“Digitalise or die”: Sind Web Apps die Lösung?

Angesichts der Corona-Krise stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Unternehmensprozesse in kürzester Zeit zu digitalisieren: Mitarbeiter ins Homeoffice und Prozesse online. Wer nicht schnell reagiert, ist morgen vielleicht schon pleite.
Unter normalen Umständen sind eine perfekte Möglichkeit, um Prozesse einfach und effizient digital abzubilden. Nur leider benötigt so eine sorgfältig durchdachte und nachhaltig entwickelte App ihre Zeit. Das liegt nicht nur am Prototyping sondern auch an den App Stores mit ihrem teils zeitraubenden Zulassungsprocedere, das bei noch aufwändiger ist als bei . Die Kontrolle der wollen die beiden Tech-Giganten nicht aus der Hand geben. Das hat natürlich auch viele Qualitätsvorteile für die User. Einen Weg gibt es aber, die App Stores zu umgehen und der heißt: Web Apps.

Doch zunächst einmal, worin unterscheiden sich überhaupt die verschiedenen mobilen und Web Apps?

Native, hybride und Web Apps: Was ist der Unterschied?

Native Apps: Das sind mobile “Applikationen”. Sie werden eigens für entweder Android oder entwickelt. Diese Programmierung geschieht in der Programmiersprache der entsprechenden mobilen Plattform. Bei ist das heutzutage Swift. Früher war es Objective-C. Bei Android kommt Kotlin zum Einsatz und früher war es Java.

Hybride Apps: Sie sind ebenfalls für die mobilen Betriebssysteme von Apple und Android entwickelt und werden über die App Stores auf den Smartphones installiert. Hybride Apps sind aber nicht in einer nativen Plattform-Programmiersprache (Kotlin/Swift) entwickelt, sondern “übersetzt”. Alternativ werden sie in einen nativen Container verpackt – und dann an die Stores ausgeliefert.

Diese beiden App-Typen können nur über die App Stores verteilt werden – mit dem entsprechenden vorangehenden Prüfungsprocedere. Der Vorteil einer hybriden App im Vergleich zu einer nativen App ist, dass sie nur einmal entwickelt werden muss (und dann übersetzt wird bzw. in den Container kommt). Dafür leiden Qualität und Geschwindigkeit etwas.  

Anders sieht es bei den Web Apps aus. Sie sind wie eine ganz normale Website direkt über den Web Browser aufrufbar und müssen nicht erst bei den Apps Stores eingereicht und veröffentlicht werden. 

Was ist der Unterschied zwischen einer Web App und einer Website? 

Die Unterschiede sind nicht exakt definiert. In der Regel ist eine Web App aber einer nativen App wesentlich näher als einer Website. Sie bietet dem Nutzer eine User Experience, die er von mobilen (nativen) Apps kennt. Seit kurzem gibt es die so genannten Progressiven Web Apps (PWA) und damit eine noch besser User Experience. 

Welche Vorteile hat die PWA? 

  1. Sie sieht aus und funktioniert wie eine App.
  2. Sie ist installierbar wie eine App
  3. Wie eine App funktioniert sie auch offline. 

Damit ist PWA weder ein Standard noch eine Technologie. Es handelt sich mehr um einen technologischen Trend mit dem Ziel, eine User Experience zu erschaffen, deren Komfort nativen Apps sehr nahe kommt. 

Nutzer können sich PWA völlig frei aus dem Internet aufs laden. Dazu müssen (bzw. können) sie nicht die App Stores von Apple oder Google nutzen. PWA sind frei verfügbar und installierbar wie Apps.
Diese Tatsache widerspricht den Interessen von Apple und Google. Deshalb ist es auch ein wenig komplizierter PWA zu installieren – vor allem auf Apple-Geräten. Dazu geht man in das Menü des Web Browsers und sucht den Punkt “Zum Startbildschirm hinzufügen”. Damit setzt man ein “Bookmark” auf seinem Startbildschirm zur entsprechenden PWA. Und das ist dann auch gleichzeitig der Hauptgrund, warum sich die PWA nicht schneller verbreiten. Man muss als Nutzer erstmal auf die Idee kommen, die PWA zu installieren. 

Ist eine PWA immer eine gute Lösung?

Die PWA hat viele Vorteile. Der größte Vorteil derzeit ist sicherlich, dass sie wesentlich schneller am Start ist als eine nativ programmierte App. Ansonsten gilt wie immer, der Use Case entscheidet über die Wahl der Technologie

Native Apps sind immer die beste Wahl, wenn der Zugang zur Gerätetechnologie bzw. die Qualität des User Interfaces Priorität haben. Die technologische Überlegenheit von nativen Apps zeigt sich z.B. deutlich beim HealthKit Medical Data, dem Login per Face ID oder bei der Offline-Speicherung. 

Bei kleineren Projekten ohne komplexe technologische Anforderungen und bei knapperen Budgets haben die hybriden Apps die Nase vorn. Wenn die App aber weiterentwickelt werden soll und die technologischen Anforderungen komplexer werden, dann treten die Einschränkungen in den Vordergrund und der Preisvorteil schwindet. AirBnB hatte bspw. zunächst auf eine hybride App basierend auf dem Framework React Native gesetzt, dieses aber inzwischen durch eine native App ersetzt. 

Geht es um Use Cases wie Content Management Systeme (CMS) oder interne Dashboards sind PWA eine gute Alternative zu nativ programmierten Apps. Die Entwicklungszyklen können schnell aufeinander folgen und werden nicht von den App Store Reviews gebremst. Auch ein etwas komplizierterer Installationsprozess ist hier in der Regel kein Hindernis. Am häufigsten kommen die PWA aber als Erweiterung der Website zum Einsatz. Beispielsweise für die User, die sich nicht extra eine App auf dem installieren wollen, weil sie die Anwendung nur selten benötigen. Pinterest hat sich – wahrscheinlich genau für diese User – neben einer nativen App auch eine PWA zugelegt. Weitere bekannte PWA stammen von booking.com, Twitter, Trivago sowie Flipkart, einem indischen Online-Shop, der damit die Verweildauer auf seinen Seiten verdreifachen und die Konversion um 70 Prozent steigern konnte. Eine gute Übersicht über verfügbare PWA liefert beispielsweise findPWA.

Wie immer gilt bei der Planung von App-Projekten: Der Use Case entscheidet  über die geeignetste Lösung. 

Über Josef Gattermayer 1 Artikel
Dr. Josef Gattermayer ist einer der drei Gründer und Inhaber von Ackee. Er hat an der Tschechischen Technischen Universität in Prag promoviert zu Distributed Computing – und nannte das schon Blockchain bevor der Begriff cool wurde. Neben seiner Position als CIO und Geschäftsführer für die deutsche Niederlassung ist Josef Assistant Professor an der TU in Prag. Dort hält er Vorlesungen über Big Data. Ackee hat u.a. Apps für den Deutschen Bundestag, Audi, VW, Skoda und T-Mobile entwickelt. Mehr Informationen auf www.ackee.de

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