Mobile Startups Insights: Das Geschäftsmodell von Crowdtesting

Marketing & Strategy

Im Rahmen der Kolumne Mobile Startup Insights berichten Gründer über ihre eigenen Erfahrungen. Dabei stehen vor allem Themen wie Strategie, Geschäftsmodell und spezielle Herausforderungen von im Vordergrund. Im heutigen Artikel der Kolumne gibt Philipp Benkler, Gründer und Geschäftsführer der Testbirds GmbH, Einblicke in das Geschäftsmodell Crowdtesting mithilfe des Business Model Canvas.

Marketing & StrategyEs gibt sie mittlerweile für nahezu jeden Lebensbereich. Es gibt sie kostenlos und kostenpflichtig und jeder, der über ein mobiles Gerät verfügt, kennt und nutzt sie. Die Rede ist von Apps, den modernen und mobilen Alltags-Helferchen.

Wie wird das Wetter? Wann fährt die nächste U-Bahn? Was passiert in der Welt? Ein Blick auf das Smartphone genügt und in Sekundenschnelle steht nahezu jede Information zur Verfügung. Aber wehe dem die Applikation funktioniert nicht.

Damit Apps und Webseiten auf allen smarten Geräten unabhängig vom Hersteller, Betriebssystem, , Bildschirmgröße und Co. richtig funktionieren, müssen sie getestet werden und zwar am besten von möglichst unvoreingenommenen Personen auf möglichst vielen verschiedenen Geräte- und Systemkombinationen. Die Ressourcen dafür sind intern meistens jedoch knapp und die eigenen Entwickler eignen sich als objektive Tester nicht. Sie wissen schließlich wie sie die Anwendung bedienen müssen und kennen die Logik ihres Produktes. Dieses „Dilemma“ macht sich Testbirds zu nutze. Mit der Schwarmintelligenz der weltweiten Internetgemeinde testen unterschiedlichste Personen auf den verschiedensten Geräten mobile Apps, Webseiten, Enterprise-Software, Games und vieles mehr.

Als der Markt für mobile Anwendungen gerade angefangen hat zu boomen, entstanden die Idee sowie der Markt für Crowdtesting. Die Gründer des Münchner Startups haben sich bewusst und aus strategischen Gründen dazu entschlossen, selbst keine Apps zu programmieren, sondern Anbieter bei der Optimierung von Apps und Webseiten zu unterstützen. Das Geschäftsmodell und Crowdtesting made by Testbirds soll nachfolgend mithilfe des „Business Model Canvas“ von Osterwalder et. al. erklärt werden.

Das Business Model Canvas 

Um die Schlüsselfaktoren eines erfolgreichen Geschäftsmodells zu reduzieren, konzentriert sich das Business Model Canvas auf das Wesentliche. Auf nur einer Seite werden schematisch neun zentrale Bestandteile festgehalten. Die Methode ist dynamisch, das bedeutet, dass sie jederzeit angepasst werden kann, ja sogar angepasst werden muss – nicht zuletzt deshalb eignet sie sich besonders um die Geschäftsidee von Startups zu erklären.

Im Zentrum eines jeden Canvas Modells steht das Wertangebot. Der Kundennutzen besteht bei Testbirds aus

  • dem Produktportfolio von Quality Assurance und Usability,
  • dem erfahrenen Projektmanagement und den Endnutzern,
  • der Flexibilität, Verfügbarkeit und Unterschiedlichkeit der Crowd sowie
  • der Erfahrung sowohl der Mitarbeiter als auch der Tester.

Mit seinem flexiblem Angebot verspricht Testbirds den Kunden eine Optimierung der Software und damit einhergehend eine Steigerung der Rentabilität ihres Angebots („ROI“).

Für die Kundenbeziehungen sind Key Accounts und Projektmanager zuständig. Sie betreuen den Kunden vom Angebot bis zum Abschlussbericht und sind darüber hinaus deren Ansprechpartner.

Vertrieben wird die IT-Dienstleistung vom Standort in München sowie von England und Holland aus. Daneben ist Testbirds auf relevanten Branchenmessen vertreten und verfügt über ein Netz an Resellern (Kanäle).

Seine Dienstleistung bietet das Startup momentan vornehmlich auf dem europäischen Markt an und richtet sich mit seinem Angebot an den Mittelstand und Großunternehmen (Kundensegmente).

Das Unternehmen konzentriert sich in seinen Schlüsselaktivitäten auf:

  • die erfolgreiche Abwicklung der Projekte und zufriedene Kunden.
  • die Betreuung der Crowd.
  • den Vertrieb der Dienstleistung.
  • Personalpolitik – sowohl Recruiting als auch Weiterbildung.
  • Produktinnovationen.
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
  • Weiterentwicklung der eigenen Plattform, dem Nest.

Die bedeutendsten Ressourcen (Schlüsselpartner) sind folglich die Mitarbeiter gleichwie die Crowd. Wichtige Schlüsselpartnerschaften bestehen mit dem Investor und strategischen Partnern aus der IT Branche. Letztere ergänzen das Angebot komplementär zum Geschäftsmodel. Hierzu zählen Agenturen, Systemhäuser gleichwie große Unternehmen und Verbände.

Und nun zum Faktor Geld: In den meisten Fällen werden momentan Kosten (Einnahmequellen) je abgeschlossenem Projekt eingenommen. Der Preis variiert je nach Testsetup und liegt pro Projekt durchschnittlich im mittleren vierstelligen Bereich. Außerdem gibt es Unternehmen, die über einen Rahmenvertrag verfügen und Projekte, die über Partner abgewickelt werden.

Die Ausgabenseite (Kostenstruktur) gliedert sich in direkte und indirekte Kosten: Die Tester werden je nach Projektumfang mit einem fixen sowie variablen Betrag bezahlt. Zur indirekten Kostenstruktur zählen Personalkosten und administrative Aufwände sowie Kosten die im Zuge von Marketing- und PR-Maßnahmen sowie Messen anfallen.

Als junges Unternehmen blickt Testbirds auf zwei spannende Geschäftsjahre zurück, in denen das Business Model Canvas einige Male überarbeitet und angepasst wurde. Das Modell ist ein sehr hilfreiches Tool, um regelmäßig die Geschäftsidee zu evaluieren und gegebenenfalls zu adaptieren. Aufgrund des rasant wachsenden Marktes hat das Unternehmen aus München noch einiges an Arbeit vor sich, denn die App-Ökonomie wird in den nächsten Jahren weiter an Fahrt gewinnen – nicht nur auf dem B2C Markt, sondern auch auf dem Markt werden digitale Anwendungen zunehmen. Diese Umstände fordern freilich auch eine Anpassung der Canvas.

Der Artikel wurde von Philipp Benkler verfasst. Er ist einer der drei Gründer der Testbirds GmbH und hat zuvor den Studiengang „Finanz- und Informationsmanagement“ an der Universität Augsburg und der TU München studiert. Benkler hat umfassende Erfahrungen im Enterprise Umfeld sowie als selbstständiger Entwickler. Er verantwortet als geschäftsführender Gesellschafter die IT-Infrastruktur und kümmert sich um das Tagesgeschäft. 

Wer Interesse hat, über seine eigenen Gründungserfahrungen zu berichten, kann sich gerne an uns wenden. Schickt uns einfach eine E-Mail an: startups@mobile-zeitgeist.com.

 

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Über Manuel Jaeger 7 Artikel
Manuel ist Mitgründer von krittiq, eine soziale Empfehlungsapp für Filme, Serien und Bücher. Vor krittiq studierte er Industrial Engineering an der University of Cambridge.

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