Regulierung, Payment und Verbraucherschutz

EU Kommission

We always overestimate the change that will occur in the next two years and underestimate the change that will occur in the next ten.

Diese Aussage von Bill Gates habe ich meinem Jahresausblick voran gestellt. Ich habe die drei Bereiche Konvergenz, Regulierung und Digitale Identität als die dominierenden Treiber von Veränderungen identifiziert. Der heutige Artikel beschäftigt sich mit der Regulierung und der Frage wie sie Mobile Finance wohl beeinflussen wird.

Regulierung (hier Marktregulierung) wird vom Wirtschaftsduden definiert als:

Direkter Eingriffe des Staates in Marktabläufe und die staatliche Beeinflussung des Verhaltens von Unternehmen durch Vorschriften zur Erreichung bestimmter, im allgemeinen Interesse stehender Ziele.

Die beiden wichtigsten Initiativen den Bereich Mobile Payment betreffend gehen von der EU aus. Dies ist zum einen die Absenkung der Interchange Gebühren auf feste Obergrenzen. Jochen Siegert, Direktor für Bezahlsysteme bei der Firma Bigpoint, hat hierzu einen viel beachteten Beitrag im Bank Blog geschrieben.

Die direkte Vorgabe von Preisen sollte in einer Marktwirtschaft immer nur das letzte Mittel sein. Zumal nicht sicher ist, dass der Handel die Preisvorteile an den Endkunden, der ja als Begründung für diesen Eingriff herhalten muss, weiter geben wird.

Alternativ hätte man auch das bei den Payment Schemes sehr beliebte „Surcharge Verbot“ kippen können. Dabei wird dem Handel verboten über Aufschläge oder Rabatte den Kunden auf eine bestimmte Bezahlvariante zu  lenken. Gerade damit könnte der Handel den Wettbewerb der Zahlungsdienstleister untereinander beflügeln. Konsequenterweise lässt man dann auch den Kunden an der Kasse wählen, auf welche Weise er zahlt, wenn seine Karte mehr als eine Payment Variante unterstützt (z.B. Girocard und Maestro).

Nun hat sich der europäische Gesetzgeber aber entschieden, direkt in die Preisgestaltung einzugreifen. Wird es dem deutschen Verbraucher Nutzen? Ich glaube nicht! Herunter geschraubt werden vor allem die Gebühren für Kreditkarten. Deren Marktanteil liegt in Deutschland laut dem EHI Retail Institut bei knapp 5%. Wenn die Preise jetzt auf das Niveau einer Girocard fallen, wird die einzige Folge sein, dass sich die Zahlungsströme verschieben könnten. Zusätzlich werden die Banken versuchen, die geringeren Einnahmen aus dem Kartengeschäft an anderer Stelle zu kompensieren. Ich vermute die Bonusprogramme bei Kreditkartenzahlungen werden gekürzt und die Jahresgebühren für Kreditkarten könnten steigen. Ob die Startups von dieser Entwicklung profitieren oder eher benachteiligt werden, muss noch mal in Ruhe betrachtet werden.

Der zweite Regulierungseingriff kommt von einer Initiative mit dem Namen SecuRe Pay  (European Forum on the Security of Retail Payments). Die Auswirkungen werden weit in die Ausgestaltung des Online Banking und in das Feld E-Commerce hinein ragen. Dr. Matthias Terlau von Osborne Clarke hat hier mal die wichtigsten Punkte zusammen gefasst.

Regulierung findet aber merkwürdigerweise nicht überall statt.

Die Inseln der „Glückseligkeit“, wo die Akteure machen können was Sie wollen, sind die Fußballstadien der Bundesliga. Die Verpflichtung der Fußballfans auf die unterschiedlichen Zahlungssysteme in den einzelnen Stadien, stellt je nach Ausprägung eine massive Benachteiligung der Verbraucher dar. Der Schlummergroschen, d.h. Guthaben auf den Prepaid Karten das beim Verlassen des Stadions nicht zurückgetauscht wird und später dem Verein zufällt, ist fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Wo bleibt da das allgemeine Interesse? Eine Bank oder ein Mobilfunkkonzern, mit einem derartigen Geschäftsgebaren hätte sehr schnell die Aufmerksamkeit aus Brüssel. Anscheinend gilt wieder mal: Wenn zwei das Gleiche machen, ist es noch nicht Dasselbe.

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

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