Apple Pay – Gewinner und Verlierer

ApplePay

Mein erster Artikel hier auf mobile zeitgeist vor knapp zwei Jahren befasste sich mit dem Wallet War. Die damalige Voraussage war, dass für ein lukratives Geschäftsmodell sucht. Apples Ambitionen im speziellen habe ich in dem Beitrag, Mobile Payment auf dem Apfelweg analysiert. Apple hat zwar nicht wie von mir vorgeschlagen, den kleinen Schalter an der Seite zur Kontrolle von NFC verwendet. Der Fingerabdrucksensor ist aber ein viel cooleres Feature.

Die Lösung aus Curpertino lautet nun Apple Pay und verlängert das Apple Geschäftsmodell von und nahtlos in die Finanzwelt. Apple ist jetzt im Besitz einer weiteren Goldmine und anscheinend der große Gewinner in diesem Milliardenpoker. Unwillkürlich steht nun die Frage nach den Verlierern im Raum. Hier beginnt nun ein lustiges Spiel. Einige Blogger zeigen auf die Banken, diese verweisen auf die Startups und von dort geht der Zeigefinger zu den Mobilfunkunternehmen. Kurzum es ist wie nach einer Wahl, verloren hat keiner.

Gibt es hier wirklich Verschiebungen, und wenn ja zu wessen  Gunsten? Einige Antworten dazu findet man in meinen weiteren bereits erschienen Artikeln. Im Prinzip hat sich ja durch Apple Pay nichts grundlegend Neues ergeben. Es wurden nur einige Bausteine geschickt miteinander kombiniert.

Mobile Payment ohne NFC wird es schwerer haben!

Das gilt besonders für die zahlreichen Startups, aber auch für . Die kontaktlos Technologie hat mit den Banken, Mobilfunkunternehmen und jetzt auch Apple bedeutende Unterstützer. Bei jedem anderen Übertragungsverfahren muss der Handel überzeugt werden, zusätzliche Integrationen am durchzuführen. Das geht nur über den Preis und der zeigt sowieso schon gen Süden.

Mobilfunkunternehmen unter Druck?

Vielfach höre ich die MNO’s werden die großen Verlierer sein. Sind sie das wirklich? Für die Telkos war auch vor Apple Pay auf dem kein Blumentopf zu gewinnen. Daran hat sich nichts geändert. Was aber wenn andere Hersteller dem Beispiel Apples folgen? In der Welt kontrolliert das Betriebssystem und nicht die Hersteller. Eine Integration a la Apple dürfte erheblich schwieriger werden. Letztendlich werden die Hersteller auch wissen, ihr wichtigster Vertriebsweg sind die Mobilfunkunternehmen. Ob man denen wirklich vor das Schienenbein treten will? Samsung hat ein Apple ähnliches Modell vor 1,5 Jahren in Barcelona vorgestellt, zögert aber damit an den Markt zu gehen. Kurzum die Mobilfunker werden ihren Anteil in einem extrem wettbewerbsintensiven Markt behaupten. Alles weitere hierzu habe ich in meinem Beitrag  „Wem gehört der Kunde“ geschrieben.

Banking is important –Banks are not?

Apple Pay wird in diesem Jahr wohl nicht mehr in Europa starten. Trotzdem betrachte ich hier nur den europäischen Markt im Allgemeinen und den deutschen im Speziellen. Apple Pay läuft nicht mit der Girocard, dem „Payment Flaggschiff“ der Deutschen Kreditwirtschaft. Neben Apple wollen also auch VISA, und AMEX bei Apple Pay einen Schluck aus der Pulle. Der Interchange, also der Anteil einer Kreditkarten Transaktion der für die Banken übrig bleibt wird gerade durch die EU gedeckelt. Wenn Apple jetzt den kolportierten Anteil von 0,15 % des Umsatzes aufruft, liefern die Banken nahezu ihren kompletten Gewinn in Cupertino ab. Da könnte man meinen, dass die Banken sich diesem Angebot komplett verweigern werden. Aber ein geschlossenes Vorgehen ist zurzeit nicht die große Stärke der Banken. Das sieht man auch bei anderen „Gemeinschaftsprojekten“ im Zahlungsverkehr. Einen Neukunden bewerten viele Banken mit mehreren hundert Euro. Da werden einige der Versuchung erliegen sich hier über Apple Pay einen USP zu sichern. Eigene Initiativen im Mobile Payment erwarte ich kurzfristige nur von sehr wenigen Banken. Die anderen können sich freuen, dass mit den Mobilfunkunternehmen neben Apple Pay ein wettbewerbliches  Korrektiv im Markt vorhanden ist.

Rückblickend habe ich nicht nur die eigenen Artikel gecheckt, sondern auch die der anderen mz Autoren und finde wir lagen mit unseren Einschätzungen sehr gut. Thematisch geordnet findet man sie in unserem Mobile Payment Dossier.

…und wem unsere Artikel gefallen der möge uns weiter empfehlen. Wir arbeiten daran unseren Lesern einen Wissensvorsprung zu vermitteln.

Damit Sie auf jeden Fall zu den Gewinnern beim mobile Payment gehören!

Avatar for Rudolf Linsenbarth
Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

2 Kommentare

  1. Apple Pay funktioniert nur mit der Hardware der sechsten iPhone-Generation oder der Apple Watch, wenn die dann im Frühjahr 2015 ausgeliefert wird (und an ein iPhone 5, 5s oder 5c gekoppelt ist). Damit hat Apple nur in den USA und Japan die kritische Masse am Markt, um für Partner im Handel interessant zu sein. In Europa liegt der Marktanteil bei ca. 20% inklusive der iPhone 4 und iPhone 5-Verkäufe. Es läuft wie beim Mac und Windows: Apple hats erfunden, die anderen kopieren die Idee und rollen den Markt auf. Ausführlich erklärt hier: http://www.tamms-corner.de/index.php/2014/09/apple-pay-vs-marktanteil-kann-das-funktionieren/

1 Trackback / Pingback

  1. geistreich Payment News: Klarna, Protected Shops und mediafinanz, VISA, cashcloud

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*