Podcast, Podcast über alles | Umsatztreiber oder Märchenerzähler?

Tina Jürgens

Das Thema Podcast interessiert mich nicht nur allgemein, sondern auch ganz persönlich. Im letzten Jahr hatte ich dazu viele spannende Gespräche mit einigen Machern und war natürlich auch mit der eigenen Produktion beschäftigt. Eine meiner ersten Interviewpartnerinnen dabei, war eine liebe Kollegin, Tina Jürgens. Als Geschäftsführerin von Zebra-Audio.Net ist sie ein absoluter Vollpofi auf dem Gebiet der Produktion und Vermarktung von Podcasts aller Art. Daher wollte ich jetzt nach einem Jahr wissen, wie sich der Markt entwickelt hat und was wir noch zu erwarten haben.

Podcasts – Eine Bilanz des letzten Jahres

mz: Tina, Podcasts haben zuletzt einen immensen Hype durchlebt. Magst Du für uns eine Bilanz ziehen, wie sich das Format “Podcast” schlägt?

Tina Jürgens: Ich denke, dass Podcasts mittlerweile aus der „Nische“ heraus sind. Sie sind so interessant, dass große Plattformen wie Spotify Produktionsfirmen und Technikanbieter kaufen oder exklusive Rechte an ausgesuchten Shows. Wir erleben eine enormen Zunahme an neuen, gut produzierten Formaten und auch die großen Firmen haben Podcasts als ernst zu nehmenden Marketing-Kanal wahrgenommen.

mz: Wie steht es um die Beliebtheit? Klingt sie bereits etwas ab oder ob stehen wir erst am Anfang einer blühenden Zukunft?

Tina Jürgens: Aus meiner Sicht sind wir noch am Anfang: Einmal, weil es noch soviele Dinge zu erzählen und zu entdecken gibt. Und da fehlen v.a. auch für ältere Zielgruppen noch Angebote. Auch weil Podcast als Erzählform sich gerade noch entwickelt. Ich hoffe auf viele, spannende und unkonventionelle Shows.

Der Podcast als Werkzeug für Content Marketing

mz: Podcasts besitzen dank Millionen Zuhörer das Potential als Content Marketing Instrument eingesetzt zu werden. Marken, Produkte und Qualität können über Audio eine ganz besondere Reichweite erzeugen. Wo siehst Du, dass dieses Plus besonders gut genutzt wird?

Tina Jürgens: Das kommt doch sehr auf das Ziel der Firma an. Natürlich kann man über Podcasts wunderbare Geschichten über den Ursprung einer Idee oder die Begeisterung für ein Thema erzählen, oder den oftmals harten Weg von der Idee bis zum tatsächlichen Unternehmen erfahrbar machen. Es sollte sich aber nicht um schnödes Product Placement handeln. Es geht um gute, interessante Geschichten, die einen Wert oder Bedeutung haben. Und manchmal ist die Geschichte nach 6 Folgen auch auserzählt.

Mehr Umsatz und Reichweite über Podcasts

mz: Gibt es spezifische Strategien, die Unternehmen anwenden können, um ihre Inhalte für die Zuhörerschaft entsprechend aufzubereiten?

Tina Jürgens: Erstmal sollte geschaut werden, für wen die Inhalte denn gedacht sind. Wer soll das hören? Und ist dieser Inhalt wirklich interessant für die avisierte Zielgruppe? Wenn dem so ist, dann sollte man sich für die grundsätzliche Mechanik entscheiden: Handelt es sich um einen regulären, regelmäßig erscheinenden Podcast oder eher um eine abgeschlossene Staffel aus einer begrenzten Anzahl von Folgen? Was sind die genauen Themen, wie ist die Tonalität, die diese Zielgruppe anspricht? Was sind ihre Informations-Bedürfnisse und Nutzungssituationen? Braucht es einen bekannten Host oder kann das jemand aus dem Unternehmen machen? Und auch ganz pragmatisch: Gibt es ausreichend Ressourcen (Zeit, Budget, Personen) für Produktion, Vertrieb und Promotion? Was kann inhouse gemacht werden, was muss rausgegeben werden?

mz: Mal ganz direkt und krass, kann mit Podcasts die Kaufbereitschaft gesteigert werden?

Tina Jürgens: Absolut. Wenn ich das richtige Format im passende Themenumfeld habe und einen Host oder eine Ad, die überzeugt, dann wird das auch zum gewünschten Kaufimpuls führen.

Podcast-Hosts sind die „neuen“ Influencer

mz: Welchen Fokus nehmen prominente Sprecher in Bezug auf Podcasts ein? Sind sie vielleicht die neuen Influencer oder funktioniert das nur bei bild-affinen Formaten?

Tina Jürgens: Manche, sehr bekannte Podcast-Host sind mittlerweile auch so etwas wie Audio Influencer. Und prominente Personen, die eine Show präsentieren werden natürlich immer für ausreichend Aufmerksamkeit und Reichweite sorgen. Letztlich muss das alles aber immer authentisch sein, sonst springt der Funke nicht über. Die Stimme ist ein sehr verräterisches „Instrument“.

mz: Welche Entwicklungen wünschst Du Dir für die Zukunft für das Format und seine Nutzer?

Tina Jürgens: Ich hoffe auf viele neue, spannende, ungewöhnliche Podcasts, über die wir sprechen, diskutieren, die uns bewegen. Und auf große Werbekampagnen im Podcast, die intelligent und unterhaltsam mit dem Content verwebt sind.

mz: Danke für Deine Zeit und bis bald.

Tanja Goldstein
Über Tanja Goldstein 19 Artikel
Seit vielen Jahren ist Tanja Goldstein mittlerweile Teil der digitalen Agenturszenen und unterstützt ihre Kunden als Beraterin oder Projektmanagerin. Nachhaltige Digitalisierung ist das Thema, mit dem sie sich leidenschaftlich beschäftigt und das sie sich zum Schwerpunkt gemacht hat. Als Anchor von mobile zeitgeist prägt sie die Ausrichtung des Online Magazins und schreibt selbst über Themen aus ihrem privaten und beruflichen Alltag. Die Vernetzung und der Austausch mit Gleichgesinnten gehören ebenso wie die Beschäftigung mit neuen Technologien und Trends zu Ihrem Alltag. In Wort und Schrift fühlt sie sich zu Hause und bereichert diese durch Ihre Expertise in Psychologie und klassischer Musik.

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