Digitalisierung macht ernst: Alibaba sprengt traditionelle Handelsstrukturen

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 Schon das folgende Zitat aus dem Handelsblatt-Artikel (2.1.2019) macht deutlich, wohin die Reise geht:

„Der Angriff von dagegen ist generalstabsmäßig vorbereitet. Das Unternehmen hat sein globales Handelskonzept eng mit seinem Logistikdienstleister Cainiao verknüpft.

Mit Cainiao verfolgt Alibaba das Ziel, Bestellungen aus China innerhalb von 24 Stunden und in anderen Teilen der Welt innerhalb von 72 Stunden auszuführen. Eine gewaltige Vision: Pakete sollen weltweit spätestens innerhalb von drei Tagen vom Produzenten zum Käufer geliefert werden.“

Wie die Entwicklung der zeigt (vgl. ZDF-Reportage), wird dieses Vorhaben nicht nur gelingen, es wird in atemberaubender kurzer Zeit realisiert werden. Viele Händler, die in die Zukunft investiert haben und glauben und hoffen nun Digitalisierungspionier zu sein, werden gnadenlos disruptiert. Kein Einzelkämpfer wird die genannten Zeiten hinbekommen. Wahrscheinlich werden sich nun Einige damit trösten, dass ein Frachter (aus China??) massenhaft Container verloren hat und ihr Einzelkämpfer-Konzept als die Lösung anpreisen. Ausfälle wird es immer geben, auch bei den Einzelkämpfern. Sogar im Gegenteil: Alibaba wird mit seinem Konzept recht schnell auf Widrigkeiten reagieren können. Amazon hat dies im Vorweihnachtsgeschäft deutlich gemacht: Die Streiks verpufften, weil Amazon in Netzwerken denkt und auch so handelt. Von Jahr zu Jahr werden sie autarker und bestimmender. Streiks passen einfach nicht mehr in diese vernetzte Welt. Dies verschlafen zu haben, müssen sich die Gewerkschaften anrechnen lassen. Auch ein sich anbahnende Giganten-Kampf (Amazon vrs. Alibaba u.a.) sollten uns nicht in Sicherheit wiegen: Sie werden sich gegenseitig technologisch noch schneller in ungeahnte „Höhen“ katapultieren.

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Die Brisanz der Lage zeigt die sinkende Produktivität in den westlichen Industrieländern – auch in Deutschland – auf. Ist sie zwischen 1996 und 2006 jährlich noch um ca. 1,7 % gestiegen, stieg sie in den Jahren 2007 bis 2017 nur noch um 0,7 %/Jahr. 2018 dürfte sie sogar noch niedriger ausgefallen sein. Im Vergleich dazu beträgt der Produktivitätszuwachs in China aktuell ca. 7 %. Geschätzt wird, dass sie bis 2030 auf 5,5 % fallen wird Der Unterschied ist gewaltig, gewaltig gefährlich für uns.

Wir müssen uns auf tiefgreifende Veränderungen einstellen. Diese werden sich in den nächsten fünf Jahre realisieren. Wen wird es treffen? Natürlich die gesamten Elektronikmärkte. Dies zeigte ja das aktuelle Weihnachtsgeschäft schon deutlich. Natürlich auch der BtB-Bereich. Sogenannte Verbundgruppen werden gnadenlos disruptiert. Sie sind einerseits zu groß, zu abgeschottet, andererseits wiederum zu klein. Diese „In-Between“-Situation ist die Falle, die recht schnell zuschnappt. Ihre Kostenstrukturen passen nicht mehr, ganz im Gegenteil sie sind nicht mehr wirtschaftlich. Klassische Importeure werden ihre Alleinstellungsmerkmale verlieren, die hohe Vernetztheit die durch Alibaba und Co. geschaffen wird, schafft eine ebenso hohe Produkttransparenz. Wer wird überleben? Kleine, sehr agile Händler, die mit den großen Playern -wie eben Ablibaba – kooperieren, die dadurch schnell und wendig werden. Ihr Vorteil ist, dass die Personalintensität rapide und signifikant sinken wird, gleichzeitig können sie ihr Sortiment ausbauen. Die oft ins Feld geführte Beratungsintensität wird an Relevanz verlieren, da diese teilweise digitalisiert werden kann. Für den restlichen Beratungsbedarf werden sich die Händler vernetzen, es wird neue Allianzen geben.

Man kann dem Handelsblatt nur zustimmen, dass diese Entwicklung ein „Weckruf“(3.1.2019) für Europa, für Deutschland sein sollte. Wir brauchen in Deutschland mehr „Speed-Unternehmen“, also Industrie 4.0-Unternehmen. Wir müssen sehr schnell die Prozesse verbessern. Konkret: schneller werden und mit Sicherheit auch fleißiger.

Quelle: IFCC GmbH

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