P2P- Geld überweisen so einfach wie WhatsApp

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Die jährliche Anzahl der Überweisungen in Deutschland liegt bei ungefähr 6 Milliarden. Will man einige davon auf seinem Smartphone ausführen benötigt man eine IBAN mit 22 Stellen und zur Sicherheit eine TAN als zweiten Faktor. Im Zuge dieser qualvollen Prozedur fragt man sich unwillkürlich warum kann eine Überweisung nicht so einfach wie eine WhatsApp Nachricht sein?

Einfache Lösungen zur Abwicklung von Finanzgeschäften und Zahlungen mit Hilfe des Smartphones ist die Domäne der sogenannten Fintech . Eines ihrer Angebote ist die P2P Überweisung. Aber was versteht man darunter?

Was ist eine P2P Überweisung?

Eine genaue Definition gibt es derzeit noch nicht. Deshalb liste ich hier ich hier mal die drei wesentlichen Punkte, die P2P von einer üblichen Geldsendung und insbesondere der Giroüberweisung abhebt.

  1. Der Empfänger wird meist an Hand einer Mailadresse oder Telefonnummer statt einer Konto-Nummer identifiziert
  2. Eine P2P Überweisung findet in Echtzeit statt, so dass sich das Geld innerhalb weniger Sekunden beim Empfänger befindet.
  3. Die P2P Überweisung kann alleine mit dem Smartphone ausgeführt werden, ein weiteres Gerät (TAN Generator etc.) ist nicht notwendig

Ein gutes P2P System sollte alle drei Anforderungen erfüllen. Einige Anbieter erfüllen nur eine oder zwei der Bedingungen, um direkt zum Start eine große Reichweite zu erzielen oder um den Dienst kostenlos anbieten zu können.

Die Giro Überweisung erfüllt aber keine einzige der obigen Bedingungen!

Unterschiede zur Giro Überweisung

Im Gegenteil! Gerade ist die Empfängeradresse durch die IBAN länger geworden, so dass selbst die meisten Kontoinhaber diese nicht mehr auswendig wissen. Echtzeitüberweisungen im Girosystem sind noch viel umständlicher als die Standardüberweisung. Die Kosten dafür liegen dann auch schnell über 10 € pro Überweisung. Überweisungen am Smartphone scheitern dazu oft an der obligatorischen TAN Eingabe.

P2P Überweisungen adressieren einen völlig anderen Anwendungsfall als eine Überweisung im Girosystem. Hier geht es meist um kleine und mittlere Beträge. Der Durchschnittsbetrag liegt eher unter 50 € und übersteigt selten die 200 € Marke. Außerdem sind die Empfänger meist bekannt. Wir bewegen uns hier in einer völlig anderen Risikoklasse als bei Giro Transaktion. Viele Sicherheitsmechanismen der klassischen Giro Überweisung werden also nicht benötigt. Die Bafin hat auf diesen neuen Rahmenbedingungen auch schon reagiert.

Üblicherweise wird für die klassische Überweisung eine starke Kunden Authentisierung mit zwei voneinander unabhängigen Elementen aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz gefordert

Wissen, Besitz und Inhärenz

Die Kategorie Wissen umfasst Informationen, die ausschließlich der zu identifizierenden Person zur Verfügung stehen (z. B. Passwörter oder PINs) und die durch das Verfahren hinreichend stark gegen Imitation, Kopie bzw. Missbrauch durch Dritte geschützt sind.

Die Kategorie Besitz umfasst physische Gegenstände, die durch ihre Ausgestaltung und das Verfahren hinreichend stark gegen Imitation, Kopie bzw. Missbrauch durch Dritte geschützt sind.

Die Kategorie Inhärenz umfasst unveränderliche biologische Merkmale natürlicher Personen, die durch das Verfahren hinreichend stark vor Imitation, Kopie bzw. Missbrauch geschützt sind.

Verzicht auf starke Authentisierung

In einem Rundschreiben von diesem Monat (Februar 2015) werden folgende Ausnahmen genannt in denen auf eine starke Authentisierung verzichtet werden kann:

  • ausgehende Zahlungen an vertrauenswürdige Empfänger, die in zuvor angelegten Listen als vertrauenswürdig akzeptierter Zahlungsempfänger (White Lists) dieses Kunden enthalten sind
  • Transaktionen zwischen zwei Konten desselben Kunden beim selben Zahlungsdienstleister
  • Transaktionen innerhalb desselben Zahlungsdienstleisters, die durch eine Risikoanalyse gerechtfertigt werden
  • Kleinstbetragszahlungen entsprechend der Zahlungsdienste Richtlinie 2007/64/EG.

Passt also genau auf die eingangs erwähnte Definition der Handy Überweisungen und auch die meisten Geschäftsmodelle der relevanten Startups sind damit abgedeckt.

Somit steht auch den „regulierten“ Banken der Weg frei sich in diesem neuen, innovativen Geschäftsfeld zu betätigen.

Welche Banken sich hier vorwagen, stelle ich im nächsten Artikel vor.

Titelbild: Shutterstock

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

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