Payment: Wenn das Bargeld nicht mehr lacht!

Bargeld

Darf ein Händler im stationären Handel die Annahme von verweigern?

mDays, EuroCIS, und Cebit: 4 Messen auf denen die Botschaft vermittelt wird, dass Mobile Payment kommen wird und den Bargeldanteil dabei weiter zurück drängt. Wie sieht es aber aus, wenn ein Retailer auf die Idee kommt und die Bargeldannahme komplett verweigert? Ist das zulässig? Bargeld ist ein gesetzliches Zahlungsmittel! Nachdem mir auch auf der EuroCIS, der Vertreter eines Netzbetreibers für den bargeldlosen Zahlungsverkehr diese Frage nicht beantworten konnte, habe ich mich an die Experten gewandt. Die Pressestelle der Bundesbank.

Bargeld muss angenommen werden

Die Antwort lautet in der Regel besteht  für Bargeld eine Annahmepflicht. Abgeleitet wird dies aus der Empfehlung der EU Kommission vom 22. März 2010 über den Geltungsbereich und die Auswirkungen des Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel. Dort heißt es unter Punkt 2:

Die Annahme von Euro-Banknoten und -Münzen als Zahlungsmittel bei Einzelhandelstransaktionen sollte die Regel sein. Eine Ausnahme davon ist nur aus Gründen im Zusammenhang mit dem Grundsatz von Treu und Glauben möglich (z.B. wenn der Einzelhändler über kein Wechselgeld verfügt).

Überlagert wird das aber durch das Prinzip der Vertragsfreiheit. Dieses gilt auch im B2C Bereich und ermöglicht dem Käufer und Verkäufer sich auf etwas anderes zu einigen (z.B. Bargeld auszuschließen).  Ob ein Schild an der Kasse oder bereits am Eingang die Formvorschrift einer solchen Vereinbarung erfüllt stelle ich mal zurück.

Der geneigte Leser wird sich an dieser Stelle nun fragen, warum sollte ein Händler so etwas überhaupt machen?

Hier einige Gründe:

  1. Ein bargeldloser Prozess am ist wesentlich schneller. Deshalb werden diese Bezahlverfahren ja bereits in vielen Fußballstadien eingesetzt.
  2. Bargeld ist zwar ein Zahlverfahren, bei welchem keine umsatzabhängigen Gebühren anfallen. Es ist aber nicht kostenlos. Angefangen von den Rüstzeiten an der Kasse, der Ver- und Entsorgung des Geldes und den Verlusten (Falschgeld, Schwund, Diebstahl,…).
  3. Minimierung des Überfallrisikos (im Tankstellengewerbe einer der Haupttreiber).
  4. Zahlt der Kunde erst mal bargeldlos und am besten mobil, ist er auch leichter zu motivieren an den entsprechen Kundenbindungsprogrammen des Händlers teilzunehmen.

Ich denke in zwei Jahren wird es erste Retailer geben, die genau das umsetzen. Damit ich hier nicht missverstanden werde, ein Verschwinden von Bargeld halte auch ich für die nächsten Dekaden für ausgeschlossen. Außer der Staat würde ähnlich wie in Schweden, eine Exit Strategie vorgeben.

Avatar for Rudolf Linsenbarth
Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

3 Kommentare

  1. „Ein bargeldloser Prozess am POS ist wesentlich schneller“ Ist er das ?? Bei Online Authorisierung ( z.B. Kartenzahlung heutzutage …) oder erst mit NFC (Secure Element) / und einer Form von Lastschrift ?

    • Hallo,
      JA….wenn man mit dem Handy zahlt in jedem Fall.
      Ich nutze seit kurzem die Vorstufe (den mpass Sticker) und bin begeistert.
      Ein Griff in die Hosentasche, Handy raus, tapen, PIN eingeben, Beleg entgegen nehmen …. fertig. Kein lästiges „langes heraus fummeln“ des Geldes oder der Plastkkarte mehr. Die Zahlung geht gefühlt in 0,0Sekunden durch….obwohl es sich um eine EMV online Zahlung handelt.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*