App Battles: Spiegel gegen Focus

app battles

Vorletzte Woche haben wir in der Serie App Battles zwei Nachrichtensender gegeneinander antreten lassen. Diese Woche sehen wir uns die mobilen Ambitionen der beiden führenden deutschen Nachrichtenmagazine an.

Gut recherchierte Berichte zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Kultur und Gesellschaft gehören für einen großen Teil der Bevölkerung zur täglichen Lektüre. Die Marken Spiegel und Focus haben sich in Deutschland als dominante Anbieter etabliert, ein klassisches Two-Horse-Race.

Obwohl beide Marken ihren Ursprung in wöchentlichen Formaten haben, ist tagesaktuelle Information heute unerlässlich. Kein Wunder, wenn beide Marken konsequent starke Positionen im Web erobert haben.

Marktanteile Print

Der Spiegel gehört der Verlagsgruppe Spiegel Verlag; die verkaufte Printauflage lag in Q1 2012 bei 933.000 Exemplaren. Der Focus gehört zum Verlagsgruppe Hubert Burda Media; die Auflage lag bei 541.000 Exemplaren. Der Spiegel liegt im Print mit 63% Marktanteil klar vor dem Focus. Verschiebungen im Marktanteil gab es in den letzten beiden Jahren nicht. Im Gegensatz zum stark rückläufigen Markt der Tageszeitungen ist der Absatz bei den beiden Zeitschriften nur leicht rückläufig – in den letzten Jahren ging die Auflage bei beiden um knapp 8% zurück.

Marktanteile Desktop Web

Im Desktop Web verzeichnen beide Brands rasantes Wachstum. Die Marktverteilung sieht wesentlich ausgeglichener aus: der Spiegel führt mit 52% Marktanteil nur leicht. Laut AGOF hatte Spiegel Online im Januar knapp 11,3 Millionen Unique User. Der Focus kam auf 10,4 Millionen Uniques. Fazit: der Focus konnte seine Marke im Web deutlich erfolgreicher positionieren können als im Print.

Sehen wir uns mal die mobilen Zahlen an. Hier hilft uns wiederum die Studie Mobile Facts 2011, welche die monatliche Nutzung von mobile Sites, und Apps auswertet und publiziert.

 

Nutzungsgrad und Markanteile mobile

Der Anteil mobiler Nutzer des digitalen Angebots ist bei beiden Medien erfreulich hoch. Der Spiegel kommt auf 16,4% mobile Nutzer des digitalen Angebots. Unter den Printmedien ist der Spiegel damit weit vorne – nur BILD liegt noch besser. Der Focus kommt mit 10 Prozent immerhin auf einen sehr gesunden mobile Traffic-Anteil – der Durchschnitt der Teilnehmer der AGOF-Studie liegt bei 8,8 Prozent.

Der Spiegel erreicht jeden Monat 2,2 Millionen mobile Nutzer. Das sind doppelt so viele wie beim Focus, der gerade mal 1,1 Millionen Nutzer erreicht. Gerade angesichts der Parität im Web ist das frappierend – man sollte annehmen dass der Focus es schafft, seinen Marktanteil im digitalen konsequent auf mobile Endgeräte zu übertragen.

Um die Ursachen für diese Verschiebung zu ergründen ist ein tieferer Blick in die Details notwendig.

App-Strategie

Beide Anbieter haben für die Mobile Facts Messung neben der mobilen Site sowohl iPhone App als eine Android ins Rennen geschickt. Der Spiegel reklamiert zwei Drittel der mobilen Nutzer für sich. Bei iPhone Nutzern sind es gar 71%.

Neben Apps haben beide Anbieter seit 2011 eigene Apps im Portfolio.

 

Der Spiegel bietet neben der Spiegel Online App auch eine eReader App, mit der die kompletten Inhalte der aktuellen Print-Ausgabe gekauft und genutzt werden können; die Spiegel Online-App bietet nur ein Subset an Informationen.

Die eReader-App war bis Anfang April 2011 die einzige Spiegel App im und konnte eine gute Position im behaupten. Sie lag auf Rang 10, lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der kostenlosen Focus Online App. Dann kam ein jäher Absturz auf Rang 40 der News Apps.

Geld, Kannibalismus und Mord – ein echter Krimi

Die Ursache? Die Einführung der kostenfreien Spiegel-Online App. Kannibalisierung der Bezahl-App, um mit der kostenlosen App mehr Reichweite zu erlangen. Was die Steigerung der Reichweite betrifft ein großer Erfolg: die Spiegel Online App belegt heute Rang 2-3 bei den News Apps.

Die Focus App geriet mit Einführung der Spiegel Online App zunehmend unter Druck, sie rutschte bis Mitte April auf Rang 20 ab. Dann wurde die App – ein Werk der Cellular – gekillt. Am 21. April erfolgte der Launch einer komplett neuen App, Focus Online 2.0. Die liegt zur Zeit auf Platz 1 – vor der Spiegel App. Wie sie sich dauerhaft hält, bleibt abzuwarten; das Gesamtranking im App Store – Reflektion der täglichen Downloads – geht gerade deutlich zurück.

Mobile Web

Bei den Teilnehmern der mobile Facts macht der mobile Web Traffic durchschnittlich 6,7 Prozent der gesamten Web-Nutzer aus. Vorreiter erreichen gar bis zu 16 Prozent ihrer Nutzer mobil. Beide Nachrichtenmagazine schlagen sich gut: der Focus kommt auf solide 8,2 Prozent mobile Nutzer. Der Spiegel kommt auf stolze 13,2 Prozent – einer der drei Anführer, nur BILD und Vodafone können mehr vorweisen.

Fazit

Der Focus hat eine solide mobile Strategie. Der Relaunch der iPhone App zeigt, daß man beim Focus die mobile Position im Auge hat und wenn notwendig die Konsquenzen zieht. Es bleibt spannend abzuwarten, wie sich die Umsetzung weiter entwickelt.

Der Spiegel liefert ebenfalls eine solide mobile Strategie: er ist ein herausragendes Beispiel, wie eine mobile Strategie konsequent umgesetzt wird. Daran möge sich mancher deutsche Brand ein Beispiel nehmen.

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Über Martin Lawrence 14 Artikel

Martin Lawrence ist Senior Produktmanager bei telegate MEDIA (vormals klickTel). Hier ist er für die Entwicklung der Portale und mobilen Anwendungen verantwortlich. Seit 10 Jahren im Thema Internet. Seit fünf Jahren mit Fokus auf Consumer-Anwendungen. XING.

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