Die schädliche Fragmentierung im Mobile Payment

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Es herrscht Aufruhr im Markt mobiler Bezahldienste. Immer mehr Anbieter überfluten mit ihren Lösungen den Markt und versuchen Händler und Kunden zu überzeugen. Stand heute tummeln sich mehr als 30 Anbieter im Mobile Payment Markt. Tendenz steigend. Und während ich gerade diesen Artikel schreibe, wird irgendwo in Deutschland ein neues Startup gegründet. Konkurrenz belebt das Geschäft könnte man meinen, aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Zwar rennt man als Startup bei den Investoren offene Türen ein, wenn man das Zauber Wort “Mobile Payment” erwähnt, aber nachhaltig ist das im Moment nicht.

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Fragmentieren und Kanibilisieren

Nach der anfänglichen Schockstarre, scheinen Händler in eine Art wilden Aktionismus auszubrechen. Zwar wurde mit der Netto-App von Valuephone ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber dieser White-Label-Ansatz führt zwangsläufig zu einer Fragmentierung des Marktes mobiler und alternativer Bezahldienste. Nicht, dass dieser mit unterschiedlichen Technologien wie , QR-Code Verfahren oder proprietärer Lösungen für den Kunden bereits völlig intransparent ist, die Vielzahl von Anbietern mit unterschiedlichen Lösungsansätzen macht Mobiles Zahlen in Deutschland zusätzlich zum Spießrutenlauf.

So wundert es nicht einmal mehr, dass sogar innerhalb einer Kette wie z.B. Edeka unterschiedliche Lösungen unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz kommen. Auf der einen Seite setzt Edeka, die zur Netto-Gruppe gehören wie Netto auch, eine Lösung von Valuephone ein. Auf der anderen Seite setzt Edeka in einigen Läden die Lösung von GO4Q basierend auf dem QR-Code Verfahren ein. So kommen künftig in Edeka Märkten unterschiedliche Apps zum Einsatz. Aber auch die Bezahl-Apps von Netto und Edeka, die ja zum Teil von Valuephone kommen, sind nicht untereinander kompatibel.

Die Rewe-Gruppe setzt mit Yapital auf einen gänzlich anderen Anbieter. Und es bleibt zu befürchten, dass sich das Spiel weiter fortsetzt. Während der Kunde heute in der “alten Welt” mit seiner EC-Karte in jedem Geschäft zahlen kann, muss er künftig für jeden Laden eine eigene App, mit eigener Registrierung, Legitimierung, etc. nutzen. Pain-in-the-ass.

Beim kontaktlosen Zahlen mit EC oder Kreditkarte sieht es nicht viel Besser aus. Dort tummeln sich mit MasterPass und GiroGo ebenfalls zwei unterschiedliche Verfahren im Markt, die – Oh Wunder – nicht untereinander kompatibel sind.

Resultat

Die daraus resultierende Fragmentierung des Marktes schadet eher als dass sie nützt. Der Kunde ist verunsichert. Schon heute weiß der Nutzer nicht, warum er überhaupt z.B. mit dem Smartphone zahlen soll. Das Killerargument “weil man sein Smartphone immer dabei” versteht außerhalb der Branche auch niemand. Und die vielen Dauerversprechen zu den kommenden Mehrwertdiensten bleiben im Moment genau das: Versprechen.

Man könne meinen, der Kunde ist der Leidtragende. Ist er aber nicht. Es ist schlimmer. Es juckt ihn nicht. Leidtragend ist die Branche. Und das ist das eigentliche Dilemma. Mobile Payment kann für alle Beteiligten eine wunderbare Sache sein. Die Möglichkeiten für Kunde und Händler sind vielfältig. Leider gleicht die Situation einem Hühnerstall voller aufgebrachtem Federvieh.

Österreich!

Österreich schafft beim mobilen Bezahlen gerade das, was sie beim Online-Banking nicht geschafft haben. Einen Standard. Die Initiative “Mobile Wallet for Initiative Austria” ist ein Zusammenschluss aller möglichen Mitspieler wie zum Beispiel Austria Card, , T-Mobile, und PayLife Bank. Die for Initiative Austria setzt technologisch auf NFC. Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Aber man versucht zumindest, so etwas wie einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Ausblick

Wenn es in absehbarer Zeit bei uns im Bereich der mobilen Bezahldienste – sei es kontaktlos via NFC oder Bezahl-App – vorwärts gehen soll, dann ist es an der Zeit sich zusammenzusetzen. Fernab aller firmenpolitschen Befindlichkeiten gilt es einen Standard zu schaffen, der es den Kunden erlaubt auch mit der Netto-App bei Rewe zu zahlen oder mit Yapital bei Aldi. Oder mit einer Drittanbieter App von irgendjemand. Darüber hinaus fehlt es noch immer an den Mehrwertdiensten oder einer echten digitalen Geldbörse.

Am Ende jammern sonst wieder alle, wenn es irgend ein Unternehmen aus den USA es richtig und gut macht. Wäre ja nicht das erste Mal.

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Über Maik Klotz 23 Artikel
Maik Klotz ist Head of New Business bei einem der größten Software Anbieter in Deutschland mit Schwerpunkt auf mobile Apps im Bereich Finanzen. Seine Stationen sind vielfältig: Produktmanager, Business Development Manager, Design Strategist und CEO. Maik Klotz ist ein Produktmensch, mit Fokus auf den Anwender.

4 Kommentare

  1. Was ist denn eigentlich das sagenumwobene „Mobile Payment?“

    Unter diesem Begriff werden in der Branche so viele verschiedene technischen Lösungen subsummiert, dass es nicht nur denen, die daran arbeiten schwer fällt es einzuordnen. Wie soll da der Kunde denn wissen, wie er wo was bezahlen kann?

  2. Hallo Bruno Missoni,

    vergleichen wir das mit Android. Ebenfalls „White Label“ und ebenfalls fragmentiert und untereinander nicht immer kompatibel. Und ja, der Wunsch eigene Lösungen anzubieten ist ein Problem. Was fehlt ist eine „logo“ wie das von ec Electronic Cash. Daran erkennt der Kunde, dass man mit einer App – sei es nun von Netto oder Edeka, auch beim „Wettbewerb“ zahlen kann.

  3. Der Witz ist doch grade dass eine White Label Lösung technisch grade den Vorteil bietet, dass Sie in beliebige POS Systeme integrierbar ist. Von daher bietet Sie grade die Chance die Fragmentierung am Markt zu reduzieren.
    Die Vielzahl der in Deutschland eingesetzten Lösungen ist gross. Der Schritt in Richtung White Label macht also deutlich wo das Problem liegt. Händler und Lösungsprovider sind zu sehr darauf fixiert eigene Lösungen zu bieten. Aber de facto Standards und gute eigene Lösungen schliessen sich nicht aus.

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