Prof. Dr. Ing. Frank Straube: „Die automatisierte Logistik benötigt neues Expertenwissen und ganzheitliche Erkenntnisse“

Acht Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts werden durch die Logistik erwirtschaftet. Die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bieten neue Lösungen. Im Interview mz erklärt Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, wie sich die automatisierte Logistik gestalten könnte.
Foto: TU Berlin

„Logistik ist der Blutkreislauf von Wirtschaft und Gesellschaft. Zwei Drittel dessen, was eine exzellente Logistik ausmacht, findet in Informations- und Planungssystemen von Industrie-, Handels- und Logistikunternehmen statt“, weiß Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, Leiter des Fachgebiets Logistik an der TU Berlin. Acht Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts werden durch die Logistik erwirtschaftet. Globalisierung, E-Commerce, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung, kundenspezifische Produkte, Nachhaltigkeit, digitale Technologien und smarte Services sind und Treiber. Die fortschreitende und der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bieten neue Lösungen. Im mobile zeitgeist erklärt Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, wie sich die automatisierte Logistik gestalten könnte.

mz: Was sind die und Treiber im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung, welche für die Logistik einen wichtigen Stellenwert einnehmen werden?

Prof. Dr.-Ing. Frank Straube: Treiber sind Vernetzungstechnologien physischer Objekte und für ein neuartiges Informationsmanagement. sind neben der Schaffung von Transparenz und Automatisierung bestehender Logistiknetzwerke für Güter und Mobilitätsangeboten für Menschen vor allem das Herausbilden neuer Angebotsakteure und Geschäftsmodelle. Nutzen statt Besitzen, Bündeln und autonom sSeuern, dezentral statt zentral Entscheiden, Sprintprojekte und iterative Verbesserungen statt perfekte Analysen und Designs.

mz: Welche Rolle wird auf dem Logistikmarkt zukünftig die künstliche Intelligenz einnehmen?

Prof. Dr.-Ing. Frank Straube: Ich vermute, dass wir zunehmend in Echtzeit den wirtschaftlichsten aus einer Vielzahl möglicher Lieferwege herausfinden werden, Ankunftsprognosen genauer werden, datengetriebene Services als echter Mehrwert angeboten werden, die Kundeninteraktion über Bots komfortabler wird – und auf der anderen Seite neue Themen wie Datenverantwortung, Vertrauen, und Ethik von Systemen neue sein werden.

mz: Welche Position wird nach Einschätzung der Studien-Beteiligten der Mensch im Rahmen digitaler Transformations-Prozesse in der Logistik einnehmen?

Prof. Dr.-Ing. Frank Straube: Menschen als Nutzer werden neuartige Dienstleistungen erhalten, der Verkehr in Städten wird effizienter gemanagt. Beispielsweise durch Smart Hubs, die nur stundenweise in Stadtvierteln stehen, um Paketnachfragen zu realisieren. Menschen werden von belastenden Tätigkeiten in der Logistik entlastet. Sie müssen neue Fähigkeiten erwerben, die automatisierte Logistik benötigt neues Expertenwissen und ganzheitliche Kenntnisse. Organisations- und Führungsformen werden sich weiter entwickeln müssen, und Akzeptanz einer Fehlerkultur und Open Innovation mit komplett anders denkenden Fachdisziplinen werden Erfolgsfaktoren. Schliesslich werden Logistiksysteme sicherer, nachhaltiger und effizienter – aber auch anfälliger für Angriffe auf Informationsströme. Auch hier braucht es neue Kompetenzen. Logistik wird weiter an Bedeutung für Wirtschaft und als Funktionsermöglicherin gewinnen und Schwellenländer schnell an Welthandels – und -mobilitätsströme anschliessen.

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