GTC Index 2019: Deutschland hinkt als Talentschmiede hinterher

Foto: pixabay, Gerd Altmann

Im weltweiten Wettbewerb um Talente kommt Deutschland nur auf den 14. Platz. Das zeigt der Bericht zum Global Talent Competitiveness Index (GTCI) 2019, den der Personaldienstleister Adecco Group, die Hochschule INSEAD und Tata Communications am 21.01.2019 veröffentlichten. In der Rangliste liegen die Schweiz, Singapur und die USA vorn. Weniger wohlhabende Länder in Asien, Lateinamerika und Afrika stehen dagegen einer fortschreitenden Abnahme ihres Talentpools gegenüber. Der Bericht bestätigt, dass Talent-Performance als ausschlaggebender Faktor für Wachstum und Wohlstand gilt.

Im Vergleich zum Vorjahresergebnis verbesserte sich Deutschland zwar um fünf Plätze, konnte allerdings noch nicht in die Top-10 vorrücken. Besondere Stärke hierzulande ist nach wie vor das hervorragende System der Berufsausbildung. Weniger gut schneidet Deutschland dagegen ab, wenn es um die Anziehung internationaler Top-Talente geht. (Die 20 führenden Länder 2019: siehe unten)

Der Studie zufolge ist Washington, DC, die weltweit attraktivste Stadt für Talente. Als beste deutsche Stadt landet München auf Platz 20 der Rangliste. Dahinter folgen Berlin (32. Platz), Frankfurt am Main (39.), Kiel (46.) und Hannover (62.). Insgesamt wurde die Anziehungskraft von 114 Städten untersucht.

Der diesjährige Bericht konzentriert sich besonders auf unternehmerisches Talent, wie es weltweit gestärkt, gefördert und entwickelt wird und wie es sich auf die relative Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Volkswirtschaften auswirkt. So lassen sich neue Vorgehensweisen für die Förderung talentierter Mitarbeiter erkennen. Dazu zählen beispielsweise Bemühungen, Bottom-Up-Innovationen zu bestärken. Ein solcher Fortschritt ist vor allem in den Städten zu beobachten, wo „Smart City“-Ökosysteme zunehmend als Talent-Magnete fungieren. Die Ergebnisse zeigen weiter: Die Länder und Städte, die die Rangliste anführen, stehen unternehmerischem Talent meist am offensten gegenüber.

Digitalisierung und Globalisierung stärken die Rolle von unternehmerischem Talent

Der Bericht zeigt außerdem, dass Städte eher als Länder eine stärkere Position als Talent-Knotenpunkte einnehmen. Diese wachsende Bedeutung von Städten ist auf ihre höhere Flexibilität und Fähigkeit zurückzuführen, sich neuen Trends anzupassen: Weil die Politik schneller angepasst werden kann, sind Städte für Talente attraktiver, insbesondere für unternehmerische.

Hinter der Spitzenstadt Washington, DC; folgen im weltweiten Vergleich Kopenhagen, Oslo, Wien und Zürich. Die Position der US-Hauptstadt folgt aus ihrem starken Abschneiden bei vier von fünf Grundpfeilern, die im Rahmen der Studie gemessen wurden. Im Einzelnen sind das die Grundpfeiler „Be Global“ (Weltoffenheit), „Attract“ (Attraktivität), „Grow“ (Wachstum) und „Enable“ (Ermächtigung). Ihre stabile Wirtschaft, dynamische Bevölkerung, herausragende Infrastruktur und Konnektivität, ihre hochkompetenten Arbeitskräfte und erstklassige Bildung machen diese Stadt zu einem Talent-Knotenpunkt.

Auf lange Sicht

Zum ersten Mal bietet der 2019 eine Langzeitanalyse von Talent-Wettbewerbsfähigkeit, die auf den Ergebnissen sämtlicher -Berichte seit 2013 basiert. Die wesentliche Erkenntnis ist, dass sich die Kluft zwischen den Talent-Siegern und dem Rest der Weltgemeinschaft vergrößert. Talent-Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Ländergruppen an Stärke, wo diese ohnehin schon relativ hoch ist, und wird in jenen Ländern zunehmend schwächer, wo diese relativ gering ist.

Bruno Lanvin, Executive Director, Global Indices, INSEAD, und Mitherausgeber des Berichts, kommentierte: „Unter den Top 10 für Talent-Wettbewerbsfähigkeit befinden sich nur zwei außereuropäische Länder: Singapur und die USA. Dies verdeutlicht, dass Europa weiterhin eine bleibt, und zeigt gleichzeitig, dass Länder mit hervorragenden Universitäten und einem ausgeprägten Bildungssektor am einfachsten Talente anziehen.“

Felipe Monteiro, INSEAD Affiliate Professor of Strategy, Academic Director und Mitherausgeber des Berichts, erläuterte: „Unternehmergeist scheint ein entscheidender Faktor für Erfolg zu sein. Sämtliche Arten von Organisationen müssen unternehmerisches Talent anziehen, und zwar in einem Zeitalter, in dem Ökosysteme rund um den Globus durch die digitale Transformation radikal umgestaltet werden.“

Alain Dehaze, CEO der Adecco Group, sagte: „So wie sich die Arbeitswelt mit rasanter Geschwindigkeit ändert, besteht die Gefahr, dass – wenn Länder und Städte nicht die richtigen Bedingungen bieten, um Talente für sich zu gewinnen – sich Menschen und Unternehmen abwenden und sich anderweitig nach Möglichkeiten umschauen. Die Ergebnisse des diesjährigen GTCI-Berichts sind ein weiterer Beleg dafür, dass Talent zunehmend als eine Möglichkeit gesehen wird, sich erfolgreich in einer Welt des steten Wandels zurechtzufinden. Nur mit Hege und Pflege lässt sich die richtige Umgebung entwickeln, in der Talente sich entfalten können, was einen fruchtbaren Boden für Erfolg in der Zukunft schafft.“

Vinod Kumar, Chief Executive Officer, Tata Communications, erklärte: „Das Konzept der Offenheit ist für unternehmerisches Talent maßgeblich und Unternehmenskultur spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Unternehmen und Städte müssen Hand in Hand arbeiten, um eine Kultur des Intrapreneurship sowie eine Geisteshaltung zu kultivieren, in der die kontinuierliche Weiterbildung an oberster Stelle steht, denn die menschliche Komponente ist letztlich der Schlüssel für eine erfolgreiche digitale Transformation. So wird das positive Potenzial freigeschaltet, das Technologie birgt – insbesondere in einer Welt, in der Mensch und Maschine Seite an Seite arbeiten werden und verschiedene Arten der Kollaboration und Ideenbildung zum Vorschein kommen.“

Der Bericht zum GTCI 2019, der von INSEAD, die „Business School for the World“, in Partnerschaft mit der Adecco Group und Tata Communications veröffentlicht wurde, gilt als umfassendes jährliches Benchmarking, durch das gemessen wird, wie Länder und Städte wachsen bzw. Talent anziehen und binden. Entscheidungsträgern wird dadurch eine einzigartige Quelle geboten, um sich ein klares Bild der globalen Talent-Wettbewerbsfähigkeit zu verschaffen und Strategien zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln.

Der Bericht misst den Grad der globalen Talent-Wettbewerbsfähigkeit anhand von 68 Variablen. Der Index 2019 deckt 125 Volkswirtschaften und 114 Städte (bzw. 119 und 90 im Jahr 2018) über alle Einkommensklassen und Entwicklungsstufen hinweg ab.

Die 20 führenden Länder 2019

In der sechsten Ausgabe führt die Schweiz weiterhin die Rangliste des Global Talent Competitiveness Index 2019 an, während Singapur und die Vereinigten Staaten den zweiten und dritten Platz einnehmen, genau wie es auch 2018 der Fall war. Den drei Spitzenländern folgen die nordischen Länder Norwegen (Platz 4), Dänemark (Platz 5), Finnland (Platz 6) und Schweden (Platz 7). Der Jemen bildet dieses Jahr mit Platz 125 das Schlusslicht des Index, unmittelbar nach dem Kongo (Platz 124) und Burundi (Platz 123).

Wie auch in den vergangenen Jahren wird ein höherer Platz mit einem höheren Einkommensniveau in Verbindung gebracht. Politiken und Methoden, die in stärker entwickelten Ländern zu Talent-Wettbewerbsfähigkeit beitragen, sind weniger anfällig für politische und sozioökonomische Schwankungen. Volkswirtschaften mit hohem Einkommen verfügen über die nötige Stabilität, um in lebenslanges Lernen zu investieren, was Kompetenzen stärkt und internationale Talente anzieht bzw. langfristig bindet.

Die 10 führenden Städte 2019

Die führenden Städte schneiden in den fünf Grundpfeilern des Talentspektrums am besten ab. Die Spitzenstadt, Washington, DC, ist hierfür beispielhaft, da sie in drei der fünf Dimensionen zu den zehn besten zählt. Die zunehmend zentralen Rollen von Städten als unternehmerische Talent-Knotenpunkte unterstreichen auch, wie wichtig die Entwicklung eines ausgeprägten und dynamischen Ökosystems ist, insbesondere im Bereich .

Quelle: The Adecco Group Germany, Tata Communications

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