Pokémon Go stirbt nicht

Pokémon Go
Pokémon Go Spieler

In den vergangenen Wochen war es unmöglich, nichts vom kometenhaften Aufstieg des Mobile Games Pokémon Go mit zu bekommen. Die Medien überschlugen sich in der Berichterstattung und gefühlt war der eigene Freundeskreis außer Rand und Band und ständig auf dem Sprung nach draußen.

Doch nun, rund sechs Wochen später, heißt es „Pokémon Go ist tot“. Das ging ja mal schnell. Was ist geschehen?

15 Mio. Nutzer verloren

Pokémon Go wurde im Juli 2016 gelauncht und Downloadzahlen und die Zahl der aktiven Nutzer schnellten nach oben. Zu Spitzenzeiten sollen es 45 Millionen aktive Nutzer gewesen sein, Comscore hat sogar 55 Millionen errechnet.

Die Analysten von Axiom Capital Management haben dann neue Zahlen vorgelegt und verkündeten, dass das Spiel 15 Millionen tägliche Nutzer verloren hätte. Auch sollen die Downloadzahlen sinken und die durchschnittliche Spielzeit soll ebenfalls zurück gehen.

Pokémon Go Daily Active Users (DAU)

Dies hat ausgereicht, dass sogleich das Ableben des Games fest stand. Der Hype sei nun vorbei, das war’s, Tschöö mit Ö.

Doch ist dies wirklich das Ende von Pokémon Go? Ist es nur eine sommerliche Eintagsfliege? Eher nicht.

Spielertyplogien

Der Rückgang von Nutzer- und Downloadzahlen ist nach einem derart fulminanten Start nicht verwunderlich. Und 32 Millionen aktive Nutzer, die Pokémon Go immer noch hat, sind ja nicht wirklich ein Zeichen von Ableben oder Tod, oder?

Doch schauen wir uns die Spielertypen einmal an:

Der Überflieger. Er schaut mit dem ersten Anzeichen eines Hypes vorbei, schaut sich um, kann vom ersten Tag an mitreden und steht ganz vorn, wenn es um Expertentipps und Beurteilungen geht. Er spielt eine Weile, doch schnell schaut er, wo sich der nächste Hype ergeben könnte. Sobald sich etwas Neues zeigt, ist er auch schon wieder weiter gezogen. Er ist kein Gamer sondern eher ein Jäger, immer auf der Suche nach der nächsten App, dem nächsten Spiel, dem nächsten Wasauchimmer.

Der Gelegenheitsspieler. Spielt gern, aber nicht immer und nicht alles. Als Pokémon Go aufkam, war er natürlich dabei und hat kräftig mitgespielt. Die Begeisterung war groß, wurde aber auch durch technische Schwierigkeiten oder ländliche Einöde (es gibt zu wenig Pokémons auf dem Land) auch wieder gebremst. Das Interesse erlahmte und er kehrte entweder zu seinen anderen Spielen zurück oder hörte ganz auf. Ihn wird man sicherlich wieder reaktivieren können, doch wird er nie zu den großen Fans gehören und immer mal wieder aussteigen.

Der intensive Spieler. Er ist Spiele-Profi. Er spielt regelmäßig, viel und kann zu recht als Gaming-Experte bezeichnet werden. Auch er war natürlich bei Pokémon Go dabei. Seine Erfahrung macht ihn jedoch auch anspruchsvoll und so wird er von technischen Schwierigkeiten, die Niantic unbestritten hatte, vertrieben. Es wird schwer, aber nicht unmöglich sein, ihn zur Rückkehr zu bewegen.

Der Fan. Hier ist er, der treueste Vertreter. Er war schon Pokémon-Fan, bevor es das Spiel gab, kennt die Monster von früher und kann in Erinnerungen schwelgen. Er spielt durchaus gern, wenn auch selektiv. Doch bei der Kombination eines spannenden und unterhaltsamen Spiels mit Pokémons kann er nicht widerstehen. Er sieht technische Probleme am ehesten nach, engagiert sich in Communities zum Game und wartet sehnsüchtig auf die nächsten Updates. Er ist der ideale Markentbotschafter, ein echter Fan eben.

In allen vier Gruppen hat Niantic verloren, wie viel ist durchaus unterschiedlich. Insgesamt ist das für ein Game nicht ungewöhnlich und dieser Effekt ist schon lange bei erfolgreichen Spielen wie auch Candy Crush Saga oder World of Warcraft zu beobachten. Die Nutzerzahlen „atmen“ sozusagen, nehmen einmal zu, um auch wieder zurück zu gehen, nur um wieder zuzulegen. Es liegt am Geschick der Publisher, ob sie es schaffen, diese Bewegungen optimal zu bespielen.

Content in Hülle und Fülle

Pokémon Go befindet sich in einer der Abschwungphasen, das ist unbestritten. Doch sie haben mit Nintendos Pokémons noch viel Munition im Köcher. Ich las etwas davon, dass es noch 700 weitere Charaktere geben soll und Niantic bisher nur zehn Prozent der Inhalte verwendet hat. Wenn sie es dann noch schaffen, attraktive Spielsystematiken zu implementieren, kann nicht mehr allzu viel schief gehen. Der Wunsch der Nutzer nach Mobile Games ist jedenfalls eindeutig.

Mobile Games sind beliebt

Pokémon Go ein Social Game

Pokémon Go hat gezeigt, dass ein Mobile Game die Massen begeistern kann. Viele haben neue Kontakte geknüpft, andere Menschen über das Spiel, aber im „Real Life“ kennen gelernt. Damit bedient das Spiel eine für uns soziale Wesen enorm wichtige Komponente: Den Austausch mit anderen Menschen. Und dies nicht über Bits und Bytes sondern ganz real bei der Jagd nach Monstern im Park, in der Fußgängerzone oder einer Brücke, die deswegen gesperrt wurde.

Ja, wie es immer so mit Technologien ist, Pokémon Go hat auch dunkle Seiten. Oder sagen wir eher, wie die Menschen damit umgehen. Es gab Verletzte und auch Tote im Straßenverkehr. Die Polizei hat zusätzlich damit zu tun, Spieler im Zaum zu halten und Schulen diskutieren Pokémon-Verbote.

Pokémon Go hat gezeigt, wie Augmented Reality unsere reale Welt erweitern kann und uns mit anderen Menschen zusammen bringt. Etwas was der Vorgänger Ingress, auf dem auch Pokémon Go basiert, so noch nicht geschafft hatte. Es wird sich zeigen, ob das Game ein Dauerbrenner werden wird. Ich denke, es hat das Zeug dazu. Niantic müsste schon eine Menge falsch machen, um es nicht auf einem wirtschaftlich lohnenden Niveau halten zu können, auch wenn das schöne Sommerwetter bald vorbei sein wird.

Growing strong! (Tyrell) Winter is coming! (Stark)

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Über Heike Scholz 410 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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