Mobile Payment – das Karussell nimmt wieder fahrt auf

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Yapital und Click&Buy haben sich mit einem lauten Knall vom Mobile Payment verabschiedet. Wer geglaubt hatte, dass jetzt erst mal Ruhe einkehrt, sieht sich getäuscht. Unvermindert drängen neue Player auf den Markt und die Alten feilen an neuen Konzepten.

Paypal

Paypal wird Teil der Vodafone Wallet, verkündete das Mobilfunkunternehmen Anfang Februar. Hier kooperieren zwei Partner, die beide an das Projekt Mobile Payment glauben, aber alleine nicht genügend Durchschlagskraft haben. Vodafone benötigt einen Partner zur Zahlungsabwicklung und hat jahrelang ohne sichtbaren Erfolg um die Banken geworben. Paypal hingegen besitzt eine große Kundenbasis und Kompetenz im Zahlungsverkehr, verfügt aber nicht über eine geeignete Technologie um Zahlungen am physischen abwickeln zu können.

Für Paypal ist das Zusammengehen nicht Liebe auf den ersten Blick. Lange stand das Unternehmen als Basistechnologie für das Mobile Payment ablehnend gegenüber. Ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass Osama Bedier genau wegen dieser Haltung PayPal verlassen hatte, um anschließend bei einem anderen Internet Giganten Google Wallet aus der Taufe zu heben. Entnervt durch viele Fehlversuche, unter anderem mit QR-Codes, sowie dem bedrohlichen Heranrücken von Apple Pay, hat sich PayPal nun doch entschieden die Blockadehaltung beim Thema aufzugeben. Als zu groß schätzt man wohl die Gefahr ein, bei diesem Thema den Anschluss zu verlieren.

Girocard Kontaktlos

Dass die Mobilfunkunternehmen auch weitere Optionen haben, zeigten sie dann auf der CeBIT. Girocard Kontaktlos ein Produkt, das derzeit im Wesentlichen die Volks- und Raiffeisenbanken treiben, wurde in den Wallets von Telekom und Vodafone präsentiert. Hier haben die Telkos einen echten Vorsprung. Apple, Google und Co. interessieren sich nicht besonders für nationale Bezahlprodukte im „nur“ zweistelligen Millionenbereich.

Immer klarer wird auch das Mobile Payment Konzept von . Es wird wohl auf QR Codes basieren, die vom Handy abgescannt werden. DM und Rewe haben ihre Kassen dafür bereits umgerüstet. Ein Erfolg scheint absehbar. hat derzeit über 27 Mio Kunden, davon nutzen ca. sieben Millionen bereits eine App, um ihre Punkte zu verwalten. Erwartet wird, dass davon zwei Millionen in 2016 zu Pay konvertiert werden. Eine realistische Größenordnung! Die Kunden sammeln Punkte und der Bezahlvorgang ist darin integriert. Für die Banken besonders bitter, Apple Pay führt nur zu einer Abschwächung der Kundenbeziehung, das Kreditkartengeschäft bleibt erhalten. dagegen macht Nägel mit Köpfen und stellt gleich auf Lastschrift um.

Stocard

Mittlerweile hat auch Stocard, ein App Anbieter zur Virtualisierung von Kundenkarten, den Hut in den Ring geworfen. Mit einer Kapitalspritze von über vier Millionen Euro will man die über sieben Millionen Nutzer nun monetarisieren. Von einem der größten Mobile Payment Anbieter Europas ist gar die Rede. Während man es vor zwei Jahren mit einer Bezahlfunktion noch nicht eilig hatte, gibt es jetzt alles nur in großen Scheinen! Die zahlreichen Venture Capital Investoren hören das bestimmt gerne. Prominent vertreten ist Carsten Maschmeyer mit seiner Beteiligungsgesellschaft Alstin. Maschmeyer ist überdies mit dem iPad Kassensystem Orderbird bereits im Zahlungsverkehr aktiv.

Apple Pay und die Schweiz

Immer dabei, ein „Weißer Elefant“ mit dem Namen Apple Pay. Besonders gut zu zeigen am Beispiel Schweiz. Die Swissom hat ihr NFC Mobile Payment Tapit zu Gunsten einer Lösung im Verbund mit den Banken und dem Zahlungsdienstleister Six aufgegeben. Die Schweizer Post will auch ein eigenes Mobile Payment namens Twint forcieren. Statt NFC kommt hier an den Kassen des Referenzkunden Coop zum Einsatz. Sowohl Twint als auch Paymit würden zwar gerne NFC einsetzen, sehen das aber als zwecklos an, so lange Apple die Schnittstellen blockiert. In der Schweiz liegt der Marktanteil des iPhone bei über 50 Prozent. Man könne dort kein Mobile Payment anbieten, welches das Smartphone mit dem Apfel Logo ausschließt.

Der Handel

Der Handel ist für jede Initiative dankbar, die ihm die Lastschrift als kostengünstiges Bezahlverfahren erhält. Erfährt er doch seit Jahren, dass den sinkenden Gebühren im reinen Zahlungsverkehr ein immer größer werdender Kostenblock im Bereich Kundenbindung gegenüber steht. Apple Pay wäre dann aus Handelssicht der Super-Gau. Kreditkartengebühren und gesalzene Preise für Apple Coupons.

Beitragsbild: Shutterstock

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

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