Mobile Payment Praxistest: kesh

kesh

Vor 10 Monaten brachte die biw als erste deutsche Bank ein eigenes Mobile Payment Verfahren auf den Markt. kesh ist mittlerweile bei einer stattlichen Anzahl von Unternehmen rund um Willich dem Standort der biw Bank verfügbar. Für mobile zeitgeist ein Anlass einen Test vor Ort durch zu führen.

Ausgewählt wurde dafür die Bäckerei Greis im Stadtzentrum von Willich. Hier kann man nicht nur mobile bezahlen, sondern auch das kesh Prepaid Konto über eine Bargeldeinzahlung aufladen.

Um die Funktionsweise von kesh verständlich zu machen erfolgt eine Analyse an Hand des MPLM (Mobile Payment Layer Modell).

Im Applikation Layer finden wir ein Wallet, welches zur Zahlung bei allen teilnehmenden Händlern eingesetzt wird. Es ist also bei der Vielzahl an Unternehmen nicht notwendig unterschiedliche Apps zu verwenden.

Im Payment Layer haben wir aufgrund der Prepaid Funktion ein “Stored Value“ Verfahren. Die Aufladung kann über 3 verschiedene Wege erfolgen. Zum einen kann man vom eigenen Girokonto aus Geld auf das kesh Konto überweisen. Eine weitere Möglichkeit ist die Bareinzahlung bei ausgewählten Händlern. Die dritte Option ist die „in App Aufladung“ per Lastschrifteinzug. Die ersten beiden Verfahren stehen allen kesh Kunden zur Verfügung. Die Letzte nur den Kunden, die von der biw Bank komplett authentifiziert worden sind. Die Entladung ist für alle Kunden kostenlos möglich, sofern der Kunde ein Girokonto bei der biw Bank registriert hat. Hierfür fallen genau wie für das Bezahlen beim Händler kundenseitig keine Gebühren an. P2P Überweisungen zu anderen kesh Kunden sowie das Aufladen ist zurzeit kostenlos.

Der kesh Kunde legitimiert sich über eine 6-stellige Online-PIN in der App. Damit gehört kesh laut Definition des Authentication Layers zur Klasse der Remote Login Verfahren. Dies bedeutet konsequenterweise auch, dass nur bezahlt werden kann, wenn eine mobile Datenverbindung besteht.

Im Communication Layer schließlich sieht das Verfahren zunächst wie eines der unzähligen Self Scanning Verfahren aus. Der gescannte QR-Code enthält aber nicht wie sonst üblich die Transaktionsdaten des Bezahlvorgangs, sondern die Telefonnummer des kesh Teilnehmers mit welcher man für die Teilnahme am Verfahren registriert ist.

Das Scannen des QR Codes ist daher auch nur einmalig notwendig. Danach kann man den Händler unter den Favoriten ablegen. Bei weiteren Einkäufen kann das Geld direkt an das gespeicherte Händlerkonto gesendet werden. Das heißt aber auch, dass der Händler bei kesh generell keine auf den Einkauf referenzierten Zahlungseingänge erhält sondern diese manuell zuordnen muss. Für kleine Händler mit nur einer Kasse kein Problem. Für einen Baumarkt mit 10 Kassen an 3 Eingängen ist kesh in dieser Form dann aber noch nicht geeignet. E-Commerce Zahlungen sind dagegen gut möglich weil man mit der Zahlung auch eine Nachricht (z.B. den Verwendungszweck) senden kann.

Fazit

kesh macht insgesamt einen wertigen Eindruck. Dies spiegelt sich auch in der sehr ansprechend gestalteten App wieder (siehe Screenshot). Sowohl die Aufladung als auch alle Bezahlprozesse liefen sehr performant und stabil. Für den Einsatz im Retail bei großen Händlern mit mehreren Kassen braucht es noch Erweiterungen.  Insbesondere eine automatische Kopplung zwischen Zahlung und Kassensystem, wäre aus Händlersicht wünschenswert.

Derzeit liegen die Stärken beim Einsatz von P2P Zahlungen, kleineren Händlern und im Gastronomie Bereich. Zusammen mit der XCOM AG(Besitzer der biw AG) dürften aber Erweiterungen kein Problem darstellen. Zur CeBIT wurde schon mal gezeigt, wie eine Transaktionsabsicherung von großen Zahlbeträgen mit dem nPA (neuer Personalausweis) bei kesh erfolgen kann.

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Über Rudolf Linsenbarth 94 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

2 Kommentare

  1. In der Theorie ist die App gut, aber in der Praxis ist sie vor allem eines, nämlich sinnlos.

    Hier in der Region gibt es keinerlei Einsatzmöglichkeiten und die Macher bemühen sich nicht mal große Firmen oder Online Portale ins Boot zu ziehen, man wird auf der Facebook Seite nur hingehalten und dann gesperrt.

    Seriöse Unternehmen sollten eigentlich anders mit Kritik umgehen. Ich habe die App nur, weil ich sie leider für Cosboo brauche, sobald das weg fällt, lösche ich die App sofort wieder.

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