Next Generation Payment 2015

Der Sieger

Am 27. und 28. Januar fand bereits der dritte Kongress Next Generation Payment statt. Der Banking Club begrüßte die Teilnehmer wie auch im letzten Jahr in den Räumen der GS1. Neben den Themen zu neuen Bezahlverfahren, war diesmal ein spezieller Block den sogenannten Fintechs gewidmet. Als Fintechs werden Startups bezeichnet die ihre Dienste im Bereich des Banking und Finanzsektors anbieten.

Der Banking Club hatte dazu insgesamt 10 Startups eingeladen, die innerhalb von 10 Minuten ihr Geschäftsmodell vorstellen und Fragen aus dem Publikum beantworten konnten. Anschließend wurden die einzelnen Modelle durch eine Fachjury bewertet und die Kongressteilnehmer konnten ebenfalls ihren Favoriten per Abstimmung bestimmen. Aus beiden Votings zusammen sollte dann ein Gesamtsieger ermittelt werden.

 Die Jury lauscht den Startups

Doch zunächst möchte ich hier die einzelnen Fintechs in der Reihenfolge ihres Antritts vorstellen. Bemerkenswert ist, dass 9 von 10 Kandidaten für Ihre Innovation ein oder Handy einsetzen. Eine Tendenz die allen Banken die Mobile noch nicht als zentrales Innovationsinstrument sehen, zu denken geben sollte.

Hier nun aber die Startups:

  1. Lendstar
    https://www.lendstar.io

    Lendstar bietet P2P Überweisungen sehen. Das sind einfache Geldtransfers vorzugsweise zwischen Freunden. Die möglichst schnell und mit geringerem Aufwand abgewickelt werden sollen. Üblicherweise müssen die Kunden erst Geld im P2P System ablegen (stored Value). Lendstar will das überwinden, indem die Kunden aus der Lendstar App direkt auf das Girokonto zugreifen. Damit ist für die Autorisierung einer Transaktion zumindest der gleiche Aufwand wie für eine Girotransaktion notwendig. Geld will man mit einer zusätzlichen Kreditkarte verdienen. Außerdem kann man eine Kooperation mit der Comdirect Bank vorweisen.
  2. SCANGORU
    SCANGORU ist ein neues Projekt der IT Werke. Das Team von Ulrich Kipper hat wahrscheinlich die längste Erfahrung mit Mobile Payment im Deutschen Markt. Dafür stehen Produkte wie GO4Q und QSounds. Mit dem neuesten Projekt will man dem Handel im Prozess helfen. Der Kunde soll seine Ware in einem Self- Prozess selber erfassen, so wie das auch bereits bei IKEA praktiziert wird. Allerdings und das ist neu bringt der Kunde das Tool auch gleich selber mit, sein Smartphone. Die installierte App dient zum Erfassen des Warenkorbs und wird anschließend auch für den Zahlvorgang verwendet. Coupons, Loyalty und digitalen Kassenbon in solch ein Ökosystem zu integrieren ist dann auch nicht schwer.
  3. Gini
    Die Firma hinter Gini sieht sich als Lösungsanbieter für das Erfassen und Auswerten unstrukturierter Daten. Im speziellen kann diese Kompetenz dann verwendet werden um aus Rechnungen die relevanten Zahlungsinformationen zu extrahieren und diese direkt an eine Banking App weiter zu reichen. Rechnungen können z.B. am Smartphone mit der Gini App erfasst werden. Damit ist man laut Gini aber noch nicht am Ende. Ein weiterer Use Case wäre die Möglichkeit Rechnungen im Kontext von erfolgten Zahlungen anzuzeigen und so das Personal Finanz Management auf eine neue Stufe zu heben. Partner sind bereits die ING DIBA und die Deutsche Post.
  4. Barzahlen.de
    Barzahlen.de hat den Anspruch E-Commerce auch für Barzahler zu ermöglichen. Nach einer Online Bestellung wählt man Barzahlen.de als Zahlverfahren aus. Danach wird eine Transaktionsnummer erzeugt, die man sich ausdrucken oder per SMS auf das Handy senden lassen kann. Im Anschluss bezahlt man den Betrag bei einer der 4000 Akzeptanzstellen unter Angabe der Transaktionsnummer.
    Bahrzahlen.de richtet sich in erster Linie an Jugendliche, Personen mit geringem Einkommen und fehlender Kartenausstattung, sowie Personen mit einem sehr hohen Sicherheitsbewusstsein.
    Weitere Geschäftsfelder die neben Online Einkäufen gerade erschlossen werden, sind Barzahlung von Rechnungen der Nahversorger (Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke), Zahlung von Mahnungen und Bargelddienstleistungen für Direktbanken.
    Barzahlen.de besitzt nach eigener Aussage das drittgrößte Netzwerk an Barzahlungstellen nach den Sparkassen und Volksbanken.
  5. ementexx
    ementexx bietet einen weiteren Ansatz IBAN die Schreckliche für den Benutzer erträglicher zu machen. Das Hilfsmittel mit dem das gelingen soll heißt DBAN und steht für Dynamik Bank Account Number. Der Ansatz ist eine Server Infrastruktur die eine Vanity Konto Nummer im sogenannten DBAN Format in eine „echte“ IBAN Konto Nr. übersetzt. Zusätzlich kann auch der komplette Zahlungsdatensatz hinter einer DBAN abgelegt werden, so dass für die Ausführung einer Überweisung nur noch die DBAN angegeben werden muss. ementexx bietet das Produkt als managed Service (zu testen unter My DBAN) oder auch Banken und Bankverlagen zum Betrieb in Eigenregie.
  6. Cringle
    Mit Cringle stellt sich ein weiterer Dienstleister mit einer Lösung für P2P Zahlungen. Der Ansatz hier ist das „Verbinden“ von Girokonten. Das Girokonto des Cringle Kunden wird per 1 Cent Überweisung authentifiziert und anschließend können Geldbeträge einfach ohne TAN Eingabe auf die Girokonten der Freunde überwiesen werden. Diese müssen dazu nicht bei Cringle angemeldet sein.
    Technisch zieht Cringle eine Lastschrift vom Konto des Cringle Kunden und führt dann eine Giro Transaktion aus. Zahlungsdienstleister ist die DKB Bank. Eine sofortige Wertstellung wird hierbei leider nicht erreicht. Die Monetarisierung erfolgt über eine Gebühr von 10 Cent pro Überweisung.
  7. opentabs
    In der Schlange stehen ist auch vorne blöd! Unter diesem Motto will opentabs den Bestellvorgang vor allem in der Systemgastronomie erträglicher gestalten. Der Kunde bestellt also schon auf dem Weg zum Essen per App und braucht dann an der Ausgabe nur noch seinen Bon vorzeigen. Bezahlt ist dabei auch schon. Als Zahlungsmittel bietet opentabs Lastschrift Kreditkarte und PayPal. Am 9.2 startet man mit einem der größten Fast Food Anbieter weltweit. Wer das ist wurde nicht verraten. Nur so viel, nach dem Launch kann man opentabs in Köln dann in sieben Lokationen einsetzen.
  8. elopay
    Auch elopay widmet sich dem Thema P2P. Der nette Gimick in diesem Verfahren ist das die Empfänger alle mit Foto in der App abgebildet werden. Konsequenterweise bezeichnet sich Elopay dann auch als Symbiose aus Facebook PayPal.
    Zahlungen untereinander sind einfach, direkt und kostenlos. Der Preis dieses Komforts ist ein stored Value Verfahren das erst aufgeladen werden muss. Dies geht per Kreditkarte und Sofort Überweisung, Lastschrift ist in Vorbereitung.
    Geld verdienen will man mit Länderübergreifenden Transaktionen vorzugsweise außerhalb des SEPA Raums und hat dabei die Türkische Gemeinde in Deutschland fest im Blick.
  9. Paycash
    Paycash ist treuen mobile zeitgeist ein alter Bekannter. Ich verweise daher hier auf den letzten Praxis Test und widme mich bevorzugt den Neuerungen.
    Paycash hat jetzt am Düsseldorfer Hauptbahnhof bei Backwerk eine Kassenintegration. Dadurch ist der Checkout wesentlich einfacher und schneller. Darüber hinaus ist Paycash selbst Halter eine eMoney Lizenz und stellt diese anderen Startups zur Verfügung. Genannt wurden der alternative Girokonto Anbieter AVUBA und Crypto Currency Anbieter Kraken.
  10. Qnips
    Qnips setzt auf die Mehrwerte im Bezahlvorgang dazu gehört dann der digitale Kassenbon. Dreh und Angelpunkt ist die Kassenintegration in den Systemen des Handels. Dem Handel wird eine Analyse der Warenkörbe mit integrierter Loyalty Funktion angeboten. Als Bezahloptionen wird PayPal und Kesh angeboten.

Gewonnen hat diesen Pitch dann Gini ganz knapp vor OpenTabs.

 Gini wird als Sieger gekürt

Dies waren natürlich noch längst nicht alle Beiträge aus dem Bereich Mobile und Payment. Als weiterer Schwerpunkt in diesem Segment war das Thema HCE. Eine direkte Ankündigung mit Launch Date hatte zwar kein Referent. Die Tendenz ist eindeutig,  in 2015 kommen einige Produkte auf den Markt.

Zu guter Letzt soll die Präsentation der Danske Bank nicht unerwähnt bleiben. Das größte Institut Dänemarks hat ein extrem einfaches P2P System aus dem Boden gestampft. Mittlerweile ist die Danske Bank unangefochtener Marktführer und hält über 50% des Marktes in diesem Segment. Erstaunlich die Mehrheit der MobilePay Kunden, hat gar kein Konto bei der Danske Bank.

Olaf Taupitz von cashcloud brachte es dann in seinem anschließenden Vortrag auf den Punkt. Er ist dankbar dass die Danske Bank kein deutsches Unternehmen ist. Sonst würde ein wesentlicher Teil seines Geschäftsmodells entfallen.

Wie es aussieht könnten P2P Zahlungen, nach Online Payment der nächste Trend sein, den deutsche Banken verschlafen! 

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Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe).
Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .

Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

2 Kommentare

  1. Die Banken können sich die Mühe sparen, wenn ApplePay kommt, machen eh alle mit und dann hat sich’s mit den anderen „Lösungsansätzen“ erledigt.
    :-)

    • a.) ApplePay ist extrem stark eingeschränkt, auf einen Hersteller und selbst dort geht es nur auf Endgeräten der neusten Generation
      und nur wegen einem Zahlungsvorgang wird sich niemand ein Apple-Gerät kaufen

      b.) AndroidPay (zzgl. Google Wallet), Paypal sowie Microsoft hab auch was in der Schublade
      c.) nicht alles ist PoS, sondern es geht auch um Desktop usw.

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