Studie: Erfolgsfaktor Mobile Banking Apps

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Wollte man vor gar nicht allzu langer Zeit Geld überweisen, so füllte man einen meist zweifarbig gestalteten Überweisungsträger in DIN A6 Format aus – mit Durchschlag. Das unterschriebene Original trug man in die nächstgelegene Bank- oder Sparkassen-Filiale, wo es nach kurzer Prüfung durch einen Mitarbeiter entgegen genommen wurde. Damit verschwand das Dokument und wurde irgendwo digitalisiert – wie und wo, war eigentlich nie interessant – und man konnte die Buchung ein paar Tage später auf seinem ausgedruckten Kontoauszug sehen.  Die gute alte, analoge Zeit. Oder auch nicht.

Das Online-Banking hatte bei uns Deutschen keinen leichten Start. Misstrauten wir doch diesem digitalen Kram zutiefst und wollten auf keinen Fall von unseren gewohnten papierhaften Überweisungsträgern ablassen. Die Banken bauten uns Brücken und bildeten genau diese Formular auch online ab, damit wir uns ein wenig heimisch fühlen konnten. Es funktionierte. Nach und nach wechselten wir auf die digitalen Angebote.

Heute ist auch das Banking mobil geworden und eine Vielzahl von kämpft um unsere Aufmerksamkeit. Die Banken sind erst recht spät gestartet, haben dann aber durch ihre Kundenbasis schnell zunächst anderen überlassenes Terrain wett gemacht.

Mobile Banking Apps kritischer Faktor

Wie wichtig heute die mobilen Apps beim Banking geworden sind zeigt eine Studie der Analysten von SNL Financial, die im Februar 2015 rund 500 US-Amerikaner nach Gründen für ihren kürzlich vorgenommenen Bankenwechsel gefragt haben.

Von den Befragten, die in den letzten 12 Monaten ihre Bank gewechselt haben gaben 26 Prozent an, dies wegen einer besseren Mobile Banking App getan zu haben.

Deutschland abgeschlagen hinter GB und Frankreich

Die App-Analysten von App Annie haben sich die drei wichtigsten Märkte für Mobile Banking Apps angeschaut und interessante Unterschiede zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland festgestellt.

Die Zahl der App-Downloads variierten gewaltig. Die zehn jeweils führenden Apps für das Mobile Banking wurden untersucht und man konnte feststellen, dass Großbritannien doppelt so viele Downloads wie Frankreich und drei Mal so viele wie Deutschland aufwies.

In Relation zum jeweiligen Gesamt-App-Markt zeigte sich, dass Großbritannien eine sehr hohe Rate aufweist, hingegen Deutschlands Mobile Banking Apps weit abgeschlagen sind.

GB Innovation, Frankreich , Deutschland Sicherheit

Aus der Analyse der in dem jeweiligen Land führenden zehn Mobile Banking Apps konnten deutliche Unterschiede in den strategischen Ausrichtungen identifiziert werden. In Großbritannien setzen die Privatbanken vorrangig auf innovative App-Funktionen und im Sinne eines reibungslosen Mobileerlebnis auf einfache und gleichzeitig sichere Lösungen für die Anmeldung bei den Apps.

In Frankreich wiederum liegt der Schwerpunkt der führenden Apps auf einem unkomplizierten Zugang zu Informationen, der direkten Kommunikation mit dem Kunden und der umfangreichen Nutzung von Kundendaten, um individuelle Budgetplanungen zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht hier ganz klar die Pflege von Kundenbeziehungen.

Die in Deutschland im ersten Quartal 2015 am meisten herunter geladenen Apps spiegeln die Bankenlandschaft wieder. Die Sparkassen-App liegt mit Abstand vorn, gefolgt von der VR Banking App, der Postbank und der Commerzbank.

Das (typisch?) deutsche Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich in den in den Top10 vertretenen Apps für die Sicherheit des Mobile Bankings, wie S-push-TAN oder DKB-pushTAN wieder.

App Annie beschreibt die App der Commerzbank als typischen Vertreter der sicherheitsorientierten deutschen Apps. „Im Gegensatz zu den funktionsreichen und innovationsorientierten Banking Apps in GB und Frankreich kann Commerzbank Kontostand nur zum Abrufen des Kontostands genutzt werden. Das besondere Merkmal der App ist das Fehlen zur Identifizierung nutzbarer Informationen (Kontonamen und nummern), um den Datenschutz im Falle eines Verlusts des Telefons zu gewährleisten.“

Angesichts der sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen in den drei Ländern wird deutlich, wie groß das Potenzial für deutsche Banken und Sparkassen ist, für die Nutzer attraktiver zu werden und die mobile Nutzung mit den eigenen Angeboten optimal zu bedienen. In Sachen Innovationsfreude und Kundenzentriertheit ist noch viel zu tun in Deutschland. Wie es aussehen könnte (aber nicht muss) zeigen unsere Nachbarn.

Der Report kann bei App Annie kostenfrei herunter geladen werden. Er enthält noch weitere Informationen, insb. die Details zu GB und Frankreich.

Beitragsbild: Shutterstock

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Über Heike Scholz 410 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

2 Kommentare

  1. Unterschiedliche Länder, unterschiedliches handling der Banken und Klientel. Hinzu kommt, dass die Banken lange Zeit selbst behauptet haben, dass Onlinebanking bzw. insbesondere Mobilbanking unsicher ist und somit der gute Überweisungsträger bevorzug und kostenlos verarbeitet wird.
    Erst durch den Druck von allen Seiten (Startups/KK-Unternehmen/paypal&co.) sinken die Margen und Kostenoptimierungen sind dringend angesagt, lt. den Buchhaltern.
    Das rollout für neue Produkt sowie die entsprechende Beratung hinkt stark hinterher, so dass manche Banken, obwohl bspw. pushTAN schon lange freigegeben, dies nun erst testen und dann „irgendwann“ die Kunden freischalten.

    digitale Rechnungen werden bspw. in manchen Ländern direkt in den Kontosystem abgebildet bzw. können nach kurzer Prüfung ohne weitere Eingabe freigegeben werden, hiervon träumen wir noch in Deutschland.
    selbst der SEPA-QR-Code (EPC069-12) wurde in D. erst vor ca. 1 Jahr mit girocode platziert, nur fehlt den Banken die entsprechende Marketing-Strategie und somit den Kunden die Möglichkeit dies Produkt einzusetzen.

    Dh. es muss differenziert betrachtet werden und vielen Stellen müsste die Stellschrauben dringend nicht nur nachjustiert sondern angezogen werden.

    PS: weder als Unternehmer, noch als Privatperson wurde ich bisher von meiner Bank auf mögliche Produkte und Umsetzungsmöglichkeiten hingewiesen.

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