Studie: Die Deutschen und ihre mobile Internetnutzung

mobile internetnutzung

Diese Woche wurde der D21-Digital-Index, bisher bekannt als (N)Onliner Atlas, veröffentlicht und wir schauen natürlich nach, wie die mobile Internetnutzung beschrieben wird. Diese Untersuchung, die im Frühjahr dieses Jahres mit mehr als 30.000 Befragungen von über 14-Jährigen erfolgte, ist die umfassendste Studie zur Webnutzung in Deutschland.

Der D21-Digital-Index bildet eine Messgröße für den Digitalisierungsgrad Deutschlands. Er basiert auf über 200 Einzelinformationen, die sich in vier große Themenbereiche zusammenfassen lassen: Zugang, Nutzungsvielfalt, Kompetenz und Offenheit.

Wir greifen einige der beschriebenen Aspekte heraus, die wir bemerkenswert fanden.

Offenheit

Gefragt nach ihren Einstellungen zur digitalen Welt, geben 58 Prozent (2014: 60%) der Befragten an, zuerst im Internet nach Informationen zu suchen. Kontakt mit Menschen (29 Prozent) sowie berufliche Flexibilität (28 Prozent) sind Nutzen, die erkannt werden. Möglicherweise ist dies der Grund, warum mittlerweile 45 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass digitale Medien stärker in den Unterricht integriert werden sollten. Ein weiterer Grund kann sein, dass ein Viertel bei der Nutzung digitaler Geräte das Gefühl von mangelnder Kompetenz erlebt (27 Prozent). Jeder Fünfte versucht, den Internetkonsum zu drosseln (23 Prozent) oder komplett zu meiden (20 Prozent).

Viele Menschen versuchen, nach anfänglicher Euphorie und begeisterter Nutzung, das Internet nun bewusster zu nutzen. Dies wird deutlich, wenn 23 Prozent der Befragten angeben, zukünftig öfter bewusst offline zu sein. Ein Blick in die Erhebung aus 2014 bringt keine Erkenntnis dazu, ob sich dieser Wert erhöht hat, denn dieser Punkt wurde im Vorjahr nicht abgefragt.

Auch die ARD/ZDF Online Studie kam kürzlich zu der Erkenntnis, dass die Gesamt-Nutzungsintensität sinkt, führte dies jedoch auf die jetzt hinzukommenden Nutzer zurück, die eine geringere Intensität aufwiesen und so dem Gesamt-Wert senken. Ob hierin auch der hier festgestellte Effekt der bewusst reduzierten Nutzung eine Rolle spielt, lässt sich ohne weitere Analysen nicht sagen.

Die 20 Prozent Totalverweigerer bleiben im Vergleich zum Vorjahr konstant. Insgesamt hat sich der Indexwert „Offenheit“ 2015 etwas verschlechtert, von 54,9 auf 53,2 und liegt damit noch unter dem Wert aus 2013 (53,9).

Vergleicht man den D21-Digital-Gesamt-Index 2015 mit den Vorjahreswerten, so zeigt sich eine marginale Verbesserung des Gesamtindex von 0,3 Punkten. Den negativen Entwicklungen bei „Offenheit“ (-1,7) und „Nutzungsvielfalt“ (-3,4) stehen bei „Zugang“ (+1,8) und Kompetenz (+1,1) positive Werte gegenüber. Wie die Macher der Studie die Indexwerte gewichtet haben, wurde leider nicht dargestellt, denn angesichts der Werte müsste bei gleicher Gewichtung der Gesamtindex ebenfalls sinken.

Mobile Nutzung

53,9 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren nutzen bereits mobiles Internet. Auch die Nutzung mobiler Geräte, insbesondere von Tablets (2015: 35%; 2014: 28%) und Smartphones (2015: 60%; 2014: 53%), steigt weiter deutlich an.

Mobile Endgeräte sind in allen Altersgruppen zunehmend beliebt. Während in der Altersgruppe 14-29 bereits neun von zehn Befragten ein Smartphone besitzen, sind es bei den 50-64-Jährigen 56 Prozent. Weniger hoch liegt die Smartphone-Nutzung in der Generation 65+. Hier nutzt nur jeder Fünfte ein Smartphone.

Auch Tablets werden am häufigsten von den 14-49-Jährigen genutzt, die Nutzungsquote der 50-64-Jährigen liegt bei 34 Prozent, die der Generation 65+ bei nur noch 13 Prozent. Insgesamt zeigt sich, dass die Gerätenutzung mit zunehmendem Alter abnimmt.

Die unterschiedlichen Interessen und Herangehensweisen an die digitalen Medien zeigen sich auch in dem eigentlichen Nutzungsverhalten. Je Altersgruppe stehen unterschiedliche Intentionen im Vordergrund. Zwar ist die Informationssuche im Internet über alle Altersgruppen hinweg die Haupttätigkeit im Umgang mit digitalen Medien, doch betrachtet man das Einkaufsverhalten, so sticht vor allem die Gruppe der 30-49-Jährigen hervor. 71 Prozent der 30-49-Jährigen geben an, regelmäßig online einzukaufen. In der Altersgruppe 65+ sind es immerhin 49 Prozent.

Regionale Unterschiede

Seit 2003 ist die Internetnutzung kontinuierlich angestiegen, seit 2011 hat sich dieser Trend jedoch stark verlangsamt. Seitdem wird jährlich weniger als ein Prozentpunkt Steigerung gemessen, so dass man im Grunde von einer Stagnation der quantitativen Entwicklung sprechen kann.

Der Anteil der Nutzungsplaner, d. h. derer, die zwar aktuell das Internet nicht nutzen, aber planen innerhalb der nächsten zwölf Monate damit zu beginnen, ist über die Jahre gesunken, stagniert seit 2011 und liegt heute bei rund zwei Prozent. Die Anzahl der expliziten Nichtnutzer digitaler Medien stagnierte zeitgleich.

Insgesamt kann man also festhalten, dass der Anteil derer, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind, jährlich leicht sinkt. Die Veränderungen sind auch für das Jahr 2015 marginal. Weiterhin machen Offliner und Nutzungsplaner ungefähr ein knappes Viertel der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren aus. Dies entspricht rund 16 Mio. Bundesbürgern.

Hamburg weist mit 84,3 Prozent den größten Anteil von Onlinern auf, Sachsen-Anhalt mit 69 Prozent den kleinsten. Die meisten Offliner findet man in Mecklenburg-Vorpommern, die wenigsten ebenfalls in Hamburg.

Nicht nur die Regionen zeigen Unterschiede in der Internetnutzung, auch bei bestimmten Gruppen lassen sich Abweichungen feststellen. So nutzen Frauen, Ältere, nicht Beschäftigte, Personen mit einem geringeren Bildungsabschluss, geringer Verdienende und Personen aus kleineren Orten das Internet weniger häufig.

Dies war nur ein kurzer Einblick in die wirklich gute Datensammlung und -auswertung der Inititiative D21 und TNS Infratest. Auf den fast 70 Seiten finden sich noch viele weitere Aspekte und Grafiken. Daher haben wir die Studie auch in unserer Studiendatenbank verlinkt.

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Über Heike Scholz 410 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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