[Interview] Mobile Recruiting bei der Allianz: „Mentale Hürden abbauen!“

Allianz mobile recruiting

In unserem letzten Beitrag zum Mobile Recruiting hatten wir bereits her geleitet, dass die potentiellen Bewerber mobil sind, wie sie ihre Smartphones nutzen und Unternehmen sich dringend damit beschäftigen sollten, ihre Jobangebote auch auf mobilen Geräten optimal nutzbar zu machen.

Deutsche Unternehmen sind in diesem Bereich noch nicht alle gut aufgestellt, wie eine Studie festgestellt hatte. Doch es gibt auch Unternehmen, denen es heute schon gelingt, nicht nur die Karriereseiten mobil optimiert anzubieten sondern auch den Bewerbungsprozess auf mobilen Endgeräten abzubilden.

Mobile Recruiting bei der Allianz

Die Allianz SE hat bereits im Herbst letzten Jahres sein mobiles Recruiting System vorgestellt. Die globalen Karriereseiten waren zu diesem Zeitpunkt bereits dank Responsive Webdesign mobilfähig, doch man erkannte, dass es sowohl im Hinblick auf Google und SEO als auch die zunehmende mobile Nutzung notwendig sei, mehr zu tun.

Es sollten also den potentiellen Bewerbern weitere Funktionen auch mobil zur Verfügung stehen:

  • Stellensuche
  • Statusabfrage bereits verschickter Bewerbungen
  • Einfaches Bewerben

Wir wollen hier nicht auf alle Funktionen ausführlich eingehen. Für alle Interessierten empfehlen wir den lesenswerten Blogpost von Dominik Hahn oder man schaut sich das Video an. Von Dominik erhalten wir später auch noch im Interview spannende Informationen.

Vereinfachter Bewerbungsprozess

Was wir uns anschauen möchten, da es noch so selten von Unternehmen angeboten wird, ist das Bewerben an einem mobilen Endgerät. Hier bietet die Allianz zwei Verfahren an: „Bewerbung vorbereiten“ und „Jetzt bewerben“.

Bei „Bewerbung vorbereiten“ können ein paar Grunddaten (Name, Adresse, Mail, optional ein bis zwei Einträge zur bisherigen Berufserfahrung) erfasst werden. Der Bewerber erhält dies dann per Mail und kann die Bewerbung am Desktop abschließen, dort auch Dokumente hoch laden und ein Anschreiben verfassen.

Mit „Jetzt bewerben“ kann der Kandidat einen stark vereinfachten Bewerbungsprozess einleiten. Dabei werden nur sehr wenige Informationen (Arbeits- bzw. Ausbildungserfahrungen und Telefonnummer) erfasst. Die Recruiter bei der Allianz prüfen die Angaben und können schnell und unkompliziert zum Bewerber Kontakt aufnehmen.

Nicht alle Jobangebote bieten die Funktion „Jetzt bewerben“. Ob ein Angebot für dieses Verfahren zugelassen wird, entscheiden die Recruiter wenn sie das Angebot online stellen.

Interview mit Dominik Hahn, Allianz SE

Welche Erfahrungen die Allianz mit ihrem Mobile Recruiting System gemacht hat und wie es weiter gehen soll hat uns Dominik Hahn, Global Employer Branding & eRecruiting Allianz SE, und einer der Väter der Lösung in einem Interview verraten.

1. Die Allianz hatte schon früh responsive Karriere-Seiten, seit Oktober 2013 habt Ihr auch mobil optimierte Recruiting-Seiten. Welche Erfahrungen habt Ihr seitdem gemacht? Wie viele bewerben sich bereits mobil? Gibt es bestimmte Berufsbilder oder Regionen, bei/in denen mobile Bewerbungen besonders häufig vorkommen? Wie haben Deine Kollegen reagiert bzw. welche Hürden musstet Ihr intern nehmen?

Wie heißt es so schön? „Man muss dort sein, wo der Kunde ist.“ Und der Kunde, in unserem Fall der potenzielle und tatsächliche Bewerber, legt ein sehr differenziertes Mediennutzungsverhalten an den Tag. Am Arbeitsplatz oder tagsüber wird häufig der Desktop-Rechner herangezogen, unterwegs oder abends auf der Couch verstärkt das Smartphone oder Tablet genutzt. Insofern haben wir es heutzutage in den meisten Fällen mit einem „Hybrid-Bewerber“ zu tun, der sowohl mobil als auch stationär nach Arbeitgeberinformationen sucht.

Das belegen auch die Nutzungszahlen unseres mobilen E-Recruiting-Systems: Seit Einführung Anfang Oktober vergangenen Jahres besuchten rund 95.000 Nutzer die mobilen Recruiting-Seiten. Diese kamen dabei auf ca. 180.000 Seitenaufrufe. Wir sind daher sehr froh, sowohl die Karriere-Webseite als auch unser Online-Bewerbungstool für Mobilgeräte optimiert zu haben.

Hauptsächlich nutzen die Besucher die Suchfunktion, gefolgt von der Möglichkeit, sich per Mobilgerät zu registrieren, Jobs bzw. Suchen zu teilen und sich zu bewerben.

Bei der mobilen Bewerbung müssen wir zwischen zwei Optionen unterscheiden. Per default ist es bei allen Stellen möglich, die Bewerbung am Smartphone/Tablet vorzubereiten. Man kann also schon ein paar Daten eingeben, etwa persönliche Informationen oder auch die ersten Einträge zu den schulischen bzw. beruflichen Stationen. Im Anschluss schickt das System eine E-Mail an den Bewerber und fordert diesen auf, die Bewerbung am Desktop-PC abzuschließen.

Die zweite Variante betrifft das direkte Bewerben per Mobilegerät. Hier genügen uns drei Informationen:

  • Eine Telefonnummer
  • Mindestens eine Angabe zu einer relevanten Ausbildung
  • Mindestens eine Angabe zu einer relevanten Berufserfahrung.
  • Ein Anschreiben oder der Upload von Dokumenten ist in diesem Schritt nicht nötig.

Da nicht jede ausgeschriebene Stelle für dieses Procedere geeignet ist, überlassen wir es unseren Recruitern weltweit zu entscheiden, ob sie diese Möglichkeit in die mobile Stellenanzeige einbauen möchten. Das geschieht ganz einfach per Klick im Recruiter-Backend-System. Mehr als 100 solcher „Direkt Bewerben“-Job-Anzeigen sind bisher veröffentlicht worden. Rund 2.000 User nutzten bislang die mobile Bewerbungsoption, 33 davon haben sich direkt per mobilen Endgerät beworben.

Wir sehen also deutlich, dass die mobile Jobsuche ein absolutes Must-have ist, das mobile Bewerben jedoch sowohl auf Recruiter- als auch Bewerberseite noch Zeit braucht. Die vorhandenen mentalen Hürden hier abzubauen wird eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre sein.

2. Welche nächsten Entwicklungsschritte habt Ihr Euch vorgenommen? Wo seht Ihr nach Euren Erfahrungen Verbesserungspotenziale?

Gegen Ende September, Anfang Oktober zünden wir Phase 2. Das bedeutet, wir schaffen die Möglichkeit, bereits vorhandene Profildaten aus Xing, LinkedIn und Facebook per Knopfdruck in unser System zu transportieren. Diese Funktion wird es neben dem Mobil- auch für das Desktop-System geben.

Damit machen wir das mobile Bewerben nicht nur einfacher, sondern sorgen so auch für eine gute Datenqualität – denn die Bewerberprofile in den Business-Netzwerken sind in der Regel sehr gut gepflegt. Übrigens: Die Daten werden nicht automatisch aus den Netzwerken gezogen oder gar automatisch gespeichert. Der Nutzer muss bei beiden Schritten selbstverständlich seine Zustimmung geben.

3. Was rätst Du anderen Unternehmen, die ihr Mobile Recruiting und/oder Mobile Employer Branding verbessern wollen? 

Mobile Recruiting bzw. Mobile Employer Branding ist kein Nice-to-have, sondern in vielerlei Hinsicht Standard. Kunden kaufen per Mobilgerät ein, erledigen ihr Online-Banking per App und buchen Apartments on-the-go. Die Jobsuche bzw. Suche nach Arbeitgeberinformationen bildet hier keine Ausnahme. Das belegen unsere Statistiken.

Auch klar aber ist: Wer jetzt anfängt, darüber nachzudenken, sollte sich primär auf die Karriere-Webseite und den Stellenmarkt konzentrieren. Damit deckt man den Großteil des derzeitigen Nutzerbedürfnisses ab. Mobile Bewerbungsprozesse sind bislang noch eher das i-Tüpfelchen.

Danke für das Interview!

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Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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