt hat:

„43 Prozent der Befragten einer eMarketer-Studie nutzen QR-Codes, um Rabatte, Coupons oder kostenlose Produkte zu ergattern. Auf Informationen zu einer Marke oder einem Unternehmen hoffen dagegen mit 18 Prozent nicht mal ein Fünftel der Nutzer. 26 Prozent wollen via QR-Code Infos über ein Produkt oder eine Dienstleistung erhalten. Zugang zu exklusiven Inhalten erhoffen sich ein Viertel der Nutzer, die einen QR-Code einscannen, und 23 Prozent wollen gezielt etwas kaufen. Auf der Suche nach Veranstaltungsinformationen sind schließlich 22 Prozent der QR-Code-Nutzer.“

Wer hätte das gedacht? Der Nutzer erwartet tatsächlich einen Mehrwert, wenn er schon sein Smartphone herauskramt, anschaltet, die Scan-Appp anmacht und dann den Code anvisiert. Da hätte auch jemand ohne Studie drauf kommen können. Dabei hatte man in so vielen Marketing-Abteilungen oder den für sie arbeitenden Agenturen gedacht, dass die Nutzer so verrückt nach der Marke, dem Produkt, dem Medium sind, so unglaublich neugierig auf das, was sich hinter dem Code verbirgt, so aufgeregt, weil es doch auch dieses „Spielmoment“ hat, dass sie gar nicht überlegen, sondern sofort das Scannen beginnen.

Gut, nun haben wir zum Glück die Studie und ahnen, dass es nicht so ist und die Nutzer doch tatsächlich eine Erwartungshaltung an das Ergebnis haben. Es stellt sich Ernüchterung ein und man fragt sich, was denn nun der Königsweg sei. Dumm nur, dass es diesen auch beim QR Code Marketing nicht gibt.

Und wie geht das QR Code Marketing nun richtig?

In einem meiner nächsten Artikel werde ich dennoch ein paar Tipps für gutes QR Code-Marketing geben, denn richtig eingesetzt und mit einer realistischen Einschätzung der Nutzungsintensität, die man mit seiner Maßnahme erreichen kann, ist dieses Tool bestens geeignet, die reale mit der ditigalen Welt zu verbinden. Und Anwendungsszenarien, in denen zweidimensionale Barcodes wie der QR Code sinnvoll eingesetzt werden können, gibt es massenhaft.

Wer gute Kampagnen mit QR Codes kennt, gebe mir gern einen Tipp. Allerdings bitte immer mit dem Kampagnen-Design und den erwarteten und dann tatsächlich eingetretenen Nutzungszahlen, denn diese entscheiden letztlich darüber, wie erfolgreich eine solche Kampagne gewesen ist. Wir werden hier gern über solche Kampagnen ausführlich berichten.

Update: Der Artikel ist mittlerweile erschienen: 7 Tipps für das Marketing mit QR Codes

Über Heike Scholz 429 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Köpfen der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

2 Kommentare

  1. Schön zu lesen, dass sich auch in diesem Punkt Deutschland und Österreich nicht wirklich unterscheiden! :)
    Eine Bitte noch, Frau Scholz. Erklären sie doch ihren Leserinnen und Lesern bei nächster Gelegenheit auch, dass es möglich ist, QR-Codes mit einem Telefonanruf bzw. einem SMS-Versand zu verknüpfen. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass das Wissen ob dieser einfachen und bisweilen viel effizienteren Möglichkeit für einen direkten Kundendialog auch nördlich des Weißwurstäquators noch in den Kinderschuhen steckt.

  2.  

    So we placed the QR codes for the
    UrbanChatRoom.net at the Austrian Pavillionin Venice.(13.Biennale)

    It becomes part of the exhibit.

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