Mobile Payment auf der EuroCIS 2015

it Werke

Die EuroCIS 2015 hatte wie immer  eine Reihe von Neuheiten im Bereich Mobile Payment. Sie alle zu präsentieren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Die Auswahl der hier vorgestellten Produkte sind Projekte, die ich vor Messebesuch nicht so sehr auf dem Radar hatte.

Concardis Opitpay

Im Jahr 2009 hatte Jack Dorsey (Mitbegründer von Twitter) mit SQUARE ein Aufsatzgerät entwickelt, das die Akzeptanz von Kreditkarten am Smartphone erlaubt. Seitdem ist eine ganze Klasse von sogenannten mobile Lösungen entstanden. Was immer noch fehlte war ein Gerät zur mobilen Akzeptanz von kontaktlosen Karten.

Payleven ein Startup aus dem Hause Rocket Internet hat solche ein Gerät von vor über einem Jahr angekündigt. Nun hat aber mit Concardis ein Unternehmen aus der „Old Economy“ die Nase vorn. Medienwirksam wurde gezeigt dass auch Apple Pay damit funktioniert. Selbstverständlich geht es aber auch mit den Mobile Wallets der deutschen Mobilfunker. Was im Augenblick noch fehlt ist die offizielle Freigabe durch VISA. Dann steht dem Rollout nichts mehr im Weg.

Der kommerzielle Start ist für die nächsten Wochen geplant. Dann sollen die Kunden den Optipay für 99 € erwerben können. Neben dem einmaligen Kaufpreis für den Kartenleser fallen dann nur umsatzabhängige Transaktionsgebühren an. Die 2,6 % für Kreditkarten dürften mit Einsetzen der Interchange Regulierung noch einmal deutlich gesenkt werden. Im Markt herrscht ein starker Wettbewerb. Zielgruppe sind vor allem Taxifahrer, Handwerker und Betreiber von Marktständen. Dabei ist die Versandoption des Zahlungsbeleges per Mail ein sinnvolles Feature.

zahlz

zahlz wurde als studentisches Unternehmen in Osnabrück gegründet, um ein Bluetooth basiertes Zahlungssystem für Mobilgeräte zu entwickeln. Entstanden ist dabei die „zahlz.box“. Ein Interface für klassische Kassensysteme, so wie ein EC-Karten oder Kreditkarten POS Terminal. Im inneren befindet sich ein Einplatinencomputer ähnlich dem „Raspberry Pi“. Das Ganze hat in etwa die Größe einer Apple TV Box und sieht genauso schick aus.

Auf der Mobilfunk Seite verlangt das System Bluetooth 4.0. Das heißt für IOS ist mindestens ein iPhone 4s mit iOS 7.1.1 und für Android, die Version 4.4 KitKat erforderlich.

Zum Bezahlen muss man das Mobiltelefon in die Nähe der zahlz.box halten. Danach wechselt der leuchtende Ring auf der zahlz.box die Farbe von Blau auf ein dunkles Orange, genau wie die zugehörige App des Smartphones. Jetzt kann man die Transaktion, je nach Device mit dem Fingerabdruck oder einer PIN bestätigen. Anschließend vibriert das Handy leicht und der Zahlungsvorgang ist erledigt.

Eine Mobilfunkverbindung während des Zahlvorgangs ist nicht notwendig. Die gesamte Kommunikation zwischen der zahlz.box und dem Smartphone läuft über Bluetooth.

Wer der Zahlungsdienstleister in diesem Konstrukt ist, wurde noch nicht verraten. Nur so viel, drei verschiedene Verfahren stehen zur Auswahl und eine Bank ist auch darunter. „Die APIs sind offen, wir können mit jedem zusammenarbeiten“ sagt Sebastian Herkenhoff einer der Gründer von zahlz.

Bleibt noch die Frage, ob der Handel sich ein weiteres Terminal in den Verkaufsbereich stellen will?

Mit dem Mineralölunternehmen Q1 hat zahlz jetzt aber einen Partner, der das Verfahren bei seinen 180 Tankstellen einsetzen will.

PAY@MATCH

PAY@MATCH ist bereits auf der EuroCIS 2012 vorgestellt worden. Die Telekom präsentierte damals ein Verfahren bei dem der Kunden per Lastschrift am POS bezahlen konnte. Sowohl Identifikation als auch Autorisierung erfolgten hier per Biometrie (Fingerabdruck).

PAY@MATCH in der Version 2015 hat damit nur noch wenig gemein. Aus dem Vorgängerprojekt wurden der Markenname PAY@MATCH und die Backendprozesse mit dem bestehenden ATOS Gateway übernommen.

Der wesentliche neue Baustein ist der Einsatz des Smartphones als Frontend. Das Verfahren ist dort in das Telekom Produkt MyWallet integriert. Der Kunde registriert sich indem er sein Girokonto mit Direktüberweisung (ähnlich Giropay oder Sofortüberweiung) verifiziert. Danach wird PAY@MATCH konfiguriert und steht zur sofort zur Verfügung.

Das Verfahren ist mit einer PIN in der App geschützt. Die Aktivierung ist gleichzeitig auch der Nachweis für die Autorisierung der Zahlung. Danach muss das Smartphone noch an das fähige Zahlungsterminal gehalten werden. Eine Unterschrift auf dem ausgehändigten Kassenbon ist nicht mehr notwendig. Die geheimen Daten des Benutzers werden genau wie bei den Kreditkarten der , im Secure Element des Smartphone gespeichert.

Laut Angaben der Telekom ist das Verfahren fertig für den Rollout. Es gibt das besagte Payment Gateway aus dem Vorgängerprojekt und mit Telecash, Verifone und CCV hat man bereits einen einen Zahlungsdienstleister und zwei Terminalhersteller an Bord.

PAY@MATCH ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen ist es das erste mir bekannte NFC Bezahlverfahren das auf der EuroELV Spezifikation aufsetzt. Damit ist es also skalierbar und weit mehr als nur ein weiteres nationales Nischenprodukt. Zum anderen sehe ich hier ein starkes Signal der Telekom an die Banken. Diese sollten sich das Verfahren mal genauer anschauen. Mit dem eigenen Debit Produkt, der Girocard geht es ja nur schleppend voran. Die Telekom Lösung kann auf ganz Europa skaliert werden. Hier ist Platz für ein kooperatives Modell.

Aber falls auf Bankseite kein Interesse besteht, die Lastschrift ist auch ohne die Banken ein Erfolgsmodell, wie einige Zahlungsdienstleister bereits bewiesen haben.

it-werke

Ulrich Kipper und sein Team sind die Kreativen in der Mobile Payment Branche. Gegründet im Februar 2000, sind die it-werke wahrscheinlich auch das deutsche Unternehmen mit der längsten Erfahrung bei Innovativen Zahlverfahren. Angeboten werden mobile Technologien Zahlungsprozesse, Sicherheit, Datenanalyse und Marketing. Immer mit Blick auf die Umsatzförderung der Kunden. Als Symbol dafür hatte man dieses Jahr dann konsequenter Weise einen Ölförderturm auf dem Messestand platziert.

Zu sehen waren die Produkte: digiPROOF biometrisches Bezahlen mit dem Fingerabdruck, GO4Q ( Zahlverfahren am Smartphone), QSounds (akustische QR-Codes) und audioGAZ (Verfahren zur Anreicherung von Werbespots mit Incentives). Darüber hinaus wurde mit SCANGORU,  das beim Bankingclub als Konzept präsentierte Self-Checkout System für das eigene Smartphone, nun in der Version 1.0 vorgestellt.

Etwas Neues. gab es dann auch noch, ISICADO, der Geschenkgutschein zum selber Ausdrucken. Der Gutschein ist eine Weiterentwicklung aus dem City Gutschein, den man für die Stadt Kehl realisiert hat. Im Augenblick wird vor allem noch eine Bank benötigt die eine E-Money Lizenz beisteuert. Dann kann es losgehen. Der Bedarf ist vorhanden und das Konzept scheint auch sicherer zu sein als die in der ct getesteten Gutscheinkarten.

Avatar for Rudolf Linsenbarth
Über Rudolf Linsenbarth 88 Artikel
Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf Twitter @Holimuk oder bei XING.

1 Trackback / Pingback

  1. Ralf

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*