Bezahlen über die Handynummer – Provider Payment im Praxistest

Parkscheibe

Eine knappe Woche habe ich dem Thema Provider Payment gewidmet und getestet. Beim sogenannten Provider Payment erfolgt die Zahlung über die Mobilfunkrechnung. Die Mobilfunknummer fungiert dabei als Authentifizierung, die zugesendete TAN als Legitimation der Transaktion. Letztere fällt oftmals bei Einkäufen direkt vom Smartphone, wie z.B. im Store,weg. Eingesetzt wird dieses Bezahlverfahren seit vielen Jahren vor allem beim Vertrieb von Handyspielen oder Klingeltönen. Aber nicht nur, so lassen sich in einigen Städten in Deutschland Parktickets über Provider Payment abrechnen. Größerer Beliebtheit erfreut sich dieses Zahlungsverfahren heute vor allem beim Kauf digitaler Inhalte wie z.B. Zeitungsartikel.

Anders als bei meinem Test zum Thema Mobile Payment im stationären Handel, kam dieses Mal niemand zu schaden und alles hat weitestgehend funktioniert. Ende der Geschichte.

Ohne Pointe. Das Bezahlen hat meist tadellos funktioniert und es wurde in meinem Fall immer korrekt abgerechnet. Obwohl es im Netz auch Berichte von Anwendern gibt, die andere Erfahrungen gemacht haben, kam es in meinem Test zu keinerlei Problemen (und ich hoffe es bleibt auch im Nachgang so).

Alles gut?

Das Verfahren funktioniert technisch gesehen einwandfrei. Es gibt nichts daran auszusetzen. Aber wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. So auch beim Provider Payment.

Immer wenn ich meine Handynummer zum Bezahlen eingeben sollte, fühlte ich ein Unbehagen. Zugegeben, ein subjektives Gefühl, aber auch eine Umfrage im Freundeskreis bestätigte das. Das Hauptargument gegen das Bezahlen mit der Handynummer war die Tatsache, dass die Handynummer als etwas sehr persönliches betrachtet wird. Es schwingt die Angst mit, dass unberechtigte Beträge in Rechnung gestellt werden. Insgesamt ein Problem bei diesem Bezahlverfahren. Dass diese Angst nicht ganz unberechtigt ist, sieht man auch an der Änderung im deutschen Telekommunikationsgesetz, die den Verbraucher mit der sogenannten Drittanbietersperre vor unberechtigten Transaktionen schützen soll. Einmal aktiviert, können keine Zahlungen mehr über die Mobilfunkrechnungen abgewickelt werden – es sei denn man lässt die Sperre wieder aufheben.

Ist keine solche Sperre aktiv,erfolgt die Abrechnung von Käufen zusammen mit der Mobilfunkrechnung. Bietet der Mobilfunkanbieter keinen Zugang zu den Verbindungsdaten, muss man bis zum Ende einer Abrechnung warten, um zu sehen, ob der Betrag korrekt von der Mobilfunkrechnung abgebucht wurde.

Vertrauen fehlt

Der Vorteil vom Provider Payment liegt in der Einfachheit und der Verfügbarkeit des Verfahrens. Egal ob ein Smartphone oder ein alter -Knochen, Provider Payment funktioniert fernab von QR-Code oder . Aber beim Bezahlen geht es um mehr als Technik. Hier spielt Vertrauen eine essentielle Rolle.

Die etablierten Anbieter von Bezahlverfahren haben dieses Vertrauen über viele Jahre aufgebaut – mal mehr, mal weniger. Das Bezahlen mit Provider Payment gleicht verglichen damit einem schwarzen Loch. Es gibt keinerlei Kommunikation, keinen Ansprechpartner, kein einheitliches Bild nach Außen oder Hinweise wo man überhaupt überall mit dem Provider Payment zahlen kann. Hier fehlt schlichtweg eine übergeordnete Instanz als Schnittstelle zum Kunden . Für jedes andere Bezahlverfahren gibt es eine Art der Wiedererkennung und sei es in Form eines Logos. Es verwundert schon, dass es beim Provider Payment nichts dergleichen gibt. Dementsprechend fehlt auch ein Kundenportal, in dem alle Einkäufe aufgelistet sind, eine Rufnummer für Provider-Payment gesperrt werden kann oder Limits vergeben werden können. Dazu eine App für das Smartphone als Pendant für das Kundenportal. Ein übergeordnetes, einheitliches , nicht wieder eine neue Insellösung. In Anbetracht der Tatsache, dass das Provider Payment in keinem so gutem Licht dasteht was das Thema Vertrauen anbetrifft, ein essentielles Versäumnis.

Fazit

Provider Payment oder Handypayment funktioniert technisch gesehen einwandfrei, ist schnell und in der Handhabung einfach. Aber es fehlt eine Marke, ein Gesicht nach außen. Es gibt keinen sichtbaren Ansprechpartner, kein Kundenportal oder Support im Problemfall. Der gezahlte Betrag ist weg, der Zahlungsabwickler agiert unsichtbar im Hintergrund. Diese fehlende Personalität ist es, was das Bezahlen über die Mobilfunkrechnung schwierig erscheinen lässt. Auch sollten Anbieter von Provider Payment einen einheitlichen Standard und eine einheitliche Kommunikation aufsetzen, um Verbraucher so vor möglichen Missbrauch zu schützen und die Vorteile des Verfahrens aufzuzeigen.

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Über Maik Klotz 23 Artikel
Maik Klotz ist Head of New Business bei einem der größten Software Anbieter in Deutschland mit Schwerpunkt auf mobile Apps im Bereich Finanzen. Seine Stationen sind vielfältig: Produktmanager, Business Development Manager, Design Strategist und CEO. Maik Klotz ist ein Produktmensch, mit Fokus auf den Anwender.

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