Mobile Startups Insights – Native App oder HTML5?

HTMLvsNative

Wir freuen uns sehr über den nächsten Artikel in unserer Reihe “Mobile Insights”. Heute geht es um das Thema Native App vs . Softwareentwickler Alexander Kohout erläutert die Vor- und Nachteile der beiden Technologien. Für Gründer ist es enorm wichtig, sich im Vorfeld intensiv Gedanken über diese Thematik zu machen um sich für den besten Entwicklungsansatz zu entscheiden. Der Artikel bietet einen guten Leitfaden um die relevanten Aspekte von Native App vs zu beleuchten:

Die Grundproblematik bei Mobile

Jedes Startup-Team mit einer Idee für eine Mobile App steht am Beginn vor folgender Problematik: Für welche mobilen Plattformen wollen wir unsere App auf den Markt bringen? Mit , , Windows OS und anderen Plattformen stehen Gründern unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Strategisch gesehen sollten die Plattformen mit dem größten Marktanteil und hohen Nutzerwachstum bedient werden.

Aus technischer Perspektive ist es jedoch auch möglich, von Beginn an alle Plattformen zu bedienen. Die entscheidende Frage ist hierbei, welche Technologie für die Umsetzung der App verwendet wird: “Reicht” eine App basierend auf HTML5 aus oder soll es eine Native App sein? Genau diese Frage soll in diesem Artikel beleuchtet werden und Gründern eine Hilfestellung bieten.

Was ist HTML5? Was ist Native?

HTML5 bezeichnet einen Standard, der die Grundlage für die Erstellung moderner Websites bildet. Da jedes auch einen zum Surfen anbietet, unterstützt jedes Gerät automatisch auch den HTML5 Standard. Durch diese Begünstigung ist es heutzutage möglich, Apps mit Hilfe von Web-Technologien zu entwickeln.

Der Vorteil bei der Sache: Der HTML5-Code muss nur einmal geschrieben werden und ist direkt auf allen mobilen Betriebssystemen (iOS, Android, , , etc) einsetzbar. Im Gegensatz hierzu müssen Native Apps speziell für jedes Betriebssystem entwickelt werden. Der Code ist in diesem Fall auf die jeweilige Plattform abgestimmt und funktioniert dementsprechend auch nur auf einer Plattform.

Nach diesem kurzen technischen Exkurs sollte die Entscheidung eigentlich klar zugunsten von HTML5 ausfallen. Eine App die auf allen Plattformen nutzbar ist ermöglicht eine höhere Reichweite in einer kürzeren Entwicklungszeit.  Zudem besteht bei Native Apps die Problematik, dass man für jede Plattform einen Entwickler mit entsprechender Kompetenz benötigt.

Kompetenz, Funktionsumfang und als Kernfaktoren

Leider ist die Entscheidung pro oder contra einer HTML5 App nicht ganz so einfach. Zunächst einmal kommt es auf die Erfahrung und Kompetenzen der Entwickler an, die die App umsetzen sollen: Hat der Entwickler viel Erfahrung mit Web Technologien, und womöglich auch schon mit HTML5 Apps? Hat er Erfahrung in der Erstellung nativer Apps und wenn ja, für welche Plattformen?

Die Beantwortung dieser Fragen gibt einem dann schon einmal eine gute Richtung vor – die entscheidendere Frage ist jedoch “Welchen Umfang soll meine App haben?”.

Dazu ist zunächst wieder ein kleiner technischer Exkurs notwendig. Native Apps haben den Vorteil, dass sie auf Funktionalitäten des Gerätes (vergleichsweise) einfachen Zugriff haben und die Oberflächenelemente des Systems zur Erstellung von Benutzeroberflächen nutzen können. Mit Gerätefunktionalitäten sind beispielsweise das Ansteuern der und das Starten integrierter Anwendungen wie E-Mails oder Maps gemeint. Native Apps haben hier zwei Vorteile:­

  1. Die Oberflächenelemente des Systems sorgen dafür, dass die App gut ins System integriert ist (da es die gleichen Elemente nutzt wie das Betriebssystem selbst)
  2. Der einfache Zugriff auf Gerätefunktionalitäten bildet einen Entwicklungsvorteil (wie wir gleich sehen werden)­

HTML5 Apps sind, wie bereits erwähnt, einfach nur Webseiten, welche innerhalb eines App Containers geladen werden müssen. Und da sie eigentlich nur Webseiten sind, hat die Webseite keinen Zugriff auf Funktionalität oder Bedienelemente des Systems – die HTML5 App muss sich um vieles selber kümmern.

Dabei ist neben dem Zusatzaufwand für Look & Feel weiterer Aufwand notwendig um auf einfache Funktionalitäten, wie zum Beispiel das Verarbeiten einer Push Notification, entsprechend zuzugreifen. Für alle diese Probleme gibt es eine Vielzahl an Frameworks und Bibliotheken, welche einem hier Arbeit abnehmen. Manche für viel Geld, vieles aber auch bereitgestellt als Open-Source Lösung von der sehr großen Web-Entwickler . Hier ist der Entwickler jedoch von der abhängig, und nicht von den Herstellern des Betriebssystems selbst.

Umfangreiche Apps eignen sich nicht für HTML5

Kommen wir also zurück zur Frage “Welchen Umfang soll die App haben?”. Ist es vielleicht nur eine kleine Webseite, die zusätzlich als App verfügbar sein soll? Und wenn nicht, wie kompliziert wird das User Interface? Besteht es nur aus einzelnen wenigen Seiten oder sehr vielen? Welche Animationen soll der Benutzer sehen? Ist die App eher ein Informationskanal, oder gibt es viele Interaktionsmöglichkeiten für die Benutzer?

Je komplizierter und umfangreicher die App wird, desto eher verschwinden die Vorteile einer HTML5 App. Der Zeitvorteil sinkt, da Zusatzaufwand betrieben werden muss, um Look & Feel und Funktionen der Plattform für die App zur Verfügung zu stellen. Erschwerend hinzu kommt, dass es an Tools für den Entwickler fehlt, um seine Programmierung vernünftig zu analysieren. Im Gegensatz zu nativen Apps, wo die Hersteller meist ausgezeichnete Debugging- und Analyse-Tools zur Verfügung stellen, ist der HTML5 App Entwickler meist noch auf seinen Browser beschränkt.

Weiteres Ärgernis für HTML5 Entwickler dürfte zusätzlich die Android-Plattform sein: Da Android im Gegensatz zu iOS, Windows Phone und Blackberry auf einer ganzen Palette von unterschiedlichen Geräten und Displaygrößen läuft, muss der Entwickler hier viel Test- und Entwicklungsaufwand betreiben. Dieser Aufwand ist für HTML5 Apps deutlich größer als für den Entwickler einer nativen App.

Es sollte an dieser Stelle klar geworden sein, dass die Beantwortung der Frage nach Native App oder HTML5 alles andere als trivial ist. Sie ist abhängig von einer Reihe von Faktoren, und bevor sich das Team für eine Richtung entscheidet, sollten alle Vor- und Nachteile offen diskutiert und erörtert werden. Generell gibt es selten ein richtig oder falsch bei der Auswahl der Technologien. Für ein Startup ist es aber wichtig, alle Fallstricke früh zu erkennen und einzuplanen.

Alexander Kohout ist selbständiger Softwareentwickler und hat Informatik an der Universität Kassel studiert. Seit Januar 2013 ist er CTO bei einem Startup im Mobile-Bereich und im wesentlichen für die IT-Strategie und App-Entwicklung zuständig.

Wer Interesse hat, über seine eigenen Gründungserfahrungen zu berichten, kann sich gerne an uns wenden. Schickt uns einfach eine E-Mail an: startups@mobile-zeitgeist.com.

Bisher erschienen in unserer Mobile Startups Insights Reihe:

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Über Manuel Jaeger 7 Artikel

Manuel ist Mitgründer von krittiq, eine soziale Empfehlungsapp für Filme, Serien und Bücher. Vor krittiq studierte er Industrial Engineering an der University of Cambridge.

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